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| 10:26 Uhr

Kunstflug-Weltmeister in Welzow
„Wir malen Bilder an den Himmel“

 Der amtierende deutsche Meister Florian Berger bereitet sich mit Trainer Klaus Schrodt in Welzow auf die Kunstflug-Weltmeisterschaft vor, die Ende August im französichen Châteauroux ausgetragen wird.
Der amtierende deutsche Meister Florian Berger bereitet sich mit Trainer Klaus Schrodt in Welzow auf die Kunstflug-Weltmeisterschaft vor, die Ende August im französichen Châteauroux ausgetragen wird. FOTO: LR / Christian Taubert
Der letzte deutsche Kunstflug-Weltmeister Klaus Schrodt trainiert auf dem Flugplatz Welzow deutsche Elitepiloten vor der WM in Frankreich. Der Berliner weiß um die Lausitzer Kunstflugtraditionen. Von Christian Taubert

„Wir malen Bilder an den Himmel“, sagt Klaus Schrodt. Ganz cool. Der zweifache Kunstflug-Weltmeister sitzt auf dem Flugplatz Welzow im Schatten seines Wohnwagens. In der einen Hand ein Funkgerät. In der anderen die Zigarre. Auf dem Schoß jenes „Bild“, das der Sportpilot da ganz weit oben zeichnen soll. Die Hinweise ins Cockpit sind knapp gehalten, die Antworten auch. Der Trainer am Boden und deutsche Elite-Kunstflieger am Lausitzer Himmel sind ein eingespieltes Team. Und dass die Piloten der deutschen Nationalmannschaft vor der Weltmeisterschaft, die vom 22. bis zum 31. August im französischen Châteauroux stattfindet, hierher gekommen sind, hat nur einen Grund. Sie wollen mit Klaus Schrodt trainieren.

 Der letzte deutsche Weltmeister im Freestyle (2001 und 2005) weiß übrigens ganz genau, in welch traditionsreicher Region in Sachen Motorkunstflug er sich befindet. „Erwin Bläske? Na, klar. Der ist bei der WM in Magdeburg Weltmeister geworden. Und  auch noch mit der Mannschaft“, sagt Schrodt. „Das ist aber ein Weilchen her, 1968.“ Damals war Klaus Schrodt gerade auf dem Weg, Flugkapitän bei der Lufthansa zu werden. Mit dem Motorkunstflug hatte er nur wenig zu tun. Aber zu den Kunstfliegern im Osten „habe ich mit Hochachtung geschaut. Und im Westen war man schon etwas neidisch auf die besseren Trainingsbedingungen in den DDR-Kunstflugzentren“. Denn in Neuhausen oder Magdeburg waren die Piloten Mitglieder der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), oft auf den Flugplätzen angestellt und so schnell für eine Trainingsstunde abkömmlich.

 Neuhausen bei Cottbus zählte zu einer Hochburg dieses Sports. Hier absolvierten Erwin Bläske, Peter Kahle, Heinz Richter oder Manfred Jurk ihre Trainingsflüge. Geheim blieb da nichts. Von der Straße aus konnte – wie heute auch – zugeschaut werden. Während Bläske mit Kahle und dem Leipziger Dieter Kapphahn Mannschaft-WM-Gold gewann, brachte er es mit einem Kunststück am Himmel sogar auf eine Briefmarke in der DDR. Der Spiegelflug im fünf Meter Abstand mit dem Neuhausener Heinz Richter gehörte über Jahre zur Attraktion auf Flugschauen. „Das war mit Flugzeugen von damals eine echte Leistung“, verweist Klaus Schrodt darauf, dass der Spiegelflug heute mit Rollen geflogen, also bedeutend perfektioniert worden sei, „und die Maschinen von damals bei heute geflogenen Figuren am Himmel wohl auseinander fallen würden“.

 Der fünffache deutsche und zweifache Europameister Schrodt kann dies einschätzen. Für seine Schützlinge ist er eine Legende. Florian Berger, der amtierende Deutsche Meister aus Bayern, sagt nach einem Trainingsflug auf dem Welzower Airport unumwunden: „Klaus ist der Held meiner Jugend.“ Als 13-Jähriger habe er sich immer wieder ­Videos von ihm  angesehen. Dass er jetzt mit dem Weltmeister trainieren dürfe, „das ist für mich eine große Ehre“. Der 30-jährige Münchener erklärt, wieso das so ist: „Klaus gibt Tipps, korrigiert auch während des Fluges – aber letztlich bekommst du das, was er schon geflogen ist, nicht so hin.“ Dennoch lobt Trainer Schrodt die Riesenbegabung von Berger. „Flo ist am dichtesten dran an den Franzosen, die bei der WM wohl aber nicht zu schlagen sein werden.“

 Der eher bescheiden mit seinen sportlichen Erfolgen umgehende Klaus Schrodt war in Bergers Alter noch weit weg vom Kunstflug. Zwar ist er mit 14 Jahren schon alles geflogen, was möglich war. „Vorher habe ich Modelle gebaut und davon geträumt, Pilot zu werden“, erzählt er in einer Trainingspause am Welzower Tower. Doch dann habe er gehört, dass man keine Plomben im Zahn haben dürfe, wenn man fliegen will. „Zum Glück hat das nicht gestimmt“, schmunzelt der 72-Jährige, der in Berlin lebt. So ist er in seinem Flugverein Babenhausen bei Aschaffenburg vorwiegend in den Segelflieger gestiegen und hat zielstrebig den Job als Berufspilot ins Visier genommen. „Ich hatte den Flugschein vor dem Führerschein.“ Mit 19 kam er zur Lufthansa. Dort wurde er mit 27 Jahren Flugkapitän.

 In einem Kunstflugzeug hat er in den Folgejahren eher wenig gesessen. Interkontinentalflüge für die Lufthansa ließen wenig Zeit. Und der verbleibende Urlaub reichte gerade für das Hobby Regattasegeln. Dreimal hat er mit seiner Segelcrew den Atlantik überquert. „Aber der Kunstflug ist eine Sucht“, schildert Schrodt, dass er sich 1987 endgültig dem Bilder malen am Himmel zugewandt hatte. Nach dem zweiten WM-Titel 2005 fügte er bei der Red Bull Air Race-Weltmeisterschaft noch einen vierten Platz hinzu. Ein Jahr später flog er seinen letzten Wettbewerb.

 Mehr als ein Jahrzehnt sind inzwischen seine Kunstflug-Erfahrungen beim Nachwuchs gefragt. Die jungen Piloten kommen dorthin, wo Klaus Schrodt seinen Wohnwagen aufstellt und ihre Flüge begutachtet. In Welzow hat er sogar einen jungen Australier mit unter seine Fittiche genommen, der zur WM nach Frankreich will. „Ich komme gerne hierher“, lobt Schrodt den Airport Welzow. Es sei vieles unkompliziert. „Die Fliegerei ist hier noch akzeptiert, auch wenn wir Krach machen und Bilder an den Himmel malen.“

 Mehrere Kunstflugmaschinen stehen auf dem Flughafen in Welzow für das WM-Training bereit.
Mehrere Kunstflugmaschinen stehen auf dem Flughafen in Welzow für das WM-Training bereit. FOTO: LR / Christian Taubert
 Weltmeister Klaus Schrodt korrigiert die Figuren und Programme.
Weltmeister Klaus Schrodt korrigiert die Figuren und Programme. FOTO: LR / Christian Taubert
 Diese Bilder malen die Elite-Piloten an den Himmel.
Diese Bilder malen die Elite-Piloten an den Himmel. FOTO: LR / Christian Taubert
 Der amtierende deutsche Meister Florian Berger bereitet sich mit Trainer Klaus Schrodt in Welzow auf die Kunstflug-Weltmeisterschaft vor, die Ende August im französichen Châteauroux ausgetragen wird.
Der amtierende deutsche Meister Florian Berger bereitet sich mit Trainer Klaus Schrodt in Welzow auf die Kunstflug-Weltmeisterschaft vor, die Ende August im französichen Châteauroux ausgetragen wird. FOTO: LR / Christian Taubert
 Mehrere Kunstflugmaschinen stehen auf dem Flughafen in Welzow für das WM-Training bereit.
Mehrere Kunstflugmaschinen stehen auf dem Flughafen in Welzow für das WM-Training bereit. FOTO: LR / Christian Taubert
 Weltmeister Klaus Schrodt korrigiert die Figuren und Programme.
Weltmeister Klaus Schrodt korrigiert die Figuren und Programme. FOTO: LR / Christian Taubert
 Diese Bilder malen die Elite-Piloten an den Himmel.
Diese Bilder malen die Elite-Piloten an den Himmel. FOTO: LR / Christian Taubert