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| 16:25 Uhr

Interview
„Als Eigengewächs musst du Qualität haben“

Sportlich läuft es für die Füchse: Das Team um Kapitän Anders Eriksson (M.) ist derzeit Tabellenzweiter in der DEL2.
Sportlich läuft es für die Füchse: Das Team um Kapitän Anders Eriksson (M.) ist derzeit Tabellenzweiter in der DEL2. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Die Lausitzer Füchse haben einen gelungenen Start hingelegt. Im RUNDSCHAU-Interview spricht Geschäftsführer Dirk Rohrbach über die Siegesserie, die Fan-Kritik und das Derby gegen Dresden an diesem Sonntag. Von Frank Noack

Dirk Rohrbach, vier Spiele, vier Siege: Wie bewerten Sie den Saisonstart der Füchse?

Rohrbach Tabellenplatz zwei ist eine schöne Momentaufnahme. Wir haben uns gleich zwei Mal nach einem 0:3-Rückstand zurückgekämpft, das spricht für die Moral der Mannschaft. Aber es sind erst vier Partien gespielt. Außerdem sollten wir diesen Start schon relativieren.

Was meinen Sie konkret?

Rohrbach Unser Ziel sind die Pre-Playoffs. Das bedeutet, dass wir natürlich auch Mannschaften hinter uns lassen müssen. Bei allem Respekt vor den bisherigen Gegnern – aber Deggendorf, Bayreuth und vielleicht auch Freiburg sollten dazugehören. Es werden Gegner kommen, da werden wir ein 0:3 nur schwer wettmachen können.

Wo sehen Sie die Hauptgründe für den gelungenen Start?

Rohrbach In der Offensive ist viel Qualität da. Wir sind läuferisch in der Lage, die Gegner unter Druck zu setzen. Und wir haben mindestens drei ausgeglichene Reihen. Die Torgefahr ist auf mehreren Schultern verteilt.

Wo müssen sich die Füchse verbessern?

Rohrbach Wir müssen das Risiko in unserem Spiel minimieren und aufpassen, dass wir nicht zu einfache Tore kassieren. Denn es hat ja Gründe, dass wir zwei Mal 0:3 hinten lagen. Jeder Spieler muss auch an die Defensive denken.

Ist Trainer Corey Neilson bereits richtig in Weißwasser angekommen?

Rohrbach Ich denke schon, immerhin ist er jetzt seit acht Wochen bei uns. Er kann mittlerweile also einschätzen, wo die Stärken und Schwächen jedes Spielers liegen. Die Ergebnisse sprechen für seine Arbeit, insbesondere das hohe Tempo in unserem Spiel.

Und innerhalb der Mannschaft? Sein Vorgänger Robert Hoffmann hatte großen Rückhalt in der Kabine.

Rohrbach Ja, ich denke, Corey ist auch bei der Mannschaft angekommen. Er zieht seine Linie durch und macht klare Ansagen. Die Spieler wissen also, worauf sie sich einstellen müssen.

Die Füchse hatten sich in der Sommerpause von Robert Hoffmann getrennt und die Kündigung ausgesprochen. Wie ist der Stand in diesem Arbeitsrechtsstreit?

Rohrbach Es wird einen weiteren Termin vor Gericht geben müssen. Es ist wie immer in solchen Fällen: Die eine Seite möchte mehr Geld, die andere Seite will nicht so viel zahlen. Das ist nicht nur im Sport so.

Wie erleichtert sind Sie persönlich vor dem Hintergrund des überraschenden Trainerwechsels in der Sommerpause über den guten Saisonstart?

Rohrbach Ich möchte eigentlich nach vorn schauen. Die Saison läuft, wir konzentrieren uns jetzt ganz auf die Arbeit und denken von Spiel zu Spiel. Aber es stimmt schon – der gute Start hilft natürlich.

Trotzdem gibt es Unzufriedenheit in Teilen der Fanszene. Der Vorwurf lautet: Die Füchse würden durch die Kooperation mit den Eisbären Berlin mehr und mehr ihre Identität verlieren. Der eigene Nachwuchs bekomme zu wenige Chancen. Wie stehen Sie zu dem Vorwurf?

Rohrbach Die oberste Prämisse unserer Arbeit lautet: Wir wollen Erfolg haben. Und auf diesem Weg ist die Kooperation mit den Eisbären eine Hilfe, eine sehr große Hilfe. Außerdem müssen wir auch ganz klar sagen, dass unser Reservoir an Spielern, die den Sprung in die DEL2 schaffen können, begrenzt ist. Es reicht nicht, Eigengewächs zu sein. Du musst auch Qualität haben.

Die Fans kritisieren vor allem die Abschiede von Marius Stöber und Erik Hoffmann. Zu Recht?

Rohrbach Beide brauchen Spielpraxis, um sich weiterentwickeln zu können. Diese Praxis konnten wir ihnen hier nicht garantieren. Deshalb ist Marius Stöber nach Halle gegangen, Erik Hoffmann haben wir zu unserem Kooperationspartner nach Hamburg ausgeliehen. Ein ganz anderer Fall ist Ben Broda.

Erzählen Sie.

Rohrbach Ben hat zweifellos diese Qualität. Obwohl er erst 17 Jahre ist, haben wir ihm einen Vertrag angeboten. Er hat sich jedoch gegen Weißwasser und für den Wechsel nach Mannheim entschieden. Das müssen wir akzeptieren. Wir könnten natürlich andere Ex-Weißwasseraner zurückholen, die derzeit in der DEL2 irgendwo in der vierten Reihe spielen. Aber dann wäre der Klassenerhalt unrealistisch. Es ist eine Gratwanderung. Aber ich sehe auch die positiven Dinge.

Zum Beispiel?

Rohrbach Insgesamt zwölf Spieler haben im Sommer ihren Vertrag bei uns verlängert. Natürlich lag das einerseits am guten Verhältnis zum Trainer. Es zeigt andererseits aber auch, dass sich die Spieler hier wohlfühlen. Das hat ja auch etwas mit Identifikation zu tun.

Beim ersten Heimspiel dieser Saison gab es trotzdem ein kritisches Plakat zu diesem Thema. Außerdem wurde ein Offener Brief im Stadion verteilt. Hat Sie das persönlich getroffen?

Rohrbach Wie gesagt: Wir sind im Profigeschäft, da steht der Erfolg im Vordergrund. Außerdem wollen wir ja eigene Spieler nach oben ziehen. Deshalb geben wir als GmbH jedes Jahr viel Geld an den Stammverein, damit der Nachwuchs ausgebildet werden kann. Dass manche Leute das anders bewerten, nehme ich zur Kenntnis.

Zurück zum Sport. Am Sonntag gibt es das Derby gegen die Eislöwen Dresden. Dresden steht überraschend noch ohne Punkt da – sind die Füchse diesmal also sogar Favorit?

Rohrbach Schwer zu sagen. Dresden hatte sehr gute Gegner zum Auftakt. An sich besitzen die Eislöwen eine offensivstarke Mannschaft. Aber nach vier Niederlagen ist natürlich jetzt auch schon ein gewisser Druck da. Wir wollen jedenfalls unseren Lauf fortsetzen und auch das Derby gewinnen.

Mit Dirk Rohrbach
sprach Frank Noack

Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach
Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach FOTO: Thomas Heide