ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 10:28 Uhr

Gegenpressing
FC Gierig

Max Meyer im Gespräch mit Schalke-Trainer Domenico Tedesco.
Max Meyer im Gespräch mit Schalke-Trainer Domenico Tedesco. FOTO: dpa, a fdt cul
Die Emotionen um den Abgang von Max Meyer auf Schalke verschleiern eines: Fußball ist ein Geschäft, in dem alle gierig sind nach Geld, Erfolg und Anerkennung. Die Rolle des Bösewichts zu vergeben, ist deshalb gar nicht so einfach. Giani Costa

Die Emotionen um den Abgang von Max Meyer auf Schalke verschleiern eines: Fußball ist ein Geschäft, in dem alle gierig sind nach Geld, Erfolg und Anerkennung. Die Rolle des Bösewichts zu vergeben, ist deshalb gar nicht so einfach.

Der Fußballprofi Max Meyer ist über die Stadtgrenzen von Gelsenkirchen durchaus schon in Erscheinung getreten. Mit der U21-Auswahl hat er im vergangenen Jahr in Polen die Europameisterschaft gewonnen. Und auch beim FC Schalke 04 sind ihm einige Auftritte von vorzeigbarer Qualität gelungen. Ob ihm das schon das Prädikat "Weltklasse" einbringt, darf energisch bezweifelt werden. Meyer ist, wenn man sich den Schaum vom Mund abwischt, immerhin ein sehr guter Bundesligaspieler.

Was nun aber passiert, ist ein Schauspiel, was sich so oder ähnlich immer mal wieder auf der großen Bühne Fußball beobachten lässt: Der Verein A würde nur allzu gerne mit seinem Spieler X verlängern. Der Spieler ziert sich, will das Ganze so lange herauszögern, bis der Marktwert weiter gestiegen ist oder er das ganze Prozedere so lange ausgesessen hat, bis er in die ideale Position gekommen ist - ein ablösefreier Kontrakt. Ablösefrei wechseln zu können, ist im modernen Fußballgeschäft so etwas wie ein Sechser im Lotto. Denn er verspricht fette Gewinne für Spieler und vor allem seinen Berater.

Nun kommt das Handgeld ins Spiel. Der neue Arbeitgeber spart massig Geld, weil niemand aus einem Vertrag rausgekauft werden muss. Da aber alle darum wissen, wird ein Teil der gesparten Summe ausgezahlt. Man kann lange darüber fachsimpeln, ob der Fußball dazugewinnen würde, wenn Spieler nur mit ihrem Verstand ihre Karriere planen würden. Und man kann noch länger darüber sinnieren, warum es Spielerberater geben muss, die alles nur schrecklich verkomplizieren. Natürlich ist die Annahme herrlich romantisch, ein Spieler, möglichst auch noch in der Stadt geboren, bliebe seinem Verein ein Leben lang treu. So ist die Realität nicht.

Man macht es sich deutlich zu leicht, die Rolle des Bösewichts nur einer Seite zuzuschreiben. Vereine zahlen gutes Geld für die Dienste eines Spielers, gewiss. Aber sie haben immer noch die freie Wahl, für wen sie sich entscheiden. Allzu oft wird angeführt, man habe einen "charakterlich einwandfreien Profi" verpflichtet. Wer will das wofür wissen? Ein Spieler soll vor allem Leistung bringen, das ist gut für alle. Es ist natürlich prima, wenn er obendrein auch noch nett ist. Holt er indes die Torjägerkanone, verzeiht man ihm ganz bestimmt auch ein paar Ausreißer. In diesem Business sind alle miteinander gierig nach Erfolg. Geld. Anerkennung. Das drumherum ist Folklore.

Max Meyer wird weiterziehen. Schalke hat die Nachfolge längst geregelt. Es ist ein Geschäft. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de.