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| 15:37 Uhr

Terminstreit zwischen DHB und EHF
Löwen schicken zweite Mannschaft in die Champions League

Der Handball ist der große Verlierer im Termin-Zoff zwischen der Bundesliga und dem Europa-Verband. Die Vereine fühlen sich in dem unwürdigen Geschacher als Opfer.

Die Rhein-Neckar Löwen opfern ihren Traum vom Triumph in der Champions League und haben damit im eskalierten Terminstreit zwischen der Handball-Bundesliga und der Europäischen Handball-Föderation ein starkes Zeichen gesetzt. Während der deutsche Rekord-Champion THW Kiel am Donnerstag auf Druck der EHF sein Heimrecht im Achtelfinale der Königsklasse gegen Pick Szeged tauschte, blieben die Löwen hart und schicken nun am 24. März wegen des am gleichen Tag angesetzten Bundesliga-Topduells in Kiel ihre zweite Mannschaft zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Vive Kielce. "Das ist mehr als misslich und nicht gut für den Handball", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann.

"Wir sind uns darüber bewusst, dass es damit zu keinem sportlich fairen Vergleich kommen wird. Das tut uns sehr leid, aber wir werden aktuell durch die Haltung der Verbände zu diesem Schritt gezwungen. Der Schaden, der hier an unserer Sportart verursacht wird, ist enorm. Die Rhein-Neckar Löwen werden sich aber nicht erneut zum Spielball in diesem Streit machen lassen", begründete Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann die mutige Entscheidung.

Seit Tagen hatten die Vereine und Verbände über die drohende Terminkollision debattiert. Alle Vorschläge der Bundesligisten für eine Verlegung der Hinspiele, zu denen sie notfalls sogar nur 24 Stunden nach dem direkten Aufeinandertreffen in der Liga angetreten wären, wurden von den Gegnern wegen der nationalen TV-Situationen abgelehnt.

Weil sowohl Szeged als auch Kielce auf der Austragung ihrer Heimspiele am 24. März bestanden und auch die HBL wegen der Live-Übertragung in der ARD auf diesem Termin für das Topduell zwischen Kiel und den Löwen beharrte, hatte die EHF die beiden Bundesligisten zum Tausch des Heimrechts aufgefordert. Dem kamen am Ende nur die Kieler mit größtem Widerwillen nach.

"Dieser Heimrecht-Tausch führt die sportliche Wertigkeit der gesamten Gruppenphase ad absurdum und wird dem Einsatz unserer Mannschaft für das Heimrecht im Rückspiel in keinster Weise gerecht", kritisierte Kiels Sportlicher Leiter Viktor Szilagyi am Donnerstag. Der THW spielt nun am 21. März (19.00 Uhr) zunächst vor heimischer Kulisse und tritt am 1. April (17.00 Uhr) in Ungarn an.

"Der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen der HBL und der EHF wird hier auf dem Rücken der Vereine und Spieler ausgetragen", schimpfte Szilagyi und fügte hinzu: "Der Heimrecht-Tausch ist nicht nur ein sportlicher, sondern auch ein emotionaler und wirtschaftlicher Schlag."

Genau dies wollten die Löwen, die nun am 24. März (16.00 Uhr) in Kielce und am 1. April (19.00 Uhr) in Mannheim spielen, nicht hinnehmen. "Wir haben sowohl der EHF wie auch der HBL viele Lösungsvorschläge angeboten und bedauern es sehr, dass hier ein Machtkampf auf dem Rücken der Clubs und Spieler ausgetragen wird", kritisierte Kettemann. "Das ist ein Armutszeugnis für unsere Sportart und ein noch nicht abzusehender Schaden."

Denn ein Ende des Streits ist nicht abzusehen. "Das Risiko bleibt in den nächsten zwei Jahren bestehen", sagte HBL-Geschäftsführer Bohmann. "Man muss damit rechnen, dass es erneut zu Terminkollisionen kommen kann."