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DOSB-Präsident
Hörmann vor Olympia: „Vieles geht in eine gute Richtung“

DOSB-Präsident Alfons Hörmann sieht die deutschen Medaillenchanchen in Pyeongchang eher realistisch. Foto: Tobias Hase
DOSB-Präsident Alfons Hörmann sieht die deutschen Medaillenchanchen in Pyeongchang eher realistisch. Foto: Tobias Hase FOTO: Tobias Hase
Pyeongchang. DOSB-Präsident Alfons Hörmann will vier Jahre nach dem Debakel von Sotschi die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Von Andreas Schirmer, dpa

Nach der historischen Olympia-Pleite von Sotschi will DOSB-Präsident Alfons Hörmann die Erwartungen nicht zu hoch schrauben.

Aus langer Erfahrung blicke er mit einer „Mischung aus Demut und Realismus“ den XXIII. Winterspielen in Pyeongchang entgegen, sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich stärkten die zuletzt guten Ergebnisse der deutschen Athleten auf Eis und Schnee seine Zuversicht.

„Die großen Erfolge der vergangenen Winter zeigten jedenfalls: Es geht vieles in eine gute Richtung“, sagte Hörmann. In Sotschi hatte die Wintersportnation Deutschland mit nur 19 Medaillen einen schweren Rückschlag erlitten. Rund 30 Plaketten waren erwartet worden. Trotz des Aufschwungs, lautet das Ziel des DOSB für Pyeongchang: mindestens das Sotschi-Ergebnis bestätigen. „Vielleicht gibt es das große X, wie Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig sagte“, ergänzte Hörmann. „Und warum sollte ich ihm widersprechen?“ Das X steht für die im Vergleich zu 2014 gesteigerte Anzahl an Medaillen.

Sotschi steht aber auch für den beispiellosen Doping-Betrug der russischen Gastgeber. Nach langwieriger Aufklärung und schwieriger Sanktionierung des Staatsdopings fordert Hörmann: „Fair Play muss nun zum Markenzeichen der Pyeongchang-Spiele werden.“

Abgesehen von den bis dato für ihre Doping-Vergehen gesperrten Russen, seien die 169 zugelassenen Starter des Landes seit April von unabhängigen Kontrolleuren intensiv geprüft worden. „So fällt der Sondereffekt der völlig inakzeptablen Manipulation bei den Sotschi-Spielen weg“, meinte Hörmann. „Ich prognostiziere, dass das russische Team in puncto Erfolgsaussichten wieder auf ein Normalmaß und im Medaillenspiegel massiv zurückfallen wird.“

Russland werde zudem „gebrandmarkt ohne Fahne, Hymne und eigene Kleidung die zwei olympischen Wochen“ absolvieren zu müssen. „Das ist zu Recht eine gewisse Höchststrafe für das russische Team“, sagte er und lobte die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees zu Russland. „Das IOC hat drakonische Strafen verhängt, die Drahtzieher und die nachweislich Beteiligten sind lebenslang gesperrt. Die Welt-Anti-Doping-Agentur und das IOC hätten alles getan, um ein „ungutes Gefühl wie in Rio beim Einmarsch der Russen“ zu vermeiden. Hörmann: „Deshalb kann man unseren Athleten mit besserem Gewissen sagen: Es ist eine gewisse Chancengleichheit in Pyeongchang gegeben.“

Dass Russland in Aussicht gestellt, bei gutem Verhalten während der Spiele schon bei der Schlussfeier unter eigener Fahne einmarschieren zu können, findet auch Hörmann zu schnell. „Ich hätte mir aber auch vorstellen können, dass man damit mindestens bis zu den Spielen 2020 in Tokio wartet“, meinte er.

Mit einer Wiederaufnahme Russlands in die olympische Familie noch in Pyeongchang wäre für ihn die Affäre nicht beendet. „Es wäre aus meiner Sicht kein Schlusspunkt, sondern ein erster Schritt zur Wiederaufnahme in die internationale Sportfamilie“, betonte Hörmann, „in dem Sinne, dass die Disqualifikation und das vom Platzstellen für den Moment beendet sind, aber Russland unter besonderer Beobachtung bleibt.“

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