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Eishockey
Füchse rechnen mit Ex-Coach Järvenpää ab

Marius Schmidt (l.) und Artur Tegkaev jubeln über den Sieg gegen Bad Tölz.
Marius Schmidt (l.) und Artur Tegkaev jubeln über den Sieg gegen Bad Tölz. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Die Misstöne der überraschenden Trennung sind in Weißwasser trotz sportlicher Auferstehung unüberhörbar. Co-Trainer Hoffmann berichtet von einem „Schock“ des Teams. Und über den Schlüssel für das Fünf-Punkte-Wochenende. Von Frank Noack

Oberflächlich betrachtet hat Hannu Järvenpää also sein Ziel erreicht. Noch dazu in einer erstaunlich kurzen Zeit. Denn der Neuanfang, den der zu Wochenmitte überraschend zurückgetretene Coach ermöglichen wollte, ist den Lausitzer Füchsen gleich am ersten Wochenende ohne Järvenpää gelungen. Sie gewannen sowohl beim SC Riessersee (3:2 im Penaltyschießen) als auch zu Hause gegen Schlusslicht Tölzer Löwen (2:1). Weißwasser ist zwar weiterhin Tabellenvorletzter in der DEL2, hat allerdings nur noch zwei Punkte Rückstand auf die Pre-Playoff-Ränge - und damit den Klassenerhalt.

Unter dieser Oberfläche brodelt es jedoch nach wie vor ganz gewaltig, wenn man im Fuchsbau nach der Personalie Järvenpää fragt. Die ganze Art und Weise des Abschieds sei komisch gewesen, fasst Co-Trainer Robert Hoffmann die Ereignisse rund um den freiwilligen Rücktritt seines bisherigen Chefs zusammen: „Es war eigenartig. So eine Aktion habe ich noch nicht erlebt.“

Es gibt im Fuchsbau jedenfalls viele Zweifel, ob der auf den ersten Blick so selbstlose Rücktritt des 54-jährigen Finnen wirklich so selbstlos war. „Die einzige Möglichkeit, um die Köpfe frei zu bekommen, ist ein kompletter Neustart mit einem neuen Coach“, ließ sich Järvenpää in der Pressemitteilung der Füchse am Donnerstag zitieren. Dass er nur einen Tag später in Ungarn als neuer Trainer von Alba Volán Székesfehérvár vorgestellt wurde, müssen sowohl Vereinsführung als auch die Mannschaft als Brüskierung empfunden haben. Man könnte auch sagen: Sie fühlen sich von Järvenpää in einer sportlich ganz schwierigen Situation schlichtweg im Stich gelassen.

Co-Trainer Hoffmann fand am Sonntag nach dem wichtigen Heimsieg gegen Bad Tölz jedenfalls deutliche Worte in Richtung Hannu Järvenpää. „Ich war kurz geschockt, am Ende war ich vor allem enttäuscht. Ich sage ganz ehrlich: Das hätte man anders lösen können. Das war keine feine Art“, erklärte er in der Pressekonferenz.

Auch die Mannschaft habe die Nachricht erst einmal verdauen müssen. „Das war für die Jungs nicht leicht. Es war ein Schock.“ Auf die Frage der RUNDSCHAU, ob es Signale für einen vorzeitigen Abschied gegeben habe, antwortete Hoffmann kurz und bündig - mit nur einem einzigen Wort: „Nein.“

Co-Trainer Robert Hoffmann: „So eine Aktion habe ich noch nicht erlebt.“
Co-Trainer Robert Hoffmann: „So eine Aktion habe ich noch nicht erlebt.“ FOTO: Thomas Heide

Die in der vergangenen Saison so erfolgreiche Ära von Hannu Järvenpää in Weißwasser – er hatte die Füchse in die Playoffs geführt – endete nun also mit unüberhörbaren Misstönen. Immerhin hatte auch Geschäftsführer Dirk Rohrbach zuvor bereits die Frage aufgeworfen, ob der Finne in seinen letzten Tagen im Fuchsbau mit offenen Karten gespielt habe: „Es hat natürlich einen Beigeschmack.“ Denn die Vermutung liegt nahe, dass Järvenpää seinen Wechsel nach Ungarn bereits zuvor vorangetrieben hat.

Positiv betrachtet waren es vielleicht sogar genau diese Misstöne, welche die Mannschaft als extra Motivation brauchte, um mit dem ersten Fünf-Punkte-Wochenende in dieser Saison den freien Fall in der Tabelle zu stoppen. Sie zeigte in den beiden Spielen deutlich mehr Biss und Leidenschaft als in vielen Partien zuvor.

Natürlich wurde Robert Hoffmann am Sonntagabend nach dem Heimsieg gegen Bad Tölz auch gefragt, wie er das verunsicherte Team in so kurzer Zeit wieder auf (Erfolgs-)Kurs gebracht hat. Der vom Co- zum Interimstrainer aufgestiegene Hoffmann verschwieg dabei geflissentlich, dass er fast sämtliche Reihen umgekrempelt und damit für neuen Schwung gesorgt hatte. Er stellte stattdessen die mentale Komponente in den Vordergrund. „Was willst du in so einer Situation machen? Ich habe viele, viele Gespräche geführt. Ich konnte in den zwei Tagen nur versuchen, in die Köpfe reinzukommen“, meinte Hoffmann und ergänzte lächelnd: „Ich glaube, das ist mir so einigermaßen gelungen.“

Einigermaßen – so lautet in Weißwasser also die neue Definition für fünf Punkte in zwei Spielen und die Rückkehr des Lächelns in den Gesichtern von Spielern und Fans. Manchmal kann Eishockey ganz einfach sein. Zumindest oberflächlich betrachtet.