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| 07:19 Uhr

Bergischer HC
BHC vor der Erstliga-Rückkehr

Sebastian Hinze ist seit Gründung des Bergischen HC fest im Verein verankert: erst als Kreisläufer und Kapitän, dann als Jugendkoordinator und seit sechs Jahren als Cheftrainer.
Sebastian Hinze ist seit Gründung des Bergischen HC fest im Verein verankert: erst als Kreisläufer und Kapitän, dann als Jugendkoordinator und seit sechs Jahren als Cheftrainer. FOTO: Köhlen, Stephan
Solingen. Trainer Sebastian Hinze kann die Handballer schon heute zurück in die Bundesliga führen. Guido Radtke

Unter den Fans des Bergischen HC wird seit Wochen gerechnet, wann der unangefochtene Zweitliga-Tabellenführer die Rückkehr ins Handball-Oberhaus perfekt machen wird. Schon am Freitag kann Trainer Sebastian Hinze die Handballer zurück in die Bundesliga führen.

Seit dem Erfolg bei der HSG Nordhorn-Lingen steht fest: Bei einem 15-Punkte-Polster kann der Fusionsclub aus Solingen und Wuppertal sieben Spieltage vor Saisonende nicht mehr eingeholt werden, wenn im heutigen Heimspiel gegen den Wilhelmshavener HV ein Sieg herausspringt.

Einer allerdings scheint bislang nicht gerechnet zu haben: der Chefcoach. Angesprochen von seinem Nordhorner Trainerkollegen Heiner Bültmann auf den möglichen Tag X schaute Sebastian Hinze nach einer Antwort suchend in die Runde. "Am Freitag? Dann ist das wohl so." In seiner pragmatischen Art nimmt der 38-Jährige die Tatsache zur Kenntnis. Es ist immer nur der nächste Gegner, auf den der Wuppertaler seine Mannschaft vorbereitet. Wie der jeweilige Gegner in der Tabelle steht oder sein eigenes Team, hat den Detail-Arbeiter an der Seitenlinie in seiner knapp sechsjährigen Amtszeit als Cheftrainer des Bergischen HC noch nie interessiert. Genauso blendet er jegliche äußeren Einflüsse aus. Hinze liest keine Zeitungsberichte oder Beiträge in den sozialen Medien.

Seit dem Zusammenschluss der Profiabteilungen von SG Solingen und LTV Wuppertal im Jahr 2006 ist Sebastian Hinze im Verein fest verwurzelt. Bis zum ersten Erstliga-Aufstieg in der Saison 2010/11 als Kreisläufer, in der Funktion als Jugendkoordinator und schließlich als Interimstrainer für den damals entlassenen Ha De Schmitz. Anfangs war es nicht vorgesehen, dass Hinze nach dem ersten BHC-Abstieg im Sommer 2012 auch den Neustart begleiten sollte. Nach einer überraschenden Absage des bereits verpflichteten Emir Kurtagic musste sich die Vereinsführung abermals auf Trainersuche begeben und wurde intern fündig. "Ich bin gefragt worden, ob ich mir das vorstellen könnte. Und ich habe meine Vorstellungen geäußert. Dann ging alles ziemlich schnell", erklärt der Trainer. Wie sich schnell herausstellte, war Sebastian Hinze genau der richtige Mann am richtigen Ort.

Er führte den BHC auf Anhieb zurück in die Erste Liga, etablierte den Verein dort vier Jahre lang - ehe vor einem Jahr der unglückliche Fall zurück in Liga zwei erfolgte. Die Hypothek, mit nur fünf Punkten in die Rückrunde gegangen zu sein, war letzten Endes zu groß. Die Löwen holten in der zweiten Saisonhälfte 17 Zähler, stiegen aber wegen der im Vergleich zum punktgleichen VfL Gummersbach schlechteren Tordifferenz ab. Die üblichen Mechanismen im Profisport haben beim Bergischen HC nicht gegriffen. Weder nach dem zweiten Abstieg in der Vereinsgeschichte noch inmitten der Phase der fehlenden Erfolge. "Für viele ist Erfolg nur gleichbedeutend mit Ergebnissen." Sebastian Hinze hat sich davon freigemacht und arbeitet in erster Linie daran, dass sich die Mannschaft stets weiterentwickelt und auf ihre innere Stärke beruft. "Die Faktoren, warum wir diese Hinrunde gespielt haben, wurden im erweiterten Umfeld erst gesehen, als die Ergebnisse wieder da waren." Es freue ihn, dass der Verein jederzeit Ruhe bewahrt, um Entscheidungen zu treffen. Eine davon war, Hinze auch in der Krisensituation die Treue zu halten. Eine andere war, 2017 trotz des drohenden Abstiegs früh einen mit Nationalspielern gespickten Kader zusammenzustellen, der wohl auch in der Ersten Liga konkurrenzfähig wäre. "Der personelle Umbruch hatte Vorteile, weil nicht so viele Negativerlebnisse mitgenommen wurden", bilanziert Hinze nüchtern.

Die Enttäuschung wich schnell einer Aufbruchstimmung. Kapitän Kristian Nippes sagt, er habe keinen Trainer erlebt, der die Mannschaft derart auf jeden Gegner vorbereitet und seine Pläne bis ins Detail ausarbeitet. "Er steht ständig unter Strom und lebt uns seinen Handball vor - und wir ziehen mit."