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| 12:52 Uhr

Kanadier kann auf tolles erstes Jahr blicken
365 Tage Corey Neilson: Eine Erfolgsgeschichte

 Aufwärtstrend: Corey Neilson hat die Lausitzer Füchse zu einem Topteam in der DEL2 geformt und in seiner ersten Saison mit einer Rekordpunktzahl in die Playoffs geführt. Das soll aber noch nicht alles gewesen sein.
Aufwärtstrend: Corey Neilson hat die Lausitzer Füchse zu einem Topteam in der DEL2 geformt und in seiner ersten Saison mit einer Rekordpunktzahl in die Playoffs geführt. Das soll aber noch nicht alles gewesen sein. FOTO: Thomas Heide
Weißwasser. Mit dem Eisbären-Spiel hat sich für Corey Neilson ein Kreis geschlossen. Sein Debüt als Trainer der Lausitzer Füchse liegt genau ein Jahr zurück. Ein Jahr, in dem viel passiert ist. Von Steven Wiesner

Am 12. August 2018 stand er erstmals herausgeputzt im feinen Zwirn und mit seiner orangefarbenen Krawatte um den Hals gebunden an der Bande. Bei seinem Debüt im Fuchsbau sah Corey Neilson seine Lausitzer Füchse mit 1:4 gegen die Eisbären Berlin verlieren. Es war der Auftakt einer regelrechten Niederlagenserie in der damaligen Saisonvorbereitung. Doch genau ein Jahr später wird der 42-jährige Kanadier gefeiert in Weißwasser, ist „DEL2-Trainer des Jahres“ – und seit Sonntag auch Eisbären-Bezwinger. 365 Tage Corey Neilson. Eine Erfolgsgeschichte.

Dirk Rohrbach hat den Juli 2018 nicht vergessen. Die Lausitzer Füchse waren froh, einmal mehr den Abstieg vermieden zu haben, und sahen sich mit dem erfolgreichen wie beliebten Robert Hoffmann auf der Trainerposition gut aufgestellt für die neue Saison. Doch nach einem plötzlichen Zerwürfnis mit dem neu dazugeholten Co-Trainer Chris Straube musste die Identifkationsfigur gehen. „Das war eigentlich nicht unser Wunsch. Ich habe das auch immer so kommuniziert. Nach mehreren Gesprächen war die Trennung aber alternativlos“, erinnert sich der Geschäftsführer der Lausitzer Füchse.

Doch die Befürchtungen, dass die Fans in Weißwasser nach diesem bedauerlichen Personalwechsel eine von Unruhen und Misserfolg geprägte Spielzeit erleiden müssen, waren letztlich umsonst. Denn dann kam er: der hochaufgeschossene Glatzkopf aus New Brunswick mit dem strengen Blick und den unverhandelbaren Überzeugungen. Und auf einmal mischten die Lausitzer Füchse, die in den vorangegangenen drei Jahren zweimal in die Abstiegsrunde mussten, die ganze Liga auf und pulverisierten sämtliche Klubrekorde.

„Wir hatten viele Kandidaten für die Nachfolge von Robert Hoffmann zur Auswahl“, blickt Rohrbach heute auf den Sommer 2018 zurück. Doch Neilsons Arbeitsnachweise in England überzeugten die Verantwortlichen in Weißwasser. „Er ist vom Fach und achtet auf Kleinigkeiten. Er war ein junger Trainer, der sich weiterentwickeln wollte. Sein Hunger hat uns beeindruckt“, sagt Füchse-Geschäftsführer Rohrbach. „Und er hat schon damals die Ausbildung junger Spieler forciert, hat mit vier Reihen und hohem Tempo spielen lassen. Das war natürlich wichtig für unsere Förderlizenzspieler.“

 Auszeichnung: DEL2-Geschäftsführer Rene Rudorisch (r.) ehrt Corey Neilson als „Trainer des Jahres“.
Auszeichnung: DEL2-Geschäftsführer Rene Rudorisch (r.) ehrt Corey Neilson als „Trainer des Jahres“. FOTO: Thomas Heide

Natürlich ist der Erfolg nicht nur auf Corey Neilson allein zurückzuführen. „Ein Team besteht immer auch aus einem Co-Trainer und einem Torwarttrainer“, gibt Rohrbach zu bedenken. „Trotzdem wissen wir, was wir an Corey haben.“ War die Verpflichtung des Kanadiers vielleicht sogar die beste Entscheidung, die er je getroffen hat als Füchse-Funktionär? Dirk Rohrbach zögert und weist unter anderem auf den Finnen Hannu Järvenpää hin, der in der Saison 2016/17 ebenfalls als Trainer des Jahres prämiert worden war. Aber: „Es war zumindest keine falsche.“

Auch Corey Neilson selbst hat die Entscheidung, nach Weißwasser zu wechseln, nicht bereut. „Ich bin sehr glücklich hier“, erklärt der Coach gegenüber der RUNDSCHAU. „Ich mag es, jungen Spielern dabei zuzusehen, wie sie besser und besser werden. Ich mag den Job und die Fans – und ich genieße die Arbeit mit Dirk.“ Die beiden Füchse-Macher schätzen einander, denn auch Rohrbach sagt über seinen Trainer: „Es ist ein wunderbares Arbeiten.“

Rohrbach war deswegen auch bestrebt, den finanziellen Rahmen zur Verfügung zu stellen, der die Anstellung von Neilsons Wunschspielern wie Darcy Murphy oder Mike Hammond ermöglichte. Ob es nun auch möglich ist, die Erfolgssaison mit 92 Punkten und dem Viertelfinal-Aus zu wiederholen? „Natürlich“, sagt Neilson. „Wir haben eine klare Identität und wissen, wie wir spielen wollen.“ Das hat auch der Testspielsieg gegen die Eisbären erkennen lassen, genau ein Jahr nach seinem Amtsantritt. Neilson sagt: „Alles ist möglich mit dieser Mannschaft.“ Auch ein weiteres Rekordjahr.

 Erfolgsduo: Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach (l.) und Trainer Corey Neilson schätzen einander.
Erfolgsduo: Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach (l.) und Trainer Corey Neilson schätzen einander. FOTO: Steffen Bistrosch