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| 13:39 Uhr

Eishockey
Schnelle Füchse stellen Rekord auf

Neuzugang Steve Saviano (r.) und seine Kollegen bei den Lausitzer Füchsen überraschen die DEL2 mit ihrem Spieltempo.
Neuzugang Steve Saviano (r.) und seine Kollegen bei den Lausitzer Füchsen überraschen die DEL2 mit ihrem Spieltempo. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Weißwasser führt mit sechs Siegen die DEL2-Tabelle an und lässt die Experten staunen. Die RUNDSCHAU nennt Gründe für den Aufschwung der Lausitzer Füchse unter Trainer Corey Neilson. Von Frank Noack

Zur Feier des Tages gönnten sich die Fans der Lausitzer Füchse eine Portion Spott in Richtung des ungeliebten Erzrivalen aus der Landeshauptstadt. „Über uns lacht die Sonne, über euch die ganze Liga“, stand auf einem großen Spruchband, das die Weißwasseraner Anhänger nach dem 1:0-Derbysieg gegen die Eislöwen Dresden stolz in die Höhe reckten.

Das Plakat war natürlich vorbereitet. Soweit ist es in dieser Saison also gekommen –  Weißwasser gewinnt mit Ansage gegen Dresden! Sechs Siege in sechs Spielen sind gleichbedeutend mit dem besten Weißwasseraner Start in der zweithöchsten Eishockey- Spielklasse.  Die Tabellenführung ist sozusagen das Sahnehäubchen auf der blau-gelben Startrekord-Torte für die Mannschaft von Trainer Corey Neilson. Dresden findet sich mit nur einem Sieg dagegen überraschend im Tabellenkeller der DEL2 wieder.

Sind diese sechs Siege noch eine Momentaufnahme oder schon eine gewisse Tendenz? Corey Neilson lächelt bei dieser Frage, beantworten mag sie der 42-jährige Trainer aus Kanada aber nicht. „Das waren doch erst sechs Spiele. Natürlich sind wir glücklich, dass wir  sechs Mal gewonnen haben.   Wenn wir so weitermachen und den Puck schnell laufen lassen, dann kann hier etwas Großes entstehen“, sagt Neilson.

Die Eishockey-Fachwelt schaut schon jetzt erstaunt nach Weißwasser. Denn ein solcher Rekordstart war den Lausitzer Füchsen natürlich nicht wirklich zuzutrauen. Immerhin ging es in der vergangenen Saison bis zum Schluss in den Playdowns gegen die Bayreuth Tigers um den Klassenerhalt. Woher kommt also der geradezu raketenhafte Aufschwung unter Neilson? Fakt ist, dass die Mannschaft sowohl qualitativ als auch quantitativ besser aufgestellt ist als das Team der Vorsaison. Bis auf Roope Ranta, der jetzt beim Liga-Konkurrenten Heilbronner Falken stürmt, konnten sämtliche Leistungsträger gehalten werden. Dank der Unterstützung von Kooperationspartner Eisbären Berlin haben die Füchse im Prinzip eine weitere Sturmreihe mit Youngstern hinzubekommen. Dazu kommt, dass die anderen  Förderlizenzspieler Maximilian Adam, Vincent Hessler und Charly Jahnke in ihrer dritten Saison jetzt so richtig loslegen in Weißwasser.

Außerdem hat sich der neue Keeper Olafr Schmidt erstaunlich schnell in die Rolle des letztjährigen Rückhalts Maximilian Franzreb hineingefunden, der jetzt in Berlin in der DEL im Tor steht. Gegen Dresden blieb der Deutsch-Kanadier das erste Mal in dieser Saison ohne Gegentor – dieser sogenannter Shutout gilt in der Branche der Puckfänger als begehrtes Qualitätssiegel.

Fakt ist aber auch, dass das Konzept von Corey Neilson bislang prächtig aufgeht. Er ließ sich weder von der mäßigen Saisonvorbereitung noch vom zwischenzeitlichen 0:3-Rückstand im ersten Spiel gegen die Wölfe Freiburg von seinem Plan abbringen. Der Nachfolger des im Sommer nach Querelen mit dem neuen Co-Trainer Chris Straube überraschend entlassenen Robert Hoffmann setzt auf ein enorm hohes Spieltempo aller vier Reihen. Diese Laufstärke gepaart mit einer peniblen taktischen Organisation des jungen Teams dürften noch viele Gegner vor große Probleme stellen. Ein weiterer Vorteil gegenüber der vergangenen Saison ist, dass alle Reihen punkten können.

Fakt ist allerdings auch, dass die Füchse – und das ist jetzt wirklich kein Spott gegenüber Dresden – in den ersten sechs Spielen hauptsächlich auf Kontrahenten getroffen sind, die sich im Verlauf der Saison aller Voraussicht nach in der unteren Tabellenhälfte einordnen werden. Die wirklichen Kracher der Liga kommen jetzt erst noch.

Während die Fans nicht zuletzt von den beiden Derby-Siegen bei den Eispiraten Crimmitschau und am Sonntag gegen Dresden euphorisiert sind, hält man in der Kabine den Puck weiterhin flach. „Es ist eine Momentaufnahme“, betont Stürmer Feodor Boiarchinov. „Es läuft derzeit einfach richtig gut. Die Abstimmung auf dem Eis passt und jeder Spieler ist bereit, den Schritt für den anderen zu gehen.“

Die Füchse-Fans sind aus dem Häuschen: So gut ist ihr Team noch nie in die Saison gestartet.
Die Füchse-Fans sind aus dem Häuschen: So gut ist ihr Team noch nie in die Saison gestartet. FOTO: Thomas Heide