ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:19 Uhr

Geheimwaffe Gesa Krause
Marathon sucht Star

Gesa Krause vor ihrem Start beim Berliner Halbmarathon am 8. April.
Gesa Krause vor ihrem Start beim Berliner Halbmarathon am 8. April. FOTO: Imago
Düsseldorf. Wie in Düsseldorf am Sonntag lockt viele Deutsche das Abenteuer Marathon. Was der Szene fehlt, ist ein echtes Zugpferd. Gesa Krause könnte es auf lange Sicht werden. Stefan Klüttermann

Wie in Düsseldorf am Sonntag lockt viele Deutsche das Abenteuer Marathon. Was der Szene fehlt, ist ein echtes Zugpferd. Gesa Krause könnte es auf lange Sicht werden.

Lange schienen die Herausforderungen im Leben eines Mannes klar umrissen: einen Baum pflanzen, ein Haus bauen, einen Sohn zeugen - je, nach Lesart auch noch ein Buch schreiben, sagt der Volksmund. Doch in Stein gemeißelt ist das heute nicht mehr. Heute kann man eher den Eindruck gewinnen, dass zumindest eine Aufgabe dazugekommen ist: einmal im Leben einen Marathon laufen. Und das gilt längst nicht nur für Männer. Frauen sind gleichermaßen infiziert vom Langstrecken-Virus. 42,195 Kilometer - das sind für immer mehr Menschen die Maße, die glücklich machen. Rund 4000 gehen für dieses Ziel am Sonntag in Düsseldorf an den Start.

"Es ist eine Sache fürs Ego, nicht für die Gesundheit. Der Marathon ist für viele eines der letzten großen Abenteuer, die man sich vornimmt. Man kann sich vieles kaufen im Leben, aber das Gefühl, einen Marathon absolviert zu haben, eben nicht", sagt Jan Fitschen. Der 40-Jährige wurde 2006 in Helsinki Europameister über 10.000 Meter, lief 2011 in Düsseldorf seinen ersten Marathon und kann eine Bestzeit von 2:13:10 Stunden vorweisen. Am Sonntag kommentiert er Live-Bilder von der Strecke.

Doch so sehr der Marathon in Deutschland boomt, so sehr wartet die Szene auf einen, der in die Rolle eines echten Zugpferdes schlüpft. Arne Gabius (37) hält den deutschen Rekord (2:08:33), aber er vermag keinen Star-Rummel um sich herum zu entfalten. Niemand erwartet ernsthaft, dass ein Deutscher oder eine Deutsche Weltmeister oder Olympiasieger wird oder wie Uta Pippig in den frühen 1990er Jahren die Marathon-Läufe in Boston, New York oder Berlin gewinnt. Aber auf europäischer Ebene mal wieder einen Helden zu stellen, klingt allgemein nicht zu vermessen.

Aha-Erfolge liegen ein wenig zurück: 2006 wurde in Susanne Maisch letztmals eine Deutsche Europameisterin. Waldemar Czierpinski holte 1976 und 1980 Olympia-Gold für die DDR, Stephan Freigang 1992 Bronze für Deutschland. Katrin Dörre-Heinig kann Olympia-Bronze 1988 und WM-Bronze 1991 ihr Eigen nennen. Namen wie Carsten Eich oder Sonja Oberem sind manchem noch bekannt, Sabrina Mockenhaupt ist in jedem Fall sehr populär. Doch dieser eine, alles in den Schatten stellende Name fehlt seit Pippig.

Deswegen wurden Anfang April auch viele hellhörig, als in Gesa Krause einer der aktuellen Stars der Stadion-Leichtathletik für den Halbmarathon in Berlin meldete. Sollte sich da etwa ein zeitnaher Wechsel von den 3000 Metern Hindernis auf die Straße anbahnen? Schließlich heißt ihr Trainer Wolfgang Heinig - der Mann von Katrin Dörre-Heinig. Doch Krause bremst. "Wenn man an die Heinigs denkt, ist Marathon natürlich nicht weit. Wir scherzen schon, dass ich irgendwann mal bei der Marathondistanz lande", sagt Krause, die in Berlin über 21 Kilometer in 1:12:16 Minuten Fünfte wurde. "Mittlerweile kann ich es auch gar nicht mehr ausschließen. Die nächsten Jahre werde ich aber auf der Bahn zu finden sein. Dafür mag ich das Laufen auf der Bahn viel zu gern."

Fitschen verwundern solche Gedankenspiele nicht. "Ich glaube, alle Läufer ab Mittelstrecke aufwärts träumen davon, mal Marathon zu laufen", sagt er. "Solange Gesa noch so erfolgreich ist über die Hindernisse, wäre es toll, wenn sie dabei bleibt. Ich glaube aber schon, dass Gesa früher oder später beim Straßenlauf landet. Ich würde mir für die Stadion-Leichtathletik wünschen, dass es noch ein bisschen dauert. Die Stadion-Leichtathletik braucht ja auch ihre Leuchttürme."

Die EM in Berlin im August führt Stadion und Straßenlauf zusammen. Für viele ambitionierte Marathonis ist das ein großer Anreiz, sich ein Startrecht zu sichern. "Olympiasieger zu werden, wird schwierig, aber überhaupt einmal den Adler auf der Brust tragen, ist für viele eine Riesenchance", sagt Gabius. Düsseldorf kürt am Sonntag auch die Deutschen Meister. Die Titel inklusive erfüllter EM-Norm garantieren einen Kaderplatz für Berlin - und so zumindest ein paar Tage Starrummel im August.