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| 18:49 Uhr

Eishockey
Füchse und Eisbären kuscheln unter Palmen

Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach (l.) überreicht Peter John Lee von den Eisbären ein Jubiläumstrikot: „Bei der Tradition sind wir ja im Vorteil.“
Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach (l.) überreicht Peter John Lee von den Eisbären ein Jubiläumstrikot: „Bei der Tradition sind wir ja im Vorteil.“ FOTO: Matthias Koch / Michael Hundt / Matthias Koch
Krausnick. Die Lausitzer Füchse arbeiten künftig noch enger mit den Eisbären Berlin zusammen – nach dem Vorbild der NHL. Gewinnen wollen beide Seiten. Von Frank Noack

Irgendwo hinter den ­Palmen plätschert die Südsee – vorn auf dem Podium wird über Pucks geredet. Dabei passen Eishockey und das Freitzeitressort Tropical Islands in Krausnick eigentlich genauso wenig zusammen wie die einstigen Erzrivalen Eisbären Berlin und Lausitzer Füchse, die sich damals in der DDR-Oberliga Woche für Woche erbitterte Duelle geliefert haben.

Wie gesagt – eigentlich! Denn beide Clubs passen mittlerweile besser zusammen als so mancher Skeptiker das am Beginn der Partnerschaft vor zwei Jahren erwartet hatte. Am Dienstag haben sich der sieben­fache DEL-Titelträger und der Zweitligist aus Weißwasser in Krausnick in der größten freitragenden Halle der Welt getroffen, um das zu verkünden, was längst kein Geheimnis mehr war: die Fortsetzung der Kooperation.

Die künftigen Ziele sind zwar nicht ganz so hoch wie die Halle in Krausnick, aber immerhin: „Wir wollen die Zusammenarbeit auf ein höheres Level heben“, erklärt Eisbären-Sportdirektor Stéphane Richer. „Die Kooperation lebt“, ergänzt Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach. Und es gibt auch wieder ein Testspiel: Am 12. August kommen die Eisbären nach Weißwasser (Beginn um 16 Uhr).

Hauptziel der Kooperation ist es, dass junge Spieler der Eisbären Berlin in Weißwasser Spielpraxis sammeln. Im Idealfall profitieren also beide Seiten davon. Auf der einen Seite der Zweitligist, der gut ausgebildete Talente für seinen Kader bekommt. Auf der anderen Seite der Erstligist, der jene jungen ­Spieler, die noch nicht den ganz den Sprung in die DEL geschafft ­haben, gut untergebracht weiß. Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee fast das gemeinsame Ziel so zusammen: „Wir wollen profitieren, Weißwasser will auch profitieren. Beide Seiten wollen gewinnen.“

Zu den Paradebeispielen dieser für beide Seiten nützlichen Zusammenarbeit zählt Maximilian Franzreb. Der 21-jährige Torhüter war in Berlin zuletzt die Nummer drei hinter dem erfahrenen Petri Vehanen und Marvin Cüpper. Statt bei den Eisbären meistens auf der Tribüne zu sitzen, wurde der gebürtige Bad Tölzer im Fuchsbau zu einer wichtigen Stütze. In der abgelaufenen Spielzeit hatte er großen Anteil am Klassenerhalt in den Playdowns.

Dass es auch anders, nämlich schlechter, laufen kann, haben die Lausitzer Füchse mit den Krefeld Pinguinen erlebt. Diese Kooperation bestand im Prinzip nur auf dem Papier – auch weil sie aufgrund der großen Entfernung logistisch deutlich schwerer umzusetzen war als jetzt mit den Eisbären. Von Weißwasser in die Hauptstadt sind es nur zwei Autostunden. Am Montag und Dienstag hat die sportliche Führung der Füchse nicht  nur am Entwicklungscamp der Eis­bären teilgenommen, sondern auch viele Gespräche über Taktik und Trainingsmethoden geführt – unter anderem mit dem neuen Berliner Chefcoach Clément Jodoin. „Es war ein sehr fruchtbarer Austausch“, findet Füchse-Trainer Robert Hoffmann.

Wie eine solche Partnerschaft funktioniert, haben die Eisbären Berlin von ihrem „großen Bruder“, wie Geschäftsführer Lee die Los Angeles Kings nennt, lernen können. Der NHL-Club unterhält mit Ontario Reign eine Art Farmteam in der AHL, also ebenfalls eine Liga tiefer. Lee: „Wir haben jetzt die Möglichkeit, mit Weißwasser etwas Ähnliches zu machen.“

Die einstige Rivalität ist längst der Erkenntnis gewichen, dass diese Partnerschaft beiden Seiten gut tut. Neben dem sportlichen Bereich profitieren die Füchse auch in der Organisation und im Marketingbereich massiv vom Hauptstadt-Club. Dass Füchse-Hauptgesellschafter René Reinert mit seinem Logistik-Unternehmen auch in Berlin zu den Premium-Partnern zählt, ist ein weiteres Indiz für die immer enger werdende Verzahnung. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz im Tropical Islands sitzt Reinert auf dem Podium zwar auf der Seite der Füchse, aber sein Herz schlägt längst für beide Clubs. „Wir freuen uns auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit“, betont Reinert. „In den ersten beiden Jahren haben wir viele gute Erfahrungen gesammelt. Jetzt wollen wir noch näher zusammenrücken.“

Zumal die Füchse künftig auch in Berlin deutlich sichtbar präsent sein werden. Dirk Rohrbach überreichte Peter John Lee nämlich am Dienstag ein Jubiläumstrikot aus dem vergangenen Jahr, als der Eisssport in Weißwasser seinen 85. Geburtstag feierte. „Bei der Tradition sind wir ja im Vorteil“, schmunzelte Rohrbach und befand: „In der Geschäftsstelle der Eisbären sollte schon ein Trikot des Kooperationspartners hängen.“

Füchse-Cheftrainer Robert Hoffmann (l.) hat beim Erfahrungsaustausch mit seinem Berliner Kollegen Clément Jodoin viel Spaß.
Füchse-Cheftrainer Robert Hoffmann (l.) hat beim Erfahrungsaustausch mit seinem Berliner Kollegen Clément Jodoin viel Spaß. FOTO: Matthias Koch / Michael Hundt / Matthias Koch