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"Das Finale ist ein schöner Traum"

Aus dem einstigen Jungfuchs in der Saison 2005/06 ist in den 600 Liga-Partien ein gestandener Führungsspieler geworden.
Aus dem einstigen Jungfuchs in der Saison 2005/06 ist in den 600 Liga-Partien ein gestandener Führungsspieler geworden. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Füchse-Urgestein Thomas Götz knackt die magische 600-Spiele-Marke und schaut mit der RUNDSCHAU auf die vielen Partien zurück. Nur an seinen ersten Einsatz kann er sich nicht mehr erinnern. Jan Lehmann

Wer von Thomas Götz große Töne erwartet, der hatte in den vergangenen zwölf Jahren wohl nicht viel mit den Lausitzer Füchsen zu tun. Als Lautsprecher ist der 31-Jährige nämlich nicht aufgefallen, seit er 2005 sein Profi-Debüt gab. Am Dienstag absolvierte der 31-Jährige nun sein 600. Ligaspiel für die Füchse - eine magische Marke, die in Weißwasser nach 1990 nur Jörg Pohling (614 Einsätze) geknackt hat. Für Götz kein Grund für große Gefühle: "Ich weiß bloß, dass wir verloren haben", sagt das Füchse-Urgestein nach dem 2:6 in Rosenheim. Er erklärt, dass ihn Niederlagen noch genauso nerven wie am ersten Tag. Mit dieser Einstellung will Götz weit kommen. Der Weißwasseraner gibt zu: "Das Finale ist ein schöner Traum."

Schaffen es die Füchse tatsächlich bis ins Finale, könnte Götz sogar Pohlings Bestmarke knacken. Mit den beiden Hauptrundenpartien gegen Bietigheim (Freitag, 19.30 Uhr) und in Kaufbeuren (Sonntag, 18.30 Uhr) könnten es noch bis zu 16 Spiele bis zum Finale werden. Am 14. März beginnen die Playoffs, zuvor schaut Götz mit der RUNDSCHAU auf 600 Spiele zurück.

Das (Beinahe-)Ende vorm Anfang: Eigentlich hatte Thomas Götz die Profi-Karriere schon abgehakt, als sie noch gar nicht begonnen hatte. Weil er als Nachwuchsspieler unter dem damaligen Coach Horymir Sekera keine Chance sah, wechselte Götz 2003 nach Niesky und begann eine Lehre als Elektriker bei Vattenfall. Er erzählt: "Ich habe immer noch einmal pro Woche in Weißwasser trainiert. Und als ich 20 Jahre alt war, habe ich gedacht: ,Ich muss es noch einmal probieren.' Dann ging es los."

Das erste Profi-Spiel: Es war in der Saison 2005/06, doch an den Gegner oder an seine ersten Schritte auf dem Profi-Eis kann sich Thomas Götz nicht mehr erinnern. Der 31-Jährige sagt: "Ich weiß nur noch, dass wir viele Verletzte hatten und Trainer Fred Carroll mir das Vertrauen gegeben hat. Dafür bin ich ihm sehr dankbar."

Die Trainer: Nach Carroll hatte es Götz bisher mit fünf weiteren Trainern zu tun. Er spielte unter Thomas Popiesch (2006 bis 2009), Dirk Rohrbach (2009 bis 2015), Peter Ihnacak (19. Dezember bis 31. Dezember 2015), Paul Gardner (Januar bis März 2016) und seit August unter Hannu Järvenpää. Rückblickend sagt Götz: "Am prägendsten war für mich die Zeit mit ,Rohre'." Dirk Rohrbach, der schon Co-Trainer von Thomas Popiesch war und inzwischen Geschäftsführer der Füchse ist, hat fast alle 600 Spiele miterlebt.

Die Erfolge: Der größte Erfolg für Thomas Götz war die Saison 2008/09, als die Füchse unter Trainer Popiesch bis ins Halbfinale der DEL2 vordrangen. "Das war ein tolles Erlebnis, daran denke ich sehr gern zurück", so der 31-Jährige. Damals war dann allerdings gegen den späteren Meister Bietigheim in einer deutlichen 0:4-Serie Schluss.

Die Mitspieler: Wie viele Mitspieler Thomas Götz hatte, ist kaum nachzuvollziehen. Es dürften mehr als 100 Akteure gewesen sein. Götz bedauert: "Leider ist es bei uns so, dass viele Spieler kommen und gehen. Vor einigen Jahren waren wir noch mehr Einheimische, da hatten wir einen festen Stamm." Die Frage nach dem besten Mitspieler beantwortet Götz überraschend schnell und nennt den aktuellen Füchse-Torjäger Jeff Hayes. Götz erklärt: "Es ist zwar schwer, alle zu vergleichen. Doch Jeff ist überragend. Außerdem würde ich noch Matt McKnight und Preston Mizzi nennen, die beide richtig gut waren."

Die Verlockungen: In den Anfangsjahren hat Thomas Götz auch über einen Wechsel nachgedacht, Angebote gab es durchaus. Doch als der Familienmensch dann bei Vattenfall einen festen Arbeitsvertrag bekam, waren diese Pläne vom Tisch. "Ich habe das nicht bereut", so Götz, der neben Training und Spielen weiter bei der LEAG im Kraftwerk in Boxberg arbeitet.

Die Zukunft: Götz weiß noch nicht, wie lange er noch spielen wird, deutet aber an: "Ich werde nicht jünger und mache mir meine Gedanken." Diese Saison will er erst einmal voll auskosten. "Ich bin überzeugt, dass wir die erste Runde überstehen können. Und das Finale ist ein schöner Traum."

Die Familie: Freundin Lisa ist der Rückhalt für Thomas Götz, sie muss oft auf ihren Mann verzichten. Aber Eishockey ist und bleibt das große Thema in der Familie: Susann Götz, die Schwester von Thomas, war 2014 in Sotschi Spielführerin der Eishockey-Olympiamannschaft. Und womöglich gibt es bald den nächsten Götz im Weißwasser-Trikot. Benjamin ist zweieinhalb Jahre alt und geht mit seinem Papa schon ab und an aufs Eis. "Man merkt, dass er Spaß an der Sache hat", so der stolze Thomas Götz.

Zum Thema:
In Weißwasser werden offenbar Eishockey-Dauerbrenner geboren. Mirko Lüdemann wurde bei den Kölner Haien eine Legende. Er bestritt in 23 Jahren in der 1. Bundesliga und später der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) 1197 Partien. Füchse-Profi Thomas Götz sagt: "1000 Spiele sind für mich unrealistisch. Ich habe großen Respekt davor, was ,Lüde' geschafft hat."