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Füchse: Ein "versauter Sieg" mit Herz

Die Füchse zeigen Zähne: Nick Bruneteau (l.) duelliert sich an der Bande mit dem Heilbronner Thomas Gödtel.
Die Füchse zeigen Zähne: Nick Bruneteau (l.) duelliert sich an der Bande mit dem Heilbronner Thomas Gödtel. FOTO: Lausitzer Füchse
Weißwasser. Dieser 3:2-Heimsieg der Lausitzer Füchse gegen den Tabellenvorletzten Heilbronner Falken war ein ganz schöner Kraftakt. Die Trainer schwanken bei der Bewertung des Spiels zwischen Lob und Fassungslosigkeit. Frank Noack

Erstaunlicherweise geht es auch im Eishockey manchmal zu wie im richtigen Leben. Um die ganz großen Emotionen spüren zu können, muss man erst ein Wellental mit Höhen und Tiefen durchschreiten.

Ein solches Wellental erlebten die Lausitzer Füchse am Freitagabend bei ihrem dramatischen 3:2-Heimerfolg gegen die Heilbronner Falken innerhalb von nur 60 Minuten. Das erste Drittel - gute Leistung, viele Chancen, aber keine Tore. Das zweite Drittel - mäßige Leistung, viel Krampf, zwei Gegentore. Und dann das dritte Drittel - eine beeindruckende Demonstration der Willensstärke mit ganz vielen Emotionen! Und mit dem Siegtor durch Sean Fischer zwei Minuten vor Schluss.

"Es war einer der besten Siege in dieser Saison", findet Füchse-Trainer Hannu Järvenpää und lobt auch ausdrücklich den Kontrahenten: "Heilbronn hat uns wirklich hart gefordert. Das war unsere beste Leistung gegen Heilbronn in dieser Saison."

Denn die Falken spielten besser, als es der vorletzte Tabellenplatz auf den ersten Blick vermuten lässt. Die Gäste standen gut in der Defensive und spielten vorn ein schnörkelloses, einfaches Eishockey. Zwei Drittel lang ging der Matchplan von Trainer Fabian Dahlem auf. Nach gut der Hälfte des Spiels lag Heilbronn plötzlich mit 2:0 in Führung.

Und die Füchse? Sie schossen ebenfalls noch im zweiten Drittel den Anschlusstreffer zum 1:2 durch Dennis Swinnen (35.). In der Drittelpause, so berichtete Trainer Hannu Järvenpää später, habe er die Mannschaft lediglich aufgefordert, ruhig zu bleiben. Kapitän André Mücke fasst das Erfolgsrezept vom Freitagabend so zusammen: "Wir sind zwar eine recht junge Mannschaft. Aber wir haben mittlerweile trotzdem schon ein solches Level erreicht, dass wir an unsere Stärke glauben und auch in so einem Spiel noch Punkte mitnehmen können."

Jakub Svoboda donnerte mit diesem Glauben in der 44. Minute den Puck zum 2:2-Ausgleich in die Maschen. Damit war das Wellental noch nicht durchschritten. Denn Jens Heyer bekam in der 50. Minute nicht nur sein Tor aberkannt, sondern musste wegen Spiels mit gefährlich hohem Stock mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe in die Kabine. Danach nahmen die Emotionen jedoch ihren Lauf. Die Füchse warfen sich in der fünfminütigen Unterzahl in jeden Schuss. Jeder Befreiungsschlag wurde von den Fans frenetisch gefeiert. Die Gäste aus Heilbronn zeigten ebenfalls Emotionen - allerdings in Form von Fouls. "Die Undiszipliniertheiten, die wir uns am Ende geleistet haben, darf man sich als Mannschaft nicht leisten. Dafür wurden wir bestraft und haben verdient verloren - trotz einer guten Leistung über weite Strecken des Spiels", bilanziert Gäste-Coach Fabian Dahlem einigermaßen fassungslos.

Für die Lausitzer Füchse war es vor allem ein Sieg des Willens. Denn in spielerischer Hinsicht sucht die Mannschaft weiterhin ihre Leichtigkeit aus dem Dezember, wo sie die überragende Bilanz von acht Siegen in zehn Spielen einfuhr. In jedem Fall war es ein schwer erkämpfter Sieg gegen den Tabellenvorletzten - zumindest wenn man es aus Weißwasseraner Sicht betrachtet.

Trotzdem liegt auch Fabian Dahlem mit seinem Schlusswort nicht falsch. "Das war einer der einfachsten Siege für die Füchse, weil wir es am Ende versaut haben", erklärt der Coach der Falken mit drastischen Worten. Fairerweise schiebt er jedoch eine Relativierung nach: "Aber Weißwasser hat sehr gut gespielt. Und gekämpft. Und Herz gezeigt."