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Europapokal-Aufstockung
Bundesliga bleibt hart: 18 Teams und Limit in Königsklasse

Im Kampf um den Handball-Champions-League-Pokal soll es künftig mehr Spiele geben. Foto: Marius Becker
Im Kampf um den Handball-Champions-League-Pokal soll es künftig mehr Spiele geben. Foto: Marius Becker FOTO: Marius Becker
Hamburg. Die Handball-Bundesliga hat sich klar gegen eine Aufstockung der Spiele im Europapokal ausgesprochen und damit den Konfrontationskurs gegenüber dem europäischen Verband EHF verschärft. Von Franko Koitzsch, dpa

Die Handball-Bundesliga will im Tauziehen mit dem Europäischen Handball-Verband EHF keinen Zentimeter weichen.

„Wir können es auch nicht. Das Fass ist randvoll, mehr geht nicht“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga-Vereinigung HBL. Zankapfel ist die Champions-League-Reform und die damit verbundene Aufblähung des Spielplans in der Königsklasse.

Von 2020 an soll die Champions League von derzeit 28 Teams auf zwölf reduziert werden. Was zunächst nach Entspannung klingt, ist tatsächlich ein Belastungszuwachs. Momentan müssen die Top-Teams 20 Partien bis zum Pokalgewinn bestreiten. In der neuen Europaliga mit zwölf Mannschaften in einer Gruppe muss ein Team 26 Spiele durchstehen, um Hand an den Silberpott legen zu dürfen. Damit nicht genug. Später soll es eine Ausweitung auf 14, dann auf 16 Teams geben. Damit wären letztlich 34 Spiele für den Pokalgewinn nötig.

Schon jetzt hecheln Rhein-Neckar Löwen, SG Flensburg-Handewitt und THW Kiel von einem Termin zum nächsten. Die Top-Mannschaften müssen im November neun Spiele (!) in Bundesliga und Champions League absolvieren - also alle drei bis vier Tage. Geschlafen wird zwischendurch im Flieger nach Weißrussland, Mazedonien oder Ungarn. Drei Niederlagen in Serie wie zuletzt beim deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen sind das Ergebnis. Selbst in der Winterpause bleibt Regeneration ein Fremdwort. Für die Top-Akteure stehen dann EM oder WM auf dem Plan.

„Eine weitere Mehrbelastung der Spieler kann nicht im Sinne des Handballs sein“, sagte Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann dem „Mannheimer Morgen“. Dierk Schmäschke, Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt, bestätigt: „Wir sind mit 20 zusätzlichen Spielen am Limit. Aber wir müssen im Dialog mit der EHF bleiben und dürfen keinen Streit über Medien oder in der Öffentlichkeit austragen.“

Nationalspieler Uwe Gensheimer, der für Paris Saint-Germain im Einsatz ist, bestätigt das Leiden der deutschen Kollegen. Er freut sich auf die Ruhe in der französchen Liga nach dem letzten Spiel des Jahres am 21. Dezember. „Die Jungs in der Bundesliga müssen noch nach Weihnachten spielen und haben vor großen Turnieren kaum mal eine Pause“, berichtete er in der „Welt“ (Dienstag).

Die 18 Bundesligisten haben am Montag bei einem Treffen in Köln unisono erklärt: 20 internationale Spiele pro Saison sind die oberste Belastungsgrenze. Was sich die EHF als Lösung des Problems vorstellen könnte, lehnen sie ab: eine Reduzierung der Bundesliga. Die deutsche Eliteklasse hat als einzige in Europa 18 Teams und damit mehr Spiele als andere Ligen, die mit acht, zehn, zwölf oder 14 Teams agieren.

„Die EHF kommentiert keine Pressemitteilungen der HBL. Es bleibt der HBL aber unbenommen, Entscheidungen für ihren eigenen Bereich zu treffen“, ließ der Europa-Verband nach der Kölner Tagung angesäuert wissen. Die Drohung, im nächsten Jahr nur ein deutsches Team statt wie jetzt drei Mannschaften für die Champions League zuzulassen, war nur Theaterdonner. Dagegen sprechen die eigenen Richtlinien und das Ranking, in dem Deutschland auf Platz eins steht. „Der übervolle Terminkalender ist kein deutsches Problem“, sagte Bohmann. „Führende Handball-Nationen lehnen mehr Spiele ebenfalls ab. Auch sie haben den Brief an die EHF unterzeichnet.“