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Handball-Bundesliga
Füchse neuer Tabellenführer - Flensburg und Melsungen siegen

Berlins Fabian Wiede (M) wird am Kreis von Kiels Rene Toft Hansen (r) und Christian Dissinger (l) am Wurf gestört. Foto: Annegret Hilse
Berlins Fabian Wiede (M) wird am Kreis von Kiels Rene Toft Hansen (r) und Christian Dissinger (l) am Wurf gestört. Foto: Annegret Hilse FOTO: Annegret Hilse
Frankfurt/Main. Trotz des in letzter Sekunde verpassten Sieges im Handball-Krimi gegen Angstgegner THW Kiel gehen die Füchse Berlin als stolzer Bundesliga-Tabellenführer in die Länderspielpause. Von Eric Dobias, dpa

Dank des 25:25 (15:14) im Duell mit dem deutschen Rekordmeister, der drei Tage nach dem bitteren Pokal-Aus in Hannover einen weiteren Tiefschlag vermied, eroberten die Berliner mit 17:3 Punkten Platz eins vor dem spielfreien Titelverteidiger Rhein-Neckar Löwen (16:2). Weiter oben dran bleiben Vizemeister SG Flensburg-Handewitt nach einem 29:23 (15:12) beim Vorletzten VfL Gummersbach und die MT Melsungen (beide 15:5) nach einem schwer erkämpften 29:27 (13:13) gegen den SC Magdeburg.

„Wir haben am Mittwoch Flensburg im Pokal geschlagen, und wir hatten heute die Situation, dass wir den THW Kiel hätten schlagen können. Das ist genau das, wovon wir geträumt haben, das haben wir erreicht“, schwärmte Füchse-Manager Bob Hanning nach dem rasanten und spannungsgeladen Topspiel in der ausverkauften Berliner Max-Schmeling-Halle.

Mit einem 4:0-Lauf nach der Halbzeit zogen die Kieler zwar auf 18:15, doch die Gastgeber steckten nicht auf und eroberten sich kurz vor Schluss beim 24:23 (58.) die Führung zurück. Niclas Ekberg bewahrte den THW, der als Tabellenneunter mit 11:9 Punkten schon viel Boden im Titelrennen verloren hat, mit einem verwandelten Siebenmeter in der Schlusssekunde vor einer weiteren Pleite.

„Ich hatte das Gefühl, dass wir die Nase ein bisschen vorn haben. Deshalb wäre es umso bitterer gewesen, wenn wir mit leeren Händen nach Hause gefahren wären“, sagte Kiels Geschäftsführer Thorsten Storm und stellte den Spielern ein gutes Zeugnis aus: „Wenn man gesehen hat, wie sich unsere Jungs reingehängt haben, dann weiß man, dass es innerhalb der Mannschaft stimmt. Ein Punkt ist gut, wir werden weiter nach oben klettern.“ Auch Trainer Alfred Gislason war mit der Leistung zufrieden: „Wir haben gut gespielt, deshalb ist es schade, dass es nicht zwei Punkte geworden sind.“

Seit 2007 hatten die Kieler 21 von 23 Spielen gegen die Füchse gewonnen, dieses Mal waren die Hauptstädter auf Augenhöhe. „Das ist die Siegermentalität, Charakter: Wir geben nicht auf, egal, wie es steht“, lobte Berlins Trainer Velimir Petkovic.

Zufrieden dürfte auch Bundestrainer Christian Prokop gewesen sein, denn die Nationalspieler hinterließen vor dem Länderspiel-Doppelpack gegen Spanien am kommenden Wochenende einen starken Eindruck. Bei Berlin war Steffen Fäth mit acht Toren bester Werfer, bei Kiel überzeugte Europameister Steffen Weinhold (6) neben dem Topschützen Ekberg (7).

Überragender Mann beim Melsungener Sieg gegen Magdeburg war Tobias Reichmann. Der für die EM-Tests nicht berücksichtigte Rechtsaußen warf neun Tore. „Wir sind froh über die zwei Punkte“, sagte Reichmann. „Es war wichtig für den Kopf, dass wir gegen einen Mitkonkurrenten gewonnen haben.“

Derweil wechselt Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson überraschend innerhalb der Liga vom TV 05/07 Hüttenberg zum HC Erlangen. Dies teilte der Aufsteiger aus Hüttenberg am Sonntagabend mit. Der Isländer wolle sich dem wirtschaftlich besser situierten und sportlich durchaus ambitionierten Konkurrenten anschließen. „Wir bedauern diesen plötzlichen Schritt natürlich, wollen aber alles daran setzen, dass die Trennung gütlich verläuft. Jetzt müssen wir schnell eine personelle Lösung finden“, sagte Geschäftsführer Lothar Weber. Co-Trainer Alois Mráz übernimmt die Mannschaft übergangsweise. Erlangen hatte sich vor zwei Wochen von Robert Andersson getrennt.