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| 09:51 Uhr

Hamburg
Gladbachs Auftritt in Hamburg ist ein Spiegel der Saison

Hamburg. Christoph Kramer war ganz ehrlich. Nach 60 Minuten sei bei Borussia Mönchengladbach der "Strecker gezogen" gewesen angesichts der klaren Führung des VfB Stuttgart beim FC Bayern München. Aber bitte: Eigentlich war dem geneigten Betrachter schon nach wenigen Minuten klar, dass diese Gladbacher Mannschaft beim designierten Absteiger keine Großtaten vollbringen würde. Zu lasch ging es los, und zu lasch ging es bis zum Ende weiter. Erneut fehlte den Borussen im entscheidenden Moment die nötige Mentalität, um ein "großes" Spiel zu "ziehen", wie es in der modernen Fußballersprache heißt. Karsten Kellermann

Christoph Kramer war ehrlich. Beim 1:2 beim Absteiger Hamburger SV sei bei Borussia Mönchengladbach nach 60 Minuten der "Stecker gezogen" gewesen angesichts der klaren Führung des VfB Stuttgart beim FC Bayern München. Aber eigentlich war dem geneigten Betrachter schon nach wenigen Minuten klar, dass diese Gladbacher beim designierten Absteiger keine Großtaten vollbringen würden. Zu lasch ging es los, und zu lasch ging es weiter. Erneut fehlte den Borussen im entscheidenden Moment die nötige Mentalität, um ein "großes" Spiel zu "ziehen", wie es in der Fußballersprache heißt.

Mit einem Sieg wären die Borussen Achter gewesen, hätten die 50 Punkte vollgemacht, hätten ein anderes Bild abgegeben zum Abschied, hätten noch mal was richtigstellen können. Das Gegenteil war der Fall. "Die Körpersprache hat mir bei einigen nicht gefallen. Wenn man erfolgreich sein will, braucht man Charaktere, die im Wind stehen. Gerade die erfahrenen Spieler müssen mit solchen Situationen anders umgehen" monierte Trainer Dieter Hecking. Er meinte wohl Spieler wie Kramer, Matthias Ginter, Oscar Wendt, Jonas Hofmann oder Raffael, die in Hamburg seltsam lethargisch agierten. Aber auch Denis Zakaria und Nico Elvedi, sonst Leistungsträger, waren indisponiert. Statt gleich nach vorn Akzente zu setzen wie bei erfolgreichen Spielen bei 1899 Hoffenheim, in Berlin oder gegen Wolfsburg, in denen es zu Beginn gute Offensivaktionen gab, wurde im Volksparkstadion erst mal hinten rum gespielt. Zwei echte Chancen gab es überhaupt nur, die erste brachte das 1:1, die zweite vergab Wendt freistehend, einen möglichen Handelfmeter gab es da nicht. Das letzte Spiel war in der Summe ein Spiegel der Saison: Wenn es darauf ankam, kam zu wenig von den Borussen. Zweimal, in Frankfurt und in Wolfsburg, konnte Borussia auf Platz zwei vorrücken, in beiden Fällen verlor sie zu Null. Nun in Hamburg war theoretisch Europa noch möglich, doch hätte die Konkurrenz mitgespielt, hätte eben Borussia gepatzt - immerhin dieses Ärgernis blieb den Gladbachern erspart. "Wir haben uns nicht von unserer besten Seite gezeigt", gab Kramer zu.

Borussia und ihre zwei Gesichter, das ist ein roter Faden der Saison. "Es war eine Saison mit Aufs und Abs. Wir müssen künftig nachhaltiger unsere Leistung abrufen", sagte Hecking. Er hatte gehofft, dem Team wieder Siegermentalität vermitteln zu können, nachdem es in der Spielzeit zuvor am Ende viel verpasst hatte. Nun musste Yann Sommer in Hamburg ernüchtert feststellen: "Wir müssen wieder Winner-Mentalität reinbekommen." Also ist das in der just abgelaufenen Saison nicht gelungen. Da sind Trainer und Team gefragt.

Es fehlte indes nicht viel zum Glück, genau das ist es, was viele Borussen-Fans ärgert. Hoffenheim ist mit 55 Punkten Dritter, acht Zähler weniger haben die Gladbacher - und die hätten sie trotz aller Verletzungssorgen und aller Videoassistent-Situationen durchaus holen können. "Wir sind enttäuscht, weil wir wissen, was im Team steckt und dass für uns mehr möglich gewesen wäre", sagte Sommer, der neben dem Torschützen Josip Drmic der einzige Borusse in Hamburg war, der zeigte, dass er etwas bewegen wollte. So ist es Platz neun geworden wie 2017. Das kein Drama, aber eben auch weit entfernt von märchenhaft. "Solide, aber nicht gut", wie Kramer gestand.