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Eishockey
Füchse nutzen Debakel als Motivation

Topscorer Anders Eriksson (l.) und Kapitän André Mücke jubeln am Freitagabend beim Heimsieg gegen Kaufbeuren.
Topscorer Anders Eriksson (l.) und Kapitän André Mücke jubeln am Freitagabend beim Heimsieg gegen Kaufbeuren. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Weißwasser revanchiert sich mit dem Heimsieg gegen Kaufbeuren für das schmerzhafte 1:7 drei Tage zuvor im Allgäu. Trainer Järvenpää verrät, wie er seine Spieler wieder aufgerichtet hat. Von Frank Noack

Wozu so eine deftige Klatsche wie die 1:7-Niederlage der Lausitzer Füchse beim ESV Kaufbeuren wirklich gut ist, weiß man ja ­meistens immer erst im Nach­hinein. Im Fall des Weißwasseraner Eishockey-Zweitligisten steht fest: Dieses überaus schmer­zliche 1:7 im Allgäu bildete die mentale Basis für den lang ersehnten, ­ersten Heimsieg seit sage und schreibe 17. September. Damals gewannen die Füchse am 1. Spieltag der neuen DEL2-Saison gegen die Wölfe Freiburg mit 2:0. Diesmal setzten sie sich gegen Kaufbeuren mit 4:3 nach Verlängerung durch.

Insgesamt war es erst der vierte Sieg für das Team von Hannu ­Järvenpää. Auch der Coach aus Finnland, der nach dem 1:7 in Kaufbeuren mit leerer Stimme und ­blassem Gesicht in der Pressekonferenz nach Worten rang, konnte am Freitagabend im heimischem Fuchsbau endlich mal wieder ­lächeln bei ­seiner Spielanalyse.

Wie hat Järvenpää die Spieler also aufgerichtet? „Wir haben gar nicht so sehr über die Niederlage gesprochen, sondern mehr über die Chance der Wiedergutmachung im nächsten Spiel“, ­erklärt Järvenpää. „Ich habe den Spielern gesagt: ,Habt keine Angst vor Fehlern, spielt einfach Hockey und habt Spaß.’“

Mit dem Spaß ist das natürlich so eine Sache, wenn man im ­Tabellenkeller festhängt und um Stabilität ringt. Auch am Freitagabend war den Füchsen diese Verunsicherung anzumerken. Die jüngsten Niederlagen hatten sich wie Bremsschirm über die Schlittschuhe der Blau-Gelben gespannt. Selbst vermeintliche Leistungs­träger wie Top­scorer Anders ­Eriksson machen da keine Ausnahme. Auch gegen Kaufbeuren kam längst nicht jeder Puck wie geplant beim Mitspieler an. ­Zumal auch die drei Förderlizenzspieler der Eis­bären Berlin fehlten, weil sie aufgrund der Personalnot in der Hauptstadt derzeit in der DEL im Einsatz.

Aber – zumindest der Wille war da! „Weißwasser wollte den Sieg heute mehr als wir“, konstatierte Gäste-Trainer Andreas Brockmann nach dem hart umkämpften Spiel.

Womöglich hatte Brockmann in puncto Motivation in der Tat die schwierige Aufgabe der ­beiden Trainer zu bewältigen. Denn nur drei Tage nach dem glatten 7:1 in Kaufbeuren trafen beide Team erneut aufeinander – quasi wie in den Playoffs. Während die Füchse unbedingt Wiedergutmachung betreiben wollten, schien sich so ­mancher Kaufbeurer noch im Glanz des ­glatten Heimsieges zu sonnen. „In den ersten beiden Dritteln hat Weißwasser härter gearbeitet als wir und deshalb 3:2 geführt. Bei uns dachten einige nach dem 7:1 wohl, das geht von ­allein“, ärgerte sich Brockmann.

Neben dem Willen hatten die Lausitzer Füchse am Freitagabend zweifellos auch das nötige Matchglück. Denn in der Verlängerung war Kaufbeuren zunächst das bessere Team, ehe die Füchse doch ­wieder Luft schöpfen konnten, weil ­Gäste-Stürmer Florian Thomas auf die Strafbank musste. Kurz nachdem Thomas auf das Eis zurückkehrte, erzielte Artur Tegkaev den Sieg­treffer für Weißwasser. Nach vier Niederlagen in der Verlängerung plus ein verlorenes Penaltyschießen, sicherte sich sich die Mannschaft von Hannu Järvenpää im letzten Heimspiel vor der Länderspielpause endlich mal den Zusatzpunkt. „Bei der Heim-Niederlage vor fünf Tagen gegen Kassel haben wir sicher besser gespielt. Ich bin sehr froh über die beiden Punkte, über den Sieg“, bilanzierte Järvenpää. „Es war sicher kein sexy Spiel, aber ein Arbeitssieg.“

Und es war die Wiedergut­machung für das 1:7 drei Tage zuvor in Kaufbeuren.