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| 16:46 Uhr

Eishockey
Neubeginn der Füchse nach dem Trainer-Beben

Corey Neilson arbeitete zuletzt bei den Nottingham Panthers.
Corey Neilson arbeitete zuletzt bei den Nottingham Panthers. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Der Kanadier Corey Neilson ist mit dem Eishockey-Zweitligisten aus Weißwasser in die Saisonvorbereitung gestartet. Mitgebracht hat er viele Ideen - und vier Regeln. Von Frank Noack

Der eiskalte Start in den Neuanfang dauerte bei den Lausitzer Füchsen gut eineinhalb Stunden. So lange ließ der neue Cheftrainer Corey Neilson die Mannschaft beim Aufgalopp in die Saisonvorbereitung am Mittwochmittag auf dem Eis schwitzen. Der 41-jährige Kanadier wirkte bei seiner Premiere im Fuchsbau unaufgeregt, gab präzise Kommandos und suchte immer wieder den Austausch mit seinem neuen Assistenten Chris Straube. „Ich freue mich auf die Arbeit mit dem Team und die Herausforderung. Weißwasser hat ganz viel Eishockey-Tradition“, erklärte Neilson im Gespräch mit der RUNDSCHAU. „Ich möchte die Mannschaft so schnell wie möglich kennenlernen. Wir werden jeden Tag hart dafür arbeiten, um uns gemeinsam zu verbessern.“

Es ist ein personeller Neuanfang, der vor einem Monat überhaupt noch nicht abzusehen war. Denn eigentlich sollte Robert Hoffmann die Lausitzer Füchse in die Saison 2018/19 der DEL2 führen. Unter Hoffmann wurde in der vergangenen Spielzeit der Klassenerhalt geschafft. Er hatte im Sommer auch das Team nach seinen Vorstellungen ergänzt. Mit Roope Ranta mussten die Füchse nur einen einzigen Leistungsträger ziehen lassen. Fast ein Dutzend Spieler sind neu, darunter Stürmer Clarke Breitkreuz von den Löwen Frankfurt, Verteidiger Mychal Monteith vom ESV Kaufbeuren sowie mehrere Förderlizenzspieler vom Kooperationspartner Eisbären Berlin.

Was dann jedoch passierte – ­darüber gibt es sehr unterschiedliche Sichtweisen. Am 18. Juli verkündeten die Füchse die Trennung von Robert Hoffmann und begründeten diesen Schritt mit dem gestörten Vertrauensverhältnis zum neu verpflichteten Co-Trainer Chris Straube. Hoffmann, der für seine Geradlinigkeit bekannt ist, hat sich mit Verweis auf den laufenden Rechtsstreit vor dem Arbeitsgericht seitdem nicht öffentlich geäußert.

FOTO: VITAMIN - stock.adobe.com / VITAMIN/fotolia, Kollage Wrobel/lr

Chris Straube schilderte am Mittwoch am Rande der ersten Trainingseinheit der RUNDSCHAU seine Sicht der Dinge: „Ich habe am Anfang der Gespräche meine Vorstellungen eingebracht – so wie bei den anderen Cheftrainern auch. ,Hoffi‘ war der Chef und trifft also die Entscheidung, wie er mit meinen Ideen umgeht. Ich war selbst überrascht, dass man sich getrennt hat. Aber diese Entscheidung hat der Verein getroffen.“ Eine Entscheidung, die nach außen hin sehr überraschend kam. Natürlich weiß auch Geschäftsführer Dirk Rohrbach um die heikle Situation. Sich zwei Wochen vor dem Start der Vorbereitung von seinem Cheftrainer zu trennen, ist kein alltäglicher Vorgang. Zumal Hoffmann in der Kabine großes Vertrauen genoss. Angeblich hat der eine oder andere Profi sogar darüber nachgedacht, seinen Vertrag aufzulösen. Diese Überlegungen scheinen nun vom Tisch zu sein.

„Es gibt eine klare Botschaft an die Mannschaft: Es sind alles Profis, sie müssen den Fokus allein auf die sportlichen Dinge richten; unabhängig davon, wer auf der Trainerbank sitzt“, mahnte Rohrbach am Mittwoch.  

Die besondere Schwierigkeit im Fuchsbau: Der neue Coach findet ein Team vor, das sein Vorgänger zusammengestellt hat. Der personelle Handlungsspielraum für Corey Neilson beschränkt sich im Wesentlichen auf die noch offene, letzte Kontingentstelle. Als vierter Ausländer soll ein Stürmer verpflichtet werden. Mit der überraschenden Beurlaubung seines Vorgängers will sich der Kanadier erst gar nicht groß befassen. „Ich schaue nach vorn. Das, was passiert ist, hatte ja mit meiner Person nichts zu tun. Ich freue mich auf die Arbeit mit dem Team und die neue Herausforderung“, betont Neilson.

Zuletzt war er Coach der Nottingham Panters in England. Mit dem Team holte er insgesamt 14 Titel und hat nach eigenem Bekunden „alle Ziele“ erreicht, unter anderem den Einzug in das Achtelfinale der europäischen Champions League CHL. In England hat sich Corey Neilson den Ruf erworben, ein Team mit jungen Spielern, aber auch erfahrenen Profis entwickeln zu können. Seine Eishockey-Philosophie beschreibt der Kanadier derzeit noch recht allgemein. „Wir wollen als Mannschaft hart gegen den Kontrahenten arbeiten“, erklärt er. Und zwar mit einer „Mischung aus Geschwindigkeit, Fähigkeiten und Aggressivität“.

Bereits vor der ersten Übungseinheit im Fuchsbau hatte der neue Coach via „Eishockeynews“ seinen Spielern seine vier Regeln für die gemeinsame Arbeit mitgeteilt. „Wenn die Jungs sich an meine vier Regeln halten, haben wir die Chance, das Bestmögliche aus uns als Team herauszuholen. Erstens: Sei pünktlich! Zweitens: Sei selbstständig! Drittens: Sei ein gewissenhafter Arbeiter! Viertens: Bringe es konsequent zu Ende!“

In Weißwasser geht die Arbeit für Corey Neilson jetzt erst los. Viel wird davon abhängen, wie schnell dem neuen Coach und der Mannschaft dieser Neuanfang gelingt. Denn vor allem für den Saisonstart Mitte ­September gilt Regel Nummer eins: Sei pünktlich!

Neuer Trainer, neue Spieler - so starten die Füchse FOTO: Thomas Heide