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Eishockey
Füchse-Kapitän Mücke macht es mit Auge

André Mücke (r.) und Charly Jahnke jubeln im Derby gegen Dresden.
André Mücke (r.) und Charly Jahnke jubeln im Derby gegen Dresden. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Trotz einer Schrecksekunde schießt der Verteidiger sein Team gegen Dresden zum ersten Derby-Sieg in dieser Saison. Am Sonntag spielt Weißwasser beim Tabellenletzten EHC Bayreuth.

Das ging zwar ins Auge! Aber am Ende ging es nochmal gut – für André Mücke und auch für die Lausitzer Füchse im Duell mit den Eislöwen Dresden in der DEL2. Der Weißwasseraner Kapitän bekam im 2. Drittel des Derbys unglücklich einen Schläger ins Auge, sodass er verletzt das Eis verlassen musste. Mit Beginn des 3. Drittel kehrte Mücke aber zurück und schoss ein ganz wichtiges Tor zum 4:3-Heimsieg gegen den Erzrivalen aus der Landeshauptstadt.

„Am Ende hatten wir zwar auch eine Portion Glück, aber wir haben auch hart gearbeitet. Ich bin froh, dass Spieler und Fans wieder lachen können“, erklärt Füchse-Trainer Robert Hoffmann mit Blick auf die dramatische Schlussphase.

Um es in die Fußball-Sprache zu übersetzen: Derby-Siege gegen Dresden sind für die Anhänger der Lausitzer Füchse mindestens so wichtig wie Siege von Borussia Dortmund gegen Schalke 04. Oder für Energie Cottbus gegen Dynamo Dresden – wenn beide Clubs denn irgendwann mal wieder gemeinsam in einer Liga spielen sollten. Bis dahin sorgen zum Beispiel die Partien gegen den SV Babelsberg für eine ganz besondere Stimmung.

Im Gegensatz zum Fußball verlief das Eishockey-Derby am Freitagabend in Weißwasser ohne nennenswerte Zwischenfälle auf den Rängen. Lediglich einige kleinere Rangeleien außerhalb der Halle beschäftigten die Polizei und den Sicherheitsdienst.

„Ich habe zuerst gedacht, ich sehe nichts mehr.“

Auf dem Eis gab es dagegen wie erwartet kein Pardon. Füchse-Verteidiger Maximilian Adam und der Dresdner Christoph Körner diskutierten das Thema Derby zwischenzeitlich mit ihren Fäusten. Und auch für André Mücke war es ein schmerzhafter Abend. Bei einem Zweikampf an der Bande bekam er den Schläger von Thomas Pielmeier unglücklich ins Auge. Mücke verschwand umgehend in der Kabine. „Ich habe zuerst gedacht, ich sehe nichts mehr. Aber dann kam zum Glück alles wieder zurück“, beschreibt er die Schrecksekunde.

Pünktlich zum Start des 3. Drittels hatte der Kapitän dann wieder den richtigen Durchblick. André Mücke kehrte nicht nur auf das Eis zurück, sondern avancierte neben Torhüter Maximilian Franzreb zu einem der Matchwinner bei den Blau-Gelben. In der 44. Minute donnerte er den Puck mit einem mächtigen Schuss von der blauen Linie zum 3:2 ins Netz. „Ich habe gesehen, dass freie Schussbahn ist. Da habe ich durchgezogen und das Ding war drin. Aber die gesamte Mannschaft hat hart gekämpft. Und wir hatten natürlich einen starken Torwart“, analysiert Mücke.

Und dennoch wäre die ganze Sache für die Gastgeber beinahe noch ins Auge gegangen. Trotz des 4:2 durch Chris Owens in der 49. Minute war dieses Derbys noch lange nicht durch - denn sonst wäre es ja auch kein richtiges Derby gewesen. Erst hielt Maximilian Franreb einen Penalty von Steven Rupprich. In der 60. Minute kam Dresden dann aber durch Matt Siddall doch zum Anschlusstreffer. Deshalb mussten André Mücke & Co. in den verbleibenden 31 Sekunden noch einmal zittern, ehe der Dreier feststand.

Anders Eriksson (l.) trifft gegen Torhüter Marco Eisenhut zur 1:0-Führung.
Anders Eriksson (l.) trifft gegen Torhüter Marco Eisenhut zur 1:0-Führung. FOTO: Thomas Heide

Es war vor allem ein Sieg der Moral. Während so mancher Dresdner Spieler nach der Schlusssirene seltsamerweise mit einem beschwingten Lächeln das Eis verließ, wollten die Füchse unbedingt diesen ersten Derby-Sieg in der laufenden Saison. Fünfmal hatten sie es gegen Dresden und Crimmitschau probiert – fünf Mal jubelte am Ende der Gegner. Fünfmal machten sich die Fans enttäuscht auf den Heimweg. „Derbys sind immer speziell, das spielt sich viel im mentalen Bereich ab“, räumt Matchwinner Mücke ein. „Zumindest heute waren wir mental stärker.“ Anders ausgedrückt: Im Duell Auge in Auge waren die Füchse diesmal bissiger als die Löwen.

Am Sonntag spielt Weißwasser beim EHC Bayreuth (Beginn um 18.30 Uhr) und braucht erneut einen Dreier, um die kleine Chance auf Tabellenplatz zehn und damit den vorzeitigen Klassenerhalt zu wahren. Doch auch Schlusslicht Bayreuth kam am Freitagabend zu einem Sieg. Die Franken setzen sich bei den Heilbronner Falken 3:2 im Penaltyschießen durch.

Weißwasser hat weiterhin zwölf Punkte Rückstand auf den Zehnten Bad Nauheim, der jetzt zu Hause gegen Meister Löwen Frankfurt spielt. Natürlich werden die Füchse am Sonntag auch auf dieses Spiel ein Auge haben.