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| 02:44 Uhr

Die "Schwarze Maske" aus Weißwasser wird 75

Klaus Hirche posiert mit seiner berühmten schwarzen Maske, hier noch in der alten Weißwasseraner Eishockey-Halle. Er war einer der ersten Torhüter weltweit, der mit diesem Schutz spielte. Heute hängt die Maske in der neuen Eishalle der Lausitzer Füchse.
Klaus Hirche posiert mit seiner berühmten schwarzen Maske, hier noch in der alten Weißwasseraner Eishockey-Halle. Er war einer der ersten Torhüter weltweit, der mit diesem Schutz spielte. Heute hängt die Maske in der neuen Eishalle der Lausitzer Füchse. FOTO: img1
Weißwasser. Der Name Klaus Hirche steht in Eishockey-Kreisen für Standhaftigkeit, Reaktionsschnelligkeit und großen Sportsgeist. Am Samstag wird die Torhüter-Legende aus Weißwasser 75. Hier und da zwickt es in den Knochen, aber das Sport-Idol ist immer noch lebenslustig und energiegeladen. Skadi Hofmann

Kirschen pflücken dürfte Klaus Hirche zu seinem 75. Geburtstag an diesem Samstag nicht. Der frühere Torwart der DDR-Eishockeynationalmannschaft plagt sich mit einigen Rückenleiden, sein Arzt hat ihm ruckartige Bewegungen nach oben verboten. "Aber wir wollen jetzt mal nicht jammern. Wer es nicht weiß, sieht es nicht", sagt Hirche, der nicht nur bei seinem Heimatverein Lausitzer Füchse in Weißwasser eine Legende ist. Zu seinem Ehrentag erwartet er 20, 30, vielleicht auch 40 Gäste. So ganz genau weiß er es nicht. Meist kommen die Sportkollegen und Freunde von ganz allein.

Über die Grenzen seiner geliebten Heimatstadt hinaus ist Hirche bis heute als die "Schwarze Maske" bekannt. Als einer der ersten Torhüter der Welt spielte er Anfang der 60er Jahre mit einer schwarz lackierten Schutzmaske und wurde seit der Weltmeisterschaft 1963 unter diesem Spitznamen berühmt. Heute hängt die Maske in der 2013 eröffneten neuen Eishalle der Lausitzer Füchse. Hirche pflegt die Vitrine voller persönlicher Erinnerungsstücke und Vereinspokale mit viel Liebe. Zwölf Jahre stand er im Tor von Dynamo Weißwasser, 118 Mal zwischen den Pfosten bei der Nationalmannschaft.

Eine Krebserkrankung hat er vor wenigen Jahren überstanden und wirkt noch immer frisch und lebenshungrig. Ob Ehrenvorsitz im Verein, Vertreter bei der Wohnungsgenossenschaft oder Mitglied der politischen Wählervereinigung "Klartext" - Hirche braucht täglich eine Herausforderung. "Wenn ich etwas erreichen will, arbeite ich auch bis in die Nacht. Ein Erfolgserlebnis pro Tag muss sein", erzählt der dreifache Opa, der bald auch erstmals Ur-Großvater wird.

Jüngst hat seine Wählervereinigung die meisten Stimmen bei der Stadtratswahl errungen, den Oberbürgermeister stellt sie bereits. "Ich helfe bei Veranstaltungen, verteile Flyer. Ich will Einfluss auf die Entwicklung in Weißwasser nehmen und für gute Bedingungen im Sport kämpfen." Wer ihn interviewt, kommt kaum zum Fragen stellen. Er erzählt gern von den alten Zeiten, als ihn die Gegner auch "Mann mit den hundert Händen" oder "Kamikaze" riefen. "Ich habe nie darauf geachtet, was mir passieren könnte, mein Blick galt immer dem Puck. Da landeten einige Schläger im Gesicht", erinnert sich der Jubilar.

Mehrere Zähne verlor er 1957, als er noch ohne Helm spielte. Doch auch als "Schwarze Maske" musste er später Nasenbeinbruch Nummer fünf und sechs einstecken. "Aber die Ärzte haben das ganz gut hinbekommen und ich bekomme noch immer prima Luft", sagt er schmunzelnd.

Seinen Ehrentag will Klaus Hirche im Gartenhäuschen am Grill verbringen und mit Sportkollegen, seiner Frau und dem Sohn in Erinnerungskisten kramen. "Das ist doch das Schönste an solchen Tagen."