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| 11:57 Uhr

Eishockey
Füchse wollen „sportliche Entscheidung“ im Fall Bietigheim

Jeff Hayes (r.) und die Füchse warten auf den DEL2-Entscheid.
Jeff Hayes (r.) und die Füchse warten auf den DEL2-Entscheid. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Was ist der 5:0-Sieg der Füchse in Dresden wert? Die Antwort hängt von der Entscheidung der DEL2 im Fall Bietigheim ab. Die RUNDSCHAU hat neue Fakten zum Spielausfall in Crimmitschau gesammelt. Von Frank Noack

Der Kampf der Lausitzer Füchse um den vorzeitigen Klassenerhalt ist seit dem furiosen 5:0-Derbysieg bei den Eislöwen Dresden endgültig zum Krimi geworden – aber nicht nur auf dem Eis. Denn nach dem Nichtantreten von Tabellenführer Bietigheim Steelers bei den Eispiraten Crimmitschau warten die Füchse gespannt auf die Entscheidung der DEL2.

Bekommt ausgerechnet der Konkurrent um Rang zehn drei Punkte am grünen Tisch? „Derzeit läuft ein Ermittlungsverfahren. Wir brauchen eine schnelle Entscheidung, um einen sportlich-fairen Wettbewerb zu gewährleisten“, sagt DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch auf Nachfrage der RUNDSCHAU.

Was wir wissen: Die DEL2 hatte den Ausfall des Spiels im Crimmitschauer Sahnpark am Freitagabend mit „logistischen Problemen“ des Tabellenführers begründet. Inzwischen ist bekannt, dass der Mannschaftsbus bereits nach rund 40 Kilometern in der Nähe von Weinsberg durch die Polizei angehalten und an der Weiterfahrt gehindert wurde. Die Steelers organisierten zwar Ersatzbusse, wären aufgrund der Verzögerung aber erst am späten Abend in Crimmitschau angekommen. Das Spiel hätte deshalb erst gegen 23.30 Uhr beginnen können.

Was wir nicht wissen: Warum der Bus angehalten wurde, ist noch nicht bekannt. „Unsere Mannschaft ist wie bei jedem Auswärtsspiel in den Bus gestiegen, Fahrtziel Crimmitschau. Wir hatten keine Ahnung, dass die Fahrt schon in Weinsberg zu Ende sein würde“, sagt Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch der Bietigheimer Zeitung.

Wie wird das Spiel gewertet? Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder Crimmitschau bekommt die drei Punkte durch eine sogenannte Spielwertung am grünen Tisch zugesprochen oder es gibt ein Wiederholungsspiel. Das Verfahren in einem solchen Fall des Nichtantretens ist in Paragraph 10 der Spielordnung geregelt. Ein Meisterschaftsspiel wird demnach als verloren gewertet, bei „Nichtantreten oder um mehr als 90 Minuten verspätetes Antreten zum Eröffnungsbully wegen Verschulden einer Mannschaft“. Knackpunkt ist also, ob Bietigheim ein Verschulden vorzuwerfen ist.

Derby: Füchse schocken Dresden FOTO: Thomas Heide

Wie geht es jetzt weiter? Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens müssen die Steelers bereits am Samstag die Fahrtunterlagen bei der DEL2 zur Prüfung einreichen. Sie verweisen in der Bietigheimer Zeitung darauf, dass sie kein Verschulden trifft. Geschäftsführer Volker Schoch: „Wir können uns kein schuldhaftes Verhalten vorwerfen. Wir können anhand des Fahrtenschreibers belegen, dass wir rechtzeitig losgefahren sind, um bei 80 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit mindestens zwei Stunden vor Spielbeginn in Crimmitschau sein zu können.“

Was sagt die DEL2? Zu den konkreten Fakten natürlich nichts, weil das Ermittlungsverfahren ja noch läuft. Es sei zu prüfen, ob Bietigheim ein Verschulden trifft oder nicht, erklärt Geschäftsführer René Rudorisch: „In der gesamten Saison sind wir von solchen Sachen zum Glück verschont geblieben. Es ist bitter, dass es gerade jetzt in der entscheidenden Phase passiert. Wenn es ein Wiederholungsspiel geben sollte, dann muss es natürlich noch vor dem letzten Hauptrunden-Wochenende ausgetragen werden. Aber wie gesagt - das ist Gegenstand des laufenden Ermittlungsverfahrens.“

Was sagen die Füchse? Sie sind durch den Sieg in Dresden von fünf auf zwei Punkte an den Tabellenzehnten Crimmitschau herangerückt. „Es wäre sehr ärgerlich, wenn Crimmitschau die drei Punkte kampflos bekommen würde“, meint Trainer Robert Hoffmann. „Wir hoffen auf eine sportliche Entscheidung“, ergänzt Geschäftsführer Dirk Rohrbach.

Die RUNDSCHAU-Prognose: Letztlich kommt es darauf an, ob Bietigheim im juristischen Sinne hätte wissen können, dass das Busunternehmen offenbar keine Lizenz mehr hatte. Dieses Verschulden muss die DEL2 dem Verein nachweisen, was nicht ganz einfach sein dürfte und unter sportlichen Gesichtspunkten auch die schlechteste Lösung wäre. Es spricht deshalb viel für ein zeitnahes Wiederholungsspiel in der kommenden Woche.