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Eishockey
Neuanfang für Hantschke mit neuer Kraft

Ralf Hantschke arbeitete von 2008 bis 2016 für die Lausitzer Füchse. Sein Abschied war alles andere als freiwillig.
Ralf Hantschke arbeitete von 2008 bis 2016 für die Lausitzer Füchse. Sein Abschied war alles andere als freiwillig. FOTO: City-Press GbR
Weißwasser. Sein Eishockey-Herz ist Blau und Gelb - eben Weißwasser. Trotzdem arbeitet Ralf Hantschke nach einer Krankheitspause jetzt als Geschäftsführer für den EV Landshut. Die Ziele sind ehrgeizig. Von Frank Noack

Sein berufliches Weihnachtsgeschenk hat sich Ralf Hantschke in diesem Jahr selbst gemacht. Der 52-jährige Ex-Nationalspieler aus Weißwasser ist zurück im Eishockey-Sport. Und er hat auch seine gesundheitlichen Probleme in den Griff bekommen. Seit Montag dieser Woche arbeitet Hantschke als Geschäftsführer beim ambitionierten Drittligisten EV Landshut.

Für den niederbayrischen Verein war er von 1992 bis 1996 in der höchsten deutschen Spielklasse schon als Stürmer aktiv. „Landshut hat sich sehr um mich bemüht. Viele verantwortliche Personen im Verein kenne ich noch von früher. Das hat mir den Einstieg natürlich er­leichtert“, erklärt Hantschke.

Für den langjährigen Geschäftsführer der Lausitzer Füchse nimmt damit ein kompliziertes Jahr doch noch ein sehr versöhnliches Ende. Von 2008 bis 2016 arbeitete Hantschke für die Füchse. Danach wechselte er zum Stammverein Eissport Weißwasser, koordinierte dort die Nachwuchsarbeit und kümmerte sich um die Geschäftsstelle. Im Mai gab Hantschke dann seinen Rücktritt bekannt – aus gesundheitlichen Gründen. Er war zum ersten Mal in seinem Leben an einem Punkt angelangt, wo er spürte, dass der von vielen Jahren Leistungssport und auch einigen Verletzungen geplagte ­Körper seinen Dienst versagt.

Die beruf­liche Pause sowie eine Reha haben Ralf Hantschke nach eigenem Bekunden sehr gut getan – dem Kopf und auch dem schmerzenden ­Rücken, der erhebliche Alarmsignale ausgesendet hatte. „Ich habe in dieser Zeit gemerkt, dass es im Leben auch noch etwas anderes gibt, als immer nur zu arbeiten. Ich habe gelernt, achtsamer mit meinem Körper umzugehen“, berichtet Hantschke. „Inzwischen fühle ich mich gesundheitlich wieder wohl und werde mein Sport­programm auch weiter durch­ziehen. Denn es tut mir gut.“

Auf seine Zeit im Fuchsbau blickt er mit gemischten Gefühlen zurück. Der Abschied vom Profibereich war alles andere als freiwillig. Dass es keine offizielle Verabschiedung auf dem Eis gab, hat Hantschke zwar aufmerksam registriert. Darüber ­reden mag er aber nicht mehr. Umso mehr hat er sich über die Wertschätzung gefreut, die ihm in seinem Anschlussjob durch den Eissport Weißwasser zuteil geworden ist. „Ich habe gespürt, dass ich dort sehr willkommen war. Der Vorstand bewegt wirklich sehr, sehr viel für den Eissport in Weißwasser.“

Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird Ralf Hantschke noch einmal im Fuchsbau sein – als Zuschauer beim DEL2-Derby gegen die ­Eispiraten Crimmitschau. Dann düst er wieder nach Landshut. ­Seine Familie wohnt vorerst weiterhin in Berlin. Dabei hatte der Ex-Profi eigentlich mit dem Eishockey-Tagesgeschäft schon abgeschlossen und wollte in der Hauptstadt bei einer Firma für Risiko-Management im Sport einsteigen. Erste Kontakte zu DEL-Clubs waren bereits geknüpft, ehe das Angebot aus Landshut seine beruflichen Pläne doch noch einmal veränderte. Hantschke ist nach Niederbayern gefahren, hat sich intensiv umgeschaut und dann zugesagt. „Es ist zwar viel Arbeit, aber der Verein hat ein stabiles Nachwuchs-Fundament und er wird weiter wachsen“, ist Hantschke überzeugt.

Derzeit liegt der EVL mit Trainer Axel Kammerer auf Platz drei der Oberliga Süd. Im kommenden Jahr soll die städtische Eissporthalle am Gutenbergweg modernisiert und ausgebaut werden. Das Ziel des Traditionsvereins ist die Rückkehr in die DEL2. „Wir wollen aufsteigen“, kündigt Hantschke an. Eine zeit­liche Vorgabe gebe es zwar nicht, aber der Aufstieg soll laut Hantschke „in ­naher Zukunft“ realisiert werden. „Das ist eine sehr reizvolle Auf­gabe. Ich freue mich, Teil dieses Projekts sein zu dürfen.“

Wer mit ihm in diesen Tagen spricht, der spürt: Ralf Hantschke ist am Ende des Jahres 2017 wieder mit sich im Reinen. Eis­hockey-Weißwasser werde immer seine sportliche Heimat bleiben, versichert er. Vor allem natürlich dank der vielen schönen Erinnerungen – erst als Spieler im legendären Freiluftstadion, später dann als Manager hinter der Bande der neuen Eisarena. Seine berufliche Zukunft liegt jetzt aber erst einmal in Niederbayern. Wenn dort alles nach Plan läuft, wird Hantschke womöglich mit dem EV Landshut nach Weißwasser zurückkehren. In der DEL2, in naher Zukunft.