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| 12:48 Uhr

Fußball-WM
Nur wenige Deutsche in Sotschi – Fußball-Party geht anders

Hoffen heute Abend auf ein Unentschieden im Spiel gegen Deutschland: der Schwede Martin Ek und sein Kumpel Viktor Aberg.
Hoffen heute Abend auf ein Unentschieden im Spiel gegen Deutschland: der Schwede Martin Ek und sein Kumpel Viktor Aberg. FOTO: Christopher Braemer
Sotschi. Am Schwarzen Meer ist von WM-Stimmung vor dem wichtigen Spiel Deutschland gegen Schweden wenig zu spüren. Skandinavische Fans dominieren. Von Christopher Braemer

Palmen und Luxus-Jachten schmücken den Hafen, das Schwarze Meer reflektiert die Mittagssonne. Sotschi ist ein kleines Mallorca, ein Urlaubsparadies. Am Tag vor dem entscheidenden Spiel gegen Schweden wirkt es im Küstenort fast so, als wäre keine WM.

Nach dem 3:1 der Sbornaja gegen Ägypten am Dienstag war das anders. Die Stimmung im Stadtzentrum war ausgelassen, einige tanzten und sangen auf den Straßen, es gab sogar Autokorsos. Mit der Party in Moskau am gleichen Tag ist das jedoch nicht zu vergleichen. Vielleicht liegt es an dem guten Wetter.

Was die deutschen Fans angeht, so sieht es am Tag vor dem Match in Sotschi aus wie in Moskau – die Gegner sind klar in der Überzahl. In den Straßen rund um den Hafen ist zumindest ein bisschen vom internationalen Rummel zu spüren. Es dominiert blau-gelb, blondes Haar, es wird schwedisch gesprochen. Hoch auf einem Hotel die schwedische Flagge, die Eroberung von Sotschifornia durch die Schweden ist perfekt. Daran können ein paar Brasilianer, Peruaner und Mexikaner auch nichts ändern.

„Die Stimmung bei uns ist gut, heute wird in Adler gefeiert“, sagt der Stockholmer Martin Ek. Es ist Mittsommernacht, ein offizieller Feiertag in Schweden. Mit seinem Kumpel Viktor Aberg war Ek während der WM in mehreren russischen Städten unterwegs. „Die meisten Fans waren in St. Petersburg und Moskau, in kleineren Städten wie Nischnij Nowgorod und Sotschi ist viel weniger los“, ergänzt Aberg. Die Schweden sind gut dabei, in Nischnij haben sie und ihre Landsmänner so viel Bier getrunken, dass eine Bar nichts mehr zum Ausschenken hatte. Auch in Sotschi fließt munter der Alkohol in beiden Fanlagern, abends sind auf den Straßen betrunkene Fans anzutreffen.

Ein paar deutsche Fans gibt es aber doch. So wie Axel Koch aus Thüringen und der Dresdner Arnold Wiersbinski – sie kommen gerade von einer Erlebnistour mit der Jacht wieder. „Das Wetter ist spitze, auch wenn es mehr WM-Stimmung geben könnte“, sagt Koch. Er lobt die Organisation und die Sicherheit in dem Ort, auch wenn er kein Russisch spreche, finde er sich zurecht. Man sehe ab und zu deutsche Fans, die Schweden aber seien klar in der Überzahl.

Das können auch die Brüder Hans-Jürgen und Alfred Pesch bestätigen. Dafür haben sie bereits ihre Bekanntschaft mit den Schweden gemacht. „Ein betrunkener Schwede hat uns heute Nacht kurz nach der Ankunft gefragt, wo er schläft“, kommt Alfred Pesch ins Erzählen. „Er hat die Nacht wohl im Hafen verbracht.“ Auch er lobt die Gastfreundlichkeit in Russland. „Auch wenn viele kein Englisch sprechen, sind sie sehr bemüht und höflich“, ist sein Bruder Hans-Jürgen überzeugt.

Dass es an deutschen Fans mangelt, das liegt vielleicht auch daran, dass Sotschis Promenaden weitläufig sind, das Stadion in Adler liegt fünfzig Minuten Taxifahrt vom Hafen entfernt. Von den deutschen Fans sind viele erst im letzten Moment aus Moskau angereist, andere haben sich vor dem Spiel ein paar Tage Urlaub am Schwarzen Meer gegönnt. Sie genießen einfach das gute Wetter, aalen sich in der Sonne, gönnen sich ein Bier und „Schaschlyk“ – frisch gegrillte Fleischspieße – am Strand.

Obwohl die Schweden Sotschi erobert haben, rechnen sich die beiden Stockholmer Aberg und Ek im heutigen Match wenig Chancen aus, gegen Deutschland sei es immer schwer. Aberg und Ek hoffen zumindest auf ein Unentschieden.

Christopher Braemer ist Redakteur der Märkischen Oderzeitung.