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| 11:20 Uhr

Eishockey
„Als Jesus hätte ich mich in Weißwasser gekreuzigt“

Hannu Järvenpää trainiert jetzt Alba Volán Székesfehérvár.
Hannu Järvenpää trainiert jetzt Alba Volán Székesfehérvár. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Der ehemalige Füchse-Trainer Hannu Järvenpää spricht nach über einem halben Jahr im RUNDSCHAU-Interview erstmals über seinen Rücktritt in Weißwasser. Selbst gewählt oder nicht - der Finne ist nach wie vor mit der Verarbeitung beschäftigt. Von Frank Noack

Das war alles andere als ein normales Vorbereitungsturnier für Hannu Järvenpää. Mit Alba Volán Székesfehérvár gastierte der 55-jährige Eishockey-Trainer aus Finnland am Wochenende in Dresden, wo er früher auch mit den Lausitzer Füchsen gespielt hat. Im RUNDSCHAU-Interview spricht Järvennpää jetzt erstmals über seinen überraschenden Abschied aus Weißwasser im November des vergangenen Jahres.

Wie fällt ihr Fazit des Turniers in Dresden aus?

Es war ein erstklassiges Turnier. Ich kann mich für die gute Organisation durch viele sehr freundliche Menschen nur bedanken. Unter anderem durch Ricardo Schumann, der ja auch schon in Weißwasser gearbeitet hat. Die Leistung meiner Mannschaft war in Ordnung. Wir waren sogar im Finale und haben dort gegen Bremerhaven verloren. Das geht in Ordnung. Sie waren besser und haben verdient gewonnen.

Und sonst?

Während meiner Zeit in Weißwasser war ich auch oft in Dresden. Ich betrachte Dresden aber nicht als meine Heimatstadt. Wie wir ja alle wissen, haben die Eislöwen eine schöne Eishalle. Auch bei unserem Turnier war das Eis gut, es gab genügend Umkleidekabinen für die Mannschaften, die Schiedsrichter waren gut – man muss also zufrieden sein. Wäre das Turnier in Weißwasser gewesen, dann hätte ich sicher nachzählen können, wie viele Menschen mich auspfeifen.

Wie hat sich die Rückkehr nach Deutschland für Sie persönlich angefühlt?

Sehr gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit meinem ehemaligen Co-Trainer Robert Hoffmann und Füchse-Stürmer Marius Schmidt in Dresden. Ohne zu übertreiben – es war wirklich toll, Leute zu treffen, die mir während meiner Weißwasseraner Zeit sehr nahegestanden haben. „Schmiddis“ Lächeln und „Hoffes“ verrückte Geschichten haben mir damals immer zusätzliche Energie gegeben.

Wie fällt Ihr Rückblick auf die Zeit in Weißwasser aus?

Ich bin dankbar für die Möglichkeit, dass ich dieses Team trainieren durfte. Der Verein hat seit 1932 eine großartige Geschichte. Ich habe wirklich viele Erinnerungen an Weißwasser. Hoffentlich kann ich mich – eines Tages – in schönen Farben daran erinnern. Abseits der Eisfläche habe ich viele echte Freunde gefunden.

Und wie denken Sie inzwischen über Ihren überraschenden Abschied aus Weißwasser?

Vielleicht war es für Sie überraschend – für mich war es nicht überraschend. Aber jeder Eishockey-Fan hat halt seine eigene Meinung zu meinem Abschied. Wenn ich Jesus wäre, hätte ich mich sicher in Weißwasser gekreuzigt. Aber ich betrachte mich nicht als Heiliger. Ich bin ein ganz gewöhnlicher Mensch wie du und ich, der im Leben glücklich sein möchte.

Also war es keine spontane Entscheidung?

Man sollte so fair sein und mir glauben, dass ich diese Entscheidung nicht ohne schwerwiegende Gründe getroffen habe. Und ich habe mir diese Entscheidung auch gründlich überlegt. Jetzt möchten Sie sicher wissen, warum ich das getan habe.

Unbedingt!

Meine Antwort auf diese Frage ist eher eine Gegenfrage: Warum soll ich jetzt damit beginnen, sämtliche Brücken hinter mir zu verbrennen?

Sie wollen also nicht darüber reden?

Das würde doch nur böses Blut geben. In dem Fall würden mich dann selbst die Eishockey-Insider in Weißwasser in einem anderen Licht sehen. Deshalb möchte ich meine Lippen versiegeln. Nur soviel: Ich will nicht mich schützen, sondern andere Leute.

Hannu Järvenpää (r.) und Robert Hoffmann standen bis November gemeinsam hinter der Bande.
Hannu Järvenpää (r.) und Robert Hoffmann standen bis November gemeinsam hinter der Bande. FOTO: Thomas Heide