ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:28 Uhr

Eishockey
Kuschel legt Rückwärtsgang ein

Philip Kuschel: „Als Verteidiger erlebt man das Spiel aus einer anderen Perspektive.“
Philip Kuschel: „Als Verteidiger erlebt man das Spiel aus einer anderen Perspektive.“ FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Verteidiger Philip Kuschel will Stammspieler bei den Lausitzer Füchsen werden. Dabei ist der Youngster ein gelernter Stürmer. Das war aber nicht das einzige Problem bei seiner Umschulung. Von Frank Noack

Diesen Namen wird man sich merken müssen und man sollte sich diesen Namen deshalb am besten gleich richtig einprägen. Philip Kuschel heißt der junge Eishockey-Spieler der Lausitzer Füchse, der in dieser Saison den Sprung zum Stammspieler in der DEL2 schaffen will. Er heißt nicht Philipp Kuschel. Und auch nicht Phillipp Kushel. Sondern kurz und bündig Philip Kuschel. „Philip mit nur einem L und einem P hinten“, lächelt der Youngster.

Am Wochenende beim 4:1-Heimsieg der Lausitzer Füchse gegen die Kassel Huskies steuerte der in Forst geborene Kuschel seinen ersten Assist in der zweithöchsten Spielklasse bei. Er gab also die Vorlage zu einem Tor. Und zwar als stürmender Verteidiger. Oder als verteidigender Stürmer. Denn Philip Kuschel erlebt derzeit nicht nur seine Reifeprüfung bei den Profis, sondern steckt auch noch mitten in der Umschulung auf dem Eis. Im Nachwuchs des ES Weißwasser und bei den Eisbären Juniors in Berlin war er immer als Stürmer unterwegs – bis zu diesem Sommer. Da hatte der neue Füchse-Trainer Corey Neilson die Idee, aus dem Stürmer Kuschel den Verteidiger Kuschel zu machen. „Zuerst habe ich natürlich über diese Idee gestaunt. Aber der Trainer hat mir erklärt, dass ich bessere Chancen auf einen Stammplatz habe, wenn er mich zum Verteidiger umschult“, blickt der Youngster zurück. Als Stürmer war er so weit weg von der Startformation, dass er an manchen Tagen aufgrund des großen Kaders bei Neilson gar nicht mittrainieren durfte.

Übel genommen hat Kuschel dem Coach die Verbannung auf die Tribüne nicht. Im Gegenteil – es hat seinen Ehrgeiz angestachelt. Seitdem hat er das Verteidiger-ABC komplett neu erlernt. Denn Schlittschuhlaufen ist nicht gleich Schlittschuhlaufen. Stürmer laufen meistens geradeaus in Richtung gegnerisches Tor. Verteidiger müssen dagegen öfter den Rückwärtsgang einlegen, was eine ganz andere Technik erfordert. „Man erlebt das Spiel aus einer ganz anderen Perspektive. Auch in Sachen Taktik hat mir der Trainer viele Dinge erklärt“, erzählt Kuschel.

Mit Corey Neilson hat der Youngster einen guten Lehrmeister. Denn der 42-jährige Kanadier war früher selbst Verteidiger. Ganz so geradlinig, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Umschulung seit Sommer allerdings nicht verlaufen. Um Spielpraxis zu sammeln, wurde Kuschel per Förderlizenz an den Oberligisten Hamburg Crocodiles ausgeliehen. Und weil in der Hansestadt vor allem Stürmer gebraucht wurden, ging Kuschel bei den Crocodiles wie früher auf Torejagd.

Die Umschulung zum Verteidiger beschränkte sich also auf die Übungseinheiten im Fuchsbau. In der DEL2 war er bislang Ergänzungsspieler – bis zum vergangenen Wochenende. Sowohl beim Heimsieg gegen Kassel als auch bei der Niederlage bei den Wölfen Freiburg bekam Kuschel an der Seite von Steven Bär richtig viel Eiszeit als Verteidiger. Er erledigte den Job unaufgeregt und schnörkellos. „Natürlich ist diese Position noch etwas ungewohnt für mich. Deshalb versuche ich, alles um  mich herum auszublenden und mich ganz auf meinen Job als Verteidiger zu konzentrieren“, berichtet der Youngster.

Natürlich ist die Umschulung noch lange nicht beendet. Auch in den kommenden Wochen wird sich Trainer Corey Neilson noch viel Zeit für die Feinheiten des Verteidigerspiels nehmen müssen. Aber der Kanadier glaubt fest an dieses Projekt. „Ich mag Philip Kuschel auch als Typ. Er ist ein netter Junge, hat immer ein Lächeln mit seinem schrecklichen Bart im Gesicht“, schmunzelt Neilson. „Philip muss natürlich noch viel lernen auf dieser Positionen. Aber für den Anfang hat er einen sehr guten Job gemacht.“

Die erste Reifeprüfung bei dieser Umschulung ist also bestanden. Das nächste Projekt hat Philip Kuschel bereits ins Auge gefasst – es ist allerdings nicht ganz ernst gemeint. „Vielleicht versuche ich es ja auch mal als Torwart“, verkündet der verteidigende Stürmer, der auf dem Weg zum stürmenden Ver­teidiger ist.

„Philip mit nur einem L und einem P hinten.“
„Philip mit nur einem L und einem P hinten.“ FOTO: Thomas Heide