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Gute-Laune-Coach gegen Skandal-Trainer

Der neue Füchse-Coach Paul Gardner (li.) wurde im Dezember 2008 Nachfolger von Bill Stewart bei den Hamburg Freezers.
Der neue Füchse-Coach Paul Gardner (li.) wurde im Dezember 2008 Nachfolger von Bill Stewart bei den Hamburg Freezers. FOTO: dpa
Weißwasser/Dresden. Gerade noch rechtzeitig vor dem spektakulären Winter-Derby haben die Lausitzer Füchse und auch Dresden neue Übungsleiter gefunden. Paul Gardner und Bill Stewart sind zwar alte Hasen, aber völlig verschiedene Trainertypen. Frank Noack

Das Reizvolle am Sport ist, dass er völlig verrückte Geschichten schreibt. Zum Beispiel die Geschichte von den beiden Trainer-Dinos Dirk Rohrbach und Thomas Popiesch, die ausgerechnet kurz vor dem spektakulären Winter-Derby zwischen den Eislöwen Dresden und den Lausitzer Füchsen im Dresdner Fußballstadion am kommenden Samstag nun selbst Geschichte sind. Nach sechs Jahren hinter der Füchse-Bande wurde Rohrbach kürzlich durch Peter Ihnacak ersetzt, der inzwischen schon wieder für Paul Gardner Platz gemacht hat. Der 59 Jahre alte Kanadier wurde am Neujahrstag als neuer Chef trainer vorgestellt. Die Eislöwen zogen am Sonntag nach und verpflichteten Bill Stewart (58). Der Italo-Kanadier folgt auf Thomas Popiesch, der genau wie Rohrbach nach sechs Jahren gehen musste.

Nach Rohrbach und Popiesch als dienstälteste Zweitliga-Coaches gehen beide sächsischen Clubs nun also mit zwei alten Hasen im Trainergeschäft in die Winter-Derby-Woche. Zu dieser verrückten Geschichte passt, dass ausgerechnet Paul Gardner im Dezember 2008 Nachfolger von Bill Stewart bei den Hamburg Freezers in der DEL wurde. Vom Charakter her sind beide Trainer aber völlig verschieden. Gardner gilt als Mann der guten Laune, Stewart dagegen ist in der Wahl seiner Mittel nicht wählerisch und lieferte sowohl Meistertitel als auch Skandale. In der Saison 2000/01 führte er die Adler Mannheim zum DEL-Titel und sorgte zudem mit einem Faustschlag gegen den Trainer des gegnerischen Teams für Schlagzeilen. Im Finale folgte dann der nächste Skandal, als Stewart einen Schwächeanfall vortäuschte, um einem seiner Spieler Zeit zum Wechseln der Schlittschuhe zu verschaffen. Und in Nordamerika wurde der Coach - Spitzname "Psycho-Bill" - mit einem zwischenzeitliches Berufsverbot belegt, weil er einen Spieler über die US-kanadische Grenze schmuggeln wollte, dabei aber erwischt wurde. Eislöwen-Geschäftsführer Volker Schnabel sagt über Stewart und seine Vita: "Um das Maximum aus einer Mannschaft rauszuholen, muss man manchmal auch auf einem schmalen Grat wandeln. Wir sind uns bewusst, dass er damit na türlich auch polarisiert."

Der neue Füchse-Coach Paul Gardner hat dagegen in Weißwasser schnell mit dem Gute-Laune-Faktor gepunktet. "Paul ist zwar schon 59, aber vom Typ her junggeblieben und stets für einen Scherz gut", beschreibt Füchse-Hauptgesellschafter René Reinert seine ersten Eindrücke.

Dabei hatte es zunächst so ausgesehen, dass Interimstrainer Peter Ihnacak bis zum Saison ende bleibt. Nach reiflicher Über legung konnte sich der Slowake aber doch nicht zu einem längerfristigen Engagement durch ringen. "Peter war lange aus dem Trainergeschäft raus und sich nicht sicher, ob er wirklich der Richtige für uns ist", erklärt Reinert die Trennung. Dem Vernehmen nach hätte Ihnacak zwar weiterhin als Interimscoach zur Verfügung gestanden, doch mit Blick auf die anstehenden Auf gaben drängten die Füchse auf klare Verhältnisse. Immerhin steht nach dem 4:2-Sieg am Sonntag in Kaufbeuren zwei Tage später die nächste Auswärts partie in Ravensburg an. Und am Samstag folgt der große Auftritt beim Winter-Derby in Dresden. Gegen Bill Stewart.