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Eishockey
Die Stimme des Fuchses nimmt Abschied

Andreas Friebel war anderthalb Jahrzehnte Hallen- und Vereinssprecher der Füchse.
Andreas Friebel war anderthalb Jahrzehnte Hallen- und Vereinssprecher der Füchse. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Er war 16 Jahre Hallen- und Vereinssprecher bei den Lausitzer Füchsen. An diesem Samstag hat Andreas Friebel seinen letzten Auftritt am Mikro. In der RUNDSCHAU zieht er die persönliche Bilanz.

Ehre, wem Ehre gebührt: Zum letzten Auftritt von Andreas Friebel als Hallensprecher der Lausitzer Füchse kommt an diesem Samstag der DEL2-Tabellen­führer Bietigheim Steelers nach Weißwasser (17 Uhr). Mit dem Abschied des 41-Jährigen geht nicht nur eine Ära am Mikro zu Ende. ­Friebel war seit fast 16 Jahren als Hallen- und Vereinssprecher die Stimme des Fuchses in der Öffentlichkeit. Jetzt will er sich anderen beruflichen Herausforderungen widmen. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU blickt Andreas Friebel auf die bewegte Zeit zurück.

Die Anfänge als Pressesprecher Vor fast 16 Jahren tritt Andreas Friebel den Job an. Hallensprecher ist er damals schon. Nun soll er auch die Öffentlichkeitsarbeit professionalisieren. Kurz danach steht Friebel aber schon wieder vor dem Rauswurf. „Es war eine schwierige Zeit. Das Image der Füchse in Weißwasser war Anfang der 2000er-Jahre extrem beschädigt: beim Stammverein wegen der eingedampften Nachwuchs­arbeit, bei den Profis wegen finanzieller Probleme und wegen des Abstiegs in die Oberliga. Der ­damalige Geschäftsführer Klaus Dietze war kein Freund von Pressemitteilungen und hat lieber über die Fan-Seite im Internet kommuniziert. Das war aber nicht meine Vorstellung von professioneller Pressearbeit. Es gab schon Gespräche mit meinem potenziellen Nachfolger.“ ­Einige Monate später ­trennen sich die Füchse dann aber von Dietze.

Das Gastspiel von NHL-Legende Todd Gill Nach über 1000 Partien kommt der Kanadier kurz vor dem Jahreswechsel 2003/04 ausgerechnet zu den Füchsen, die damals in der Oberliga spielen. Friebel: „In seinem ersten Spiel gegen die Berlin Capitals hat Todd gleich zwei Tore geschossen und eine Vorlage ge­geben. Das ganze Stadion ist ausgerastet. Das war ein echtes sportliches Highlight für mich. Einige behaupten ja heute noch, dass Todd Gill damals dachte, er kommt in die 1. Liga und nicht in die Oberliga.“

Die Zeit mit Sean Gagnon Der Ka­nadier spielt von 2004 bis 2006 in Weißwasser. Markenzeichen von Gagnon, Spitzname „Der Dicke“, ist seine Härte. „Ein außergewöhnlicher Spieler – in jeder Hinsicht. Er war der Bad Guy der Liga, der ­seine Gegner reihenweise an die Bande getackert hat. Er war aber irgendwie auch ein großes Kind. Nach den Spielen hat er gern und oft gefeiert. Sein Lieblingsgetränk in der Kentucky-Bar in Weißwasser war ein halber Liter Cola-Whisky; Mischungsverhältnis: eins zu eins. So etwas geht natürlich heutzutage nicht mehr als Leistungssportler.“

Die Arbeit hinter den Kulissen „Man darf nicht vergessen, dass einige der Jungs gerade mal Anfang 20 sind, wenn sie zum ersten Mal nach Deutschland kommen. Sie sind also auch im Kopf noch sehr jung. Man muss sie an die Hand nehmen, wenn es beispielsweise darum geht, sich anzumelden, ein Konto zu eröffnen oder den Telefonanschluss zu bestellen. Unseren ausländischen Neuzugängen habe ich bei der Begrüßung auf dem Flughafen immer gleich erklärt: ‚Erstens: In Deutschland wird viel geblitzt. Also – Höchstgeschwindigkeit einhalten! Zweitens: Wenn man parkt und es ist ein blaues Schild mit einer Uhr zu sehen – Parkuhr reinlegen!‘ ­Geholfen hat es nicht immer. Es sind im Laufe der Jahre unzählige Strafzettel in der Geschäftsstelle gelandet. Und weil manche Spieler auch noch nicht wussten, wie und wo sie was bezahlen müssen, haben sie mir einfach das Geld gegeben und ich habe es dann von meinem Konto an die Bußgeldstelle überwiesen.“

Die Playdowns gegen den Erz­rivalen Dresden im Jahr 2007 Die Füchse sind damals krasser Außenseiter, verlieren den Auftakt und setzen sich in sechs Spielen aber trotzdem durch. Dresden steigt ab in die Oberliga. „Das war meine verrückteste Serie mit den Füchsen. Dresden ist an un­serem Torhüter Nolan McDonald verzweifelt. Die Eislöwen hatten einen regelrechten Komplex.“ Und dieser McDonald-Komplex geht so weit, dass die Eislöwen im Training einen Nachwuchskeeper ins Tor stellen und ihn mit Steckfähnchen des gleich­namigen Fastfood-Restaurants ausstatten, um den Frust wegzu­ballern. ­Friebel muss heute noch schmunzeln bei diesen Erinnerungen: „Wir haben darauf reagiert, indem im nächsten Heimspiel unsere Spieler beim ­Einlaufen alle McDonald hießen, also André McDonald oder Chris McDonald zum Beispiel.“

Die Verhaftung von Karl Fournier Am 3. März 2011 trifft Friebel den neuen Füchse-Stürmer zufällig in der Nähe des Bahnhofs. Fournier ist mit zwei Taschen bepackt und will Weißwasser nach nur wenigen Tagen heimlich verlassen. Zuvor hat er sich in betrügerischer Absicht einen Vorschuss auf sein Gehalt auszahlen lassen. „Ich habe umgehend Trainer, Manager und alle möglichen Leute alarmiert. Gemeinsam haben wir am Bahnhof auf Fournier eingeredet und wollten ihn zum Bleiben bewegen. Wir hatten keine Chance.“ Der Kanadier steigt in den Zug und wird in Cottbus von der Bundespolizei in Gewahrsam genommen. „Ich habe schon viele Spieler kommen und gehen sehen. Aber noch nie erlebt, dass ein Spieler den Club dermaßen betrügen wollte. PR-technisch war die Sache für uns natürlich eine ­Katastrophe. Aber wir haben sie trotzdem maximal transparent mitgeteilt, auch wenn wir erst einmal die Lachnummer der Liga waren.“

Die Eröffnung der neuen Eisarena Schon Wochen vor dem Umzug in die neue Arena im August 2013 ist die Begeisterung der Fans riesengroß. „Bei einer Baustellenbesichtigung konnten sich die Fans ihre Dauerkarten reservieren lassen. Damals gab es überhaupt noch keine asphaltierte Straße hinauf zur Halle. Trotzdem stürmten an diesem Samstagmorgen nach dem Öffnen der Bauzäune hunderte Menschen über Sand und Schotter in Richtung Halle, um sich die besten Plätze zu sichern. Wir haben stundenlang ­gesessen und die Dauerkarten­anträge entgegengenommen. Das Eröffnungsspiel gegen die Eisbären Berlin war dann sogar innerhalb von sieben Minuten ausverkauft. Die Leute haben zuvor stundenlang ­angestanden. Weil es so heiß war, haben wir Wasser verteilt.“

Die Fehde mit Rico Rossi Freunde werden Andreas Friebel und der Trainer der Kassel Huskies wohl nicht mehr. In seiner Rolle als Kommentator des Füchse-Streams hatte Friebel die harte Gangart kritisiert. In der Pressekonferenz am 18. Oktober 2015 eskaliert die Fehde. „Ich habe ihm schmutziges Eishockey vorgeworfen. Das war damals meine Sicht auf die Dinge, die ich später modifiziert habe.  Aber Rossi hat es in der Pressekonferenz trotzdem noch mal thematisiert“, erinnert sich Friebel. Seine heutige Sicht auf das Streitgespräch vor laufender Kamera: „Man steht als Pressesprecher natürlich in einer besonderen Verantwortung. Aber man muss auch die Freiheit haben, mal Kritik anzubringen. Insgesamt ist mir heutzutage vieles zu glattgeleckt. Trotzdem hätte ich meine Kritik damals sicher moderater formulieren können.“

Die letzte Pressekonferenz mit Toni Krinner Am 2. Dezember 2016 macht Friebel einen der traurigsten Augenblicke als Pressesprecher durch. Nach dem Spiel gegen die Ravensburg Towerstars fragt er den blassen Mann mit der Mütze über der Glatze, ob er wirklich Toni Krinner sei. Der ­Gäste-Coach ist von einer Krebs­erkrankung gezeichnet und kaum wiederzuerkennen. „Ich bin wirklich froh, dass mir Toni Krinner die Frage nicht krummgenommen hat. Niemals hätte ich vermutet, dass er es ist, auch wenn ich wusste, dass er krank war.“ Am 17. Fe­bruar 2017 kommt Krinner mit Ravensburg erneut nach Weiß­wasser. Es ist sein letztes Spiel. Zwei Wochen später stirbt er, im Alter von nur 49 Jahren. „Sein Tod hat mich tief getroffen. Er war ein ­Kämpfer und harter Arbeiter. Wenn ich ehrlich bin, war das auch einer der ­Momente, wo bei mir der Gedanke für den späteren Abschied gereift ist“, gibt der scheidende Füchse-Sprecher zu. „Ich habe mich gefragt: Ist Arbeit wirklich immer alles im Leben? Denn letztendlich hat die Familie, die schon zu Lebzeiten oft zurückstecken muss, dann mit der ­Trauer über den Verlust am längsten zu kämpfen. Machen wir uns nichts vor: Wenn jemand plötzlich nicht mehr da ist, gibt es zur Beerdigung noch ein paar salbungsvolle ­Worte. Aber nach drei, vier Wochen bist du für die Öffentlichkeit ver­gessen. Und das Geschäft läuft wieder ganz ­normal weiter.“