ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:09 Uhr

Eishockey
„Wir denken nicht über den Gegner nach“

Corey Neilson plant die Spielzüge bis ins Detail durch.
Corey Neilson plant die Spielzüge bis ins Detail durch. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Coach Corey Neilson bringt Selbstvertrauen und eine neue Taktik mit nach Weißwasser zu den Lausitzer Füchsen. Die erste Bewährungsprobe gibt es am Freitag gegen Freiburg. Von Frank Noack

Corey Neilson spricht bei seinem ersten öffentlichen Auftritt leise und wägt seine Worte genau ab. Ein Eishockey-Diplomat ist der neue Trainer der Lausitzer Füchse aus Weißwasser aber dennoch wohl eher nicht. Denn Corey Neilson – das bedeutet vor allem klare Kante. Deshalb schüttelt der 42-jährige Kanadier auch energisch den Kopf, als er vor dem Saisonstart nach seinen bisherigen Erkenntnissen über die DEL2 im Allgemeinen sowie die ersten beiden Konkurrenten Freiburg und Crimmitschau im Speziellen gefragt wird. „Nein“,  sagt Neilson vor dem ersten Spiel gegen Freiburg an diesem Freitag (Beginn um 19.30 Uhr). „Nein, in der jetzigen Phase ist es für unsere junge Mannschaft nicht wichtig, wie der Gegner spielt. Wir denken nicht über die anderen Teams nach, sondern legen den Fokus auf unsere eigene Arbeit. Wenn das jeder Spieler macht, ­haben wir eine gute Chance, das Spiel zu gewinnen.“

Der Nachfolger von Robert Hoffmann strahlt seit seinem Amtsantritt vor sechs Wochen jede Menge Selbstvertrauen aus. Neilson bringt dieses Selbstvertrauen aus England mit, wo er bei den Nottingham Panters über ein Jahrzehnt lang recht erfolgreich gearbeitet hat. Und er macht viele Dinge anders als sein Vorgänger. Und zwar nicht nur anders, sondern ganz anders! Während Hoffmann auf Augenhöhe mit den Spielern kommunizierte und ihnen auch taktische Freiräume auf dem Eis gewährte, sind bei Neilson jeder Spielzug und jede Defensiv-Variante bis ins Detail durchgeplant. Bisher hätten speziell die jungen Spieler vor allem von ihrem individuellen Talent gelebt, lautet seine These. „Jetzt müssen sie lernen, als ­Gruppe gemeinsam auf dem Eis zu agieren. Die Spieler müssen ein komplett neues Konzept lernen.“

Neilson, der neben seinem Job als Füchse-Coach auch weiterhin als Assistenztrainer der englischen Nationalmannschaft arbeiten wird, beschreibt sich selbst als eher ruhigen Vertreter seiner Zunft hinter der Bande. Er bastele lieber an einem erfolgreichen Matchplan für sein Team, als die eigenen Emotionen ungebremst nach außen zu lassen. Dem Vernehmen nach kann Neilson aber auch laut und nicht nur leise – bei Tadel und auch bei Lob in der Kabine. Die leise Tonlage ist daher wohl eher für die Medienvertreter und die Öffentlichkeit bestimmt.

Mit seiner Meinung hält der neue Füchse-Coach ohnehin nicht hinter dem Berg. Er hat jedenfalls schon durchblicken lassen, dass er die Zusammensetzung der Mannschaft in puncto Größe nicht für optimal hält. Den einen oder anderen größeren und auch kräftigeren Spieler hätte er gern im Team gehabt. Dieses Team wurde im Wesentlichen vor seinem Amtsantritt zusammengebaut. Statt auf körperbetontes Eishockeys will  Neilson deshalb vor allem auf die Geschwindigkeit setzen. „Wir sind ein sehr kleines, aber schnelles Team. Wir wollen wie jedes andere Team der Welt schnelles und aggressives Eishockey spielen. Der Puck muss schnell laufen“, fordert der Coach.

Mit einer Durchschnittsgröße von 1,814 Meter sind die Füchse in der Tat das drittkleinste Team der Liga. Nur Dresden (1,811) und Auftaktgegner Freiburg (1,810) sind kleiner. Erschwerend kommt hinzu, dass mit den verletzten Marius Schmidt und Clarke Breitkreuz momentan zwei Spieler fehlen, die eigentlich für den rustikalen Teil der Arbeit auf dem Eis fest eingeplant waren. Schmidt ist mit 1,94 Meter der größte Profi im Weißwasseraner Kader.

Gerade wegen der Fülle an ­neuen Informationen war es keine einfache Saisonvorbereitung – sowohl für den neuen Trainer als auch für die Mannschaft. Man habe sich gemeinsam unheimlich viele Details erarbeitet, erklärte Stürmer Feodor Boiarchinov kürzlich. „Das ist fast wie in der Schule.“ Nach sieben Niederlagen und zwei Siegen in den Testspielen wartet an diesem Freitag mit Auftaktgegner Freiburg nun die erste echte Prüfung auf die Lausitzer Füchse und Trainer Corey Neilson.