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Tabellen-Schlusslicht
Verzweifelte Kölner nehmen HSV als Vorbild

Kölns Simon Zoller blickt nach der 1:2 verlorenen Partie in Leverkusen zu Boden. Foto: Marius Becker
Kölns Simon Zoller blickt nach der 1:2 verlorenen Partie in Leverkusen zu Boden. Foto: Marius Becker FOTO: Marius Becker
Leverkusen. Nicht einmal das Vorbild des HSV vermochte Peter Stöger nach dem nächsten zermürbenden Nackenschlag zu trösten. Von Holger Schmidt, dpa

„Ich könnte jetzt sagen: Wenn der HSV das geschafft hat, können wir es auch schaffen“, sagte der Trainer des Bundesliga-Schlusslichts 1. FC Köln nach dem 1:2 (1:0) im Derby bei Bayer Leverkusen: „Aber für uns wird es noch schwieriger. Der HSV war im Abstiegskampf erprobt, hat es immer wieder geschafft, sich zu retten und darin eine Qualität entwickelt. Für uns ist es eine neue Situation.“

In der vergangenen Saison hatte der Hamburger SV wie der FC jetzt nach zehn Spielen noch keinen Sieg und nur zwei Punkte auf dem Konto - am Ende rettete sich der Bundesliga-Dino sogar, ohne durch die Relegation zu müssen. Dieses positive Beispiel ist nun der Strohhalm, an den sich die Kölner klammern müssen.

Denn so langsam aber sicher sind die Rheinländer der Verzweiflung nahe. „Du bist immer relativ nahe dran, und es gelingt nicht. Das geht schon an die Psyche“, sagte Stöger: „Da kommt die geballte Geschichte zusammen. Da kannst du schon irgendwann anfangen zu zweifeln. Das Schwierige ist: Es fehlt immer ein bisschen. Und dadurch fehlt am Ende ziemlich viel.“

In Leverkusen schien sich das Blatt zunächst zu Gunsten der Kölner wenden zu können. Sie kamen mit frischem Mut nach dem Pokalsieg bei Hertha BSC (3:1). Sie gingen zum ersten Mal in dieser Saison in Führung. Sie hatten zum ersten Mal Glück beim Videobeweis, als ein Tor von Kevin Volland aberkannt wurde (86.). Und der zuletzt von den Fans verspottete Sehrou Guirassy erzielte sein erlösendes erstes Bundesliga-Tor (23.). Doch nicht mal all das half zum ersten Sieg oder wenigstens zum dritten Punkt.

Das Spiel am nächsten Sonntag gegen 1899 Hoffenheim sei deshalb „schon ein sehr entscheidendes“, sagte Innenverteidiger Dominique Heintz: „Irgendwann musst du mal anfangen zu punkten. Sonst brauchst du eine Serie, die fast unmöglich ist. Wir müssen auf jeden Fall zusehen, dass wir in der Winterpause nicht schon ganz abgeschlagen sind.“

Auch, um im Winter die dringend benötigten Verstärkungen überhaupt von einem Engagement in Köln überzeugen zu können. Ein Nachfolger für Sportchef Jörg Schmadtke, von dem sich der Verein am Montag trennte, wird wohl erst im neuen Jahr kommen. Bis dahin sucht Stöger mit Sportdirektor Jörg Jakobs nach Neuzugängen.

Dass nach den Verletzungen von Nationalspieler Jonas Hector, „Tor des Jahres“-Schütze Marcel Risse, 17-Millionen-Mann Jhon Cordoba und dem erfolgreichsten ausländischen Liga-Torschützen Claudio Pizarro nach der Führung zur Halbzeit auch noch Abwehrspieler Dominic Maroh ausschied, wollte Stöger aber gar nicht beklagen. „Wenn Du nur zwei Punkte hast, brauchst Du keine Ausreden zu suchen“, sagte der Österreicher nüchtern.

Wesentlich besser war die Stimmung bei Bayer. Drei Siege und 11:3 Tore verbuchte Bayer in dieser Woche, ein Champions-League-Platz ist nach dem Treffer des sehr starken Leon Bailey (54.) und dem Tor von Sven Bender (73.) nur noch drei Punkte entfernt. „Die Entwicklung geht insgesamt in die richtige Richtung“, sagte Trainer Heiko Herrlich: „Aber es gibt keinen Grund, das Spinnen anzufangen.“

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