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| 11:55 Uhr

Eishockey
Füchse fliegen an die Tabellenspitze

FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Trotz Verletzungssorgen und Logistik-Problemen: Weißwasser ist in der DEL2 nicht zu stoppen. Nach dem Sechs-Punkte-Wochenende und der Rückkehr auf Platz 1 zeigt selbst Trainer Neilson ungewohnte Gefühle. Von Frank Noack

Es ist ein Bild zum Einrahmen: Die Lausitzer Füchse führen wieder die Tabelle der DEL2 an. Aber nicht nach wenigen Partien, nicht nach der Hälfte der Saison, sondern nach 42 von 52 Hauptrunden-Spieltagen. Das gab es zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Saison noch nie. „Spitzenreiter, Spitzenreiter“, sangen die Füchse-Fans am Sonntagabend beim 2:0-Heimsieg gegen die Kassel Huskies. Es sei „alles über das Eis geflogen“, lobt auch Trainer Corey Neilson nach dem Hochgeschwindigkeits-Eishockey beider Mannschaften.

Dieses Spiel mit einer extrem hohen Geschwindigkeit ist zweifellos der Schlüssel für den anhaltenden Höhenflug des einstigen Abstiegskandidaten aus Weißwasser. Unter Neilson spielen die Füchse so schnell und auch so erfolgreich wie schon lange nicht mehr. Sie sind in der Lage mit allen vier Sturmreihen ein Tempo zu gehen, dem nur wenige Kontrahenten über die gesamten 60 Minuten folgen können.

Zumal auch alle vier Reihen Tore erzielen können. „Früher gab es hier eine Reihe, die scoren sollte. Jetzt kann jede Reihe Tore schießen. Das nimmt auch viel Druck von mir“, erklärt Topscorer Jeff Hayes in der Fachzeitschrift „Eishockey-News“.

Das zurückliegende Wochenende mit den Siegen in Freiburg und gegen Kassel hat eindrucksvoll gezeigt, dass die Füchse selbst den Ausfall von mehreren Leistungsträgern zumindest momentan erstaunlich gut kompensieren. Mit Jakub Kania (Schulterverletzung) und Clarke Breitkreuz (Gesichtsverletzung) fehlen jeweils ein wichtiger Eckpfeiler der Defensive und der Offensive. Ob und wann beide in dieser Saison noch einmal auf das Eis zurückkehren, ist offen.

„Eigentlich ist es unmöglich, solche Leistungsträger zu ersetzen. Die Spieler müssen sich in den einzelnen Reihen gegenseitig helfen“, betont Trainer Coery Neilson. „Es ist schön zu sehen, wie die Mannschaft das umsetzt.“ Auch Youngster Jake Ustorf fällt auf unbestimmte Zeit aus.

Unbeeindruckt von diesen schlechten Nachrichten aus dem Lazarett eilen die Füchse weiter von Sieg zu Sieg. Zumal die beiden Erfolge am zurückliegenden Wochenende alles andere als einfach waren. Beim 2:1 in Freiburg mussten die Gäste bis zur letzten Sekunden hart um diesen Auswärtsdreier kämpfen. Anschließend gab es dann auch noch logistische Probleme, sodass die Mannschaft nach zwölfstündiger Busfahrt vom Breisgau in die Lausitz erst am Samstagnachmittag nach Weißwasser zurückkehrte.

Danach wollten die Spieler nur noch ins Bett, berichtet Neilson. An die übliche Übungseinheit auf dem Eis war nicht zu denken. Stattdessen wurde improvisiert und eben erst am Sonntagvormittag trainiert, um die Beine zu lockern. Trotz dieser Widrigkeiten erlebten die Zuschauer am Abend beim 2:0-Sieg gegen Kassel dank der beiden späten Treffer von Jeff Hayes (49./55. Minute) dann ein weiteres Eishockey-Fest im Fuchsbau. Noch dazu gegen einen ebenfalls spielstarken Kontrahenten, dessen Leistungskurve seit Wochen nach oben geht. „Es war eine großartige Leistung meiner Mannschaft“, analysiert Neilson.

Diese Leistung zauberte selbst dem mit Gefühlsregungen in der Öffentlichkeit eher sparsamen Füchse-Coach ein Lächeln ins Gesicht. Normalerweise ist der 42-jährige Kanadier dermaßen auf seine Arbeit fokussiert, dass dafür kaum Zeit bleibt. Die „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Fans verließen die Halle sowieso mit einem breiten Grinsen. Der eine oder andere dürfte auch darüber nachgedacht haben, wo er sich jetzt ganz schnell einen Bilderrahmen für die Tabelle beschaffen kann.