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| 19:31 Uhr

Eishockey
Ehrenrunde in Richtung Weltmeisterschaft?

Dustin Strahlmeier absolvierte beim 1:2 nach Penaltyschießen gegen die Slowakei sein zweites Länderspiel.
Dustin Strahlmeier absolvierte beim 1:2 nach Penaltyschießen gegen die Slowakei sein zweites Länderspiel. FOTO: Monika Skolimowska / dpa
Weißwasser. Dustin Strahlmeier feiert als Torhüter der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft eine emotionale Rückkehr nach Weißwasser. Bundestrainer Marco Sturm sieht den Keeper als wichtige Option für die Zukunft. Von Frank Noack

Im Eishockey gibt es diverse Statistiken. Es gibt Statistiken über die Torschützen, Vorlagengeber, Schüsse aufs Tor, Einsatzzeiten der einzelnen Spieler und so weiter. Wenn es darüber hinaus auch eine Statistik geben würde, welcher Spieler die meisten Ehrenrunden in Weißwasser absolviert hat, dann wäre Dustin Strahlmeier ohne Zweifel ganz vorn dabei. Am Samstagabend nach dem Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Slowakei (1:2 nach Penaltyschießen) konnte Strahlmeier einen weiteren Ehrenrunden-Punkt auf seinem Konto verbuchen. Mit „Dustin, Dustin“-Sprechchören wurde der 25-jährige Keeper bei seiner Rückkehr nach Weißwasser von den Füchse-Fans gefeiert. „Ich habe früher schon immer gern mit den Fans kommuniziert. Oder war eben eine Runde länger auf dem Eis. Das habe ich beibehalten“, schmunzelt Strahlmeier.

Sein zweites Länderspiel war mindestens genauso emotional wie das Debüt vor einer Woche im Testspiel bei Olympiasieger Russland. „Ich habe mich sehr auf das Spiel in Weißwasser gefreut. Es freut mich, dass ich hier immer noch so willkommen bin“, erklärt der Keeper.

Strahlmeier war insgesamt drei Jahre bei den Lausitzer Füchsen unter Vertrag. 2010/11 spielte er meistens beim damaligen Kooperationspartner Jonsdorf. Es folgte ein Jahr bei den Bietigheim Steelers. 2012 kehrte Strahlmeier nach Weißwasser zurück und avancierte im zweiten Jahr zum Stammspieler, der nach Siegen oft von den Fans gefeiert wurde.

„Ich kann mich noch genau erinnern, wie er bei uns ein Probetraining absolviert hat. Wir haben uns dann entschieden, ihn zu nehmen. Da ist man im Nachhinein schon ein wenig stolz, dass er jetzt Nationalspieler ist“, sagt Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach. „Er hat sich bei uns kontinuierlich entwickelt. Da hat man schon gemerkt, dass er Potenzial und ein Riesentalent hat. Glückwunsch zu dieser Karriere! Ich drücke die Daumen, dass es so weitergeht.“

Am Samstagabend vor 2750 Zuschauern im ausverkauften Fuchsbau wurde Strahlmeier nach gut der Hälfte des Spiels eingewechselt. Das stark verjüngte DEB-Team ging in dieser Testpartie durch Nicolas Krämmer (39. Minute) in Führung. In der 44. Minute gelang David Buc der Ausgleich. Den entscheidenden Penalty verwandelte Martin Bakos.

Dustin Strahlmeier (r.) wird von Füchse-Hauptgesellschafter René Reinert als „Spieler des Tages“ geehrt.
Dustin Strahlmeier (r.) wird von Füchse-Hauptgesellschafter René Reinert als „Spieler des Tages“ geehrt. FOTO: Thomas Heide

Der Party-Stimmung nach dem Spiel tat das aber keinen Abbruch. Als sich das Team bei den Füchse-Fans für die Unterstützung trotz mäßiger Leistung bedankte, fuhr Strahlmeier vorneweg und holte sich einen weiteren Punkt auf ­seinem Ehrenrunden-Konto.

Ob diese Ehrenrunde den Nationalmannschafts-Neuling sogar bis zur WM vom 4. bis 20. Mai in Dänemark trägt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen, wenn Bundestrainer Marco Sturm seinen Kader mit einigen Olympia-Helden von Pyeongchang komplettiert. Fest steht: Die Nationalmannschaft wird in Dänemark ein anderes Gesicht haben als in Weißwasser.

Als Entschuldigung für die Niederlage wollte Sturm das Fehlen sämtlicher Stars aber nicht gelten lassen. „Es war ein enttäuschendes Spiel von uns. Es war von der ersten bis zur letzten Minute nicht das Spiel, das wir spielen wollten. Immerhin haben wir es in die Verlängerung geschafft. Dort hatten wir dann auch noch einige Chancen, das Spiel zu gewinnen. Letztlich war die Slowakei aber besser“, kritisiert Sturm.

Auch im Tor wird es bis zur WM noch Veränderungen geben. Danny aus den Birken, der ein großer Rückhalt bei Olympia war, spielt derzeit mit München die DEL-Finalserie gegen die Eisbären Berlin. NHL-Keeper Thomas Greiss könnte nach dem Playoff-Aus mit New York ebenfalls zur Mannschaft stoßen. Angesprochen auf die WM-Chancen von Dustin Strahlmeier wollte sich der Bundestrainer in Weißwasser noch nicht in die Karten schauen lassen. „Dustin geht momentan einen Weg, der ziemlich schnell geht. Er ist noch sehr jung und hat jetzt zum ersten Mal eine volle Saison gespielt“, lobt Marco Sturm den Keeper von den Wild Wings Schwenningen. Er lässt aber auch durchblicken, dass er Strahlmeier als Option für die Zukunft sieht. Die WM in der Gegenwart könnte für den Ex-Fuchs also noch zu früh kommen. „Man muss ihn langsam vorbereiten. Momentan hat Dustin noch einige erfahrene Torhüter vor sich. Wenn er so weitermacht, dann wird er uns auch in Zukunft Freude bereiten.“ Dann dürfte auch  noch die eine oder andere Ehrenrunde dazukommen.

Am Sonntag in Dresden: Deutschland – Slowakei 1:4.