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| 14:19 Uhr

Eishockey
Füchse hoffen auf den doppelten Franzreb

FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Eisbären-Leihgabe Maximilian Franzreb war ein wichtiger Rückhalt bei den Lausitzer Füchsen. Inzwischen scheint der Torhüter bereit zu sein für DEL-Einsätze in Berlin. Wird Franzreb trotzdem noch für Weißwasser spielen? Von Frank Noack

Es kommt nicht so oft vor, dass ein Eishockey-Torhüter für seine Paraden mit doppeltem Applaus – also aus beiden konkurrierenden Fan-Lagern – bedacht wird. Es sei denn, dieser Torhüter heißt Maximilian Franzreb. Beim Gastspiel der Eisbären Berlin bei den Lausitzer Füchsen in Weißwasser Mitte August gab es mehrmals diesen doppelten Applaus, wenn der Puck im Fanghandschuh des 22-jährigen Eisbären-Keepers verschwand. Kein Wunder: In den vergangenen beiden Jahren hatte Franzreb schließlich als Leihgabe vom Kooperationspartner Berlin mit seinen Paraden großen Anteil an den Siegen der Lausitzer Füchse. Wohin ihn diese Kooperation ja auch bringen soll, dort scheint er nun angekommen zu sein: im Tor der Eisbären Berlin.

Der gebürtige Bad Tölzer hat in den bisherigen Vorbereitungsspielen die Chance genutzt, die sich durch das Karriere-Ende des Finnen Petri Vehanen im Kasten der Eisbären aufgetan hat. Kürzlich bei einem Turnier im tschechischen Pardubice wurde Maximilian Franzreb nicht nur als bester Torhüter, sondern auch als wertvollster Spieler geehrt. Er bestritt drei Partien in drei Tagen und kassierte dabei gegen hochkarätige Konkurrenz nur vier Gegentore. Franzreb habe „den Unterschied ausgemacht“, lobte anschließend Eisbären-Trainer Clement Jodoin. Auch am vergangenen Champions-League-Wochenende kam er zum Einsatz.

Es stellt sich deshalb mittlerweile die Frage: Wird Franzreb in dieser Saison überhaupt noch für die Lausitzer Füchse im Tor stehen? Und wenn ja, wie oft? Auf den ersten Blick scheint das ziemlich ­unrealistisch zu sein. Zumal die Füchse ihren Kader wohl schon vorsorglich bereits in diese Richtung aufgestellt haben. Mit Konstantin Kessler, Neuzugang Olafr Schmidt und Niklas Zoschke stehen drei Keeper unter Vertrag. Eigentlich einer zu viel, sodass man Zoschke wohl öfter bei den Hamburg Crocodiles sehen wird. Mit dem Oberligisten unterhalten die Füchse ebenfalls eine Kooperation.

Auf den zweiten Blick könnte eine Rückkehr von ­Maximilian Franzreb allerdings doch nicht so ganz unrealistisch sein. Sebastian Elwing, der als Coach für die Torhüter sowohl in Berlin als auch in Weißwasser verantwortlich ist, macht den Füchse-Fans zumindest dezente Hoffnung auf einen doppelten Franzreb. „Alle Torhüter sollen so oft wie möglich Wettkampf-Praxis sammeln. Das gilt natürlich auch für Maximilian Franzreb“, betont Elwing. Zum Beispiel eben in Weißwasser.

Die Torwart-Situation bei den Eisbären Berlin ist so offen wie schon lange nicht mehr. Seit 2014 war Petri Vehanen praktisch als Nummer eins gesetzt. Nun hat der 40-jährige Finne seine Karriere beendet und damit ein Vakuum im Eisbären-Tor hinterlassen. Nach reiflicher Überlegung entschied sich der siebenfache DEL-Champion, im Sommer keinen neuen Goalie aus dem Ausland zu holen, sondern mit den Youngstern Marvin Cüpper (24) und eben Franzreb in die Saison zu gehen.

Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit im Profi-Eishockey. Es ist vielmehr ein Vertrauensvorschuss für die Torwart-Talente Cüpper und Franzreb, die sich jetzt bewähren können – und müssen.

Die Konstellation mit Blick auf die Lausitzer Füchse könnte deshalb folgendermaßen aussehen: Wenn Maximilian Franzreb für Berlin spielt, müssen die Füchse logischerweise auf ihn verzichten. In diesem Fall dürfte Konstantin Kessler zum Einsatz kommen. Er war in den vergangenen beiden Jahren die Nummer zwei hinter Franzreb in Weißwasser.

Wenn in Berlin jedoch Marvin Cüpper zwischen den Pfosten steht, dann können sich die Füchse laut Elwing durchaus Hoffnungen auf Franzreb machen – eben weil er weiterhin so oft wie möglich spielen soll. Dass Franzreb in Berlin nur auf der Bank sitzt, wenn Cüpper zum Einsatz kommt, gilt nach aktuellem Stand als unwahrscheinlich. Für diesen Fall steht mit Tobias Ancicka (17) ein weiterer Youngster als Backup bereit.

Übrigens wurde auch der Weißwasseraner Konstantin Kessler mit einer Förderlizenz ausgestattet. Theoretisch darf der gebürtige Berliner also ebenfalls für den Hauptstadt-Club spielen beziehungsweise zumindest auf der Bank aushelfen.

Ein zusätzlicher Faktor in diesem spannenden Personal-Tableau ist der Kanadier Jason Kasdorf (26), der immerhin schon ein NHL-Spiel auf seinem Konto hat. Zuletzt absolvierte Kasdorf ein sogenanntes Try-out bei den Lausitzer Füchsen. Er war also für einige Partien als Probespieler unter Vertrag. Außerdem hat er auch noch eine Woche bei den Eisbären Berlin trainiert.

In dieser Woche fliegt Kasdorf wieder nach Kanada zurück. Eine Rückkehr ist trotzdem nicht ausgeschlossen. Wo er sich dann im Berlin-Weißwasseraner-Tableau der Torwarte einordnen könnte, ist eine spannende Frage.

Die Frage, wo Maximilian Franzreb in der kommenden Saison zwischen den Pfosten stehen wird, lässt sich derzeit ebenfalls noch nicht wirklich seriös beantworten. Klar ist nur so viel: Den hundertprozentigen Franzreb wie in den vergangenen beiden Jahren wird es für die Lausitzer Füchse wohl nicht mehr geben, weil die Leistungen des Torhüters inzwischen DEL-tauglich sind. Aber selbst der doppelte Franzreb – also das Pendeln zwischen Berlin und Weißwasser – wäre eine große Hilfe für den Zweitligisten.

„Ich bin dankbar, dass ich so viel spielen durfte“, blickt Franzreb auf die vergangenen beiden Jahren im Fuchsbau zurück. „Es war eine ruhige und schöne Zeit.“ Dass er in der Vergangenheitsform über die ­Lausitzer Füchse spricht, ist vielleicht nur ein Zungenschlag. In jedem Fall ist es aber ein Fingerzeig für seine persönlichen Ambitionen in der bevorstehenden Eishockey-Saison.