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| 18:42 Uhr

Aufstieg in die 2. Liga
SC Paderborn krönt verrückte Achterbahnfahrt

Paderborn. Der SC Paderborn kehrt nach zwei Jahren in die 2. Bundesliga zurück. Die Ostwestfalen krönten mit dem Aufstieg eine Saison der Rekorde. Und das, obwohl sie vor nicht einmal einem Jahr in die sportliche Bedeutungslosigkeit abgestiegen waren.

Der SC Paderborn kehrt nach zwei Jahren in die 2. Bundesliga zurück. Die Ostwestfalen krönten mit dem Aufstieg eine Saison der Rekorde. Und das, obwohl sie vor nicht einmal einem Jahr in die sportliche Bedeutungslosigkeit abgestiegen waren.

Steffen Baumgart saß klatschnass auf der Pressekonferenz, die Haare verklebt von etlichen Bierduschen. Mit einer Saison voller Rekorde hatte der Trainer den SC Paderborn zurück in die 2. Fußball-Bundesliga geführt. "Ich gehe mal davon aus, dass ich morgen keine Stimme mehr habe. Ich werde mir jetzt gleich eine Zigarre anstecken, mich zurückziehen. Das mache ich immer nach größeren Geschichten", sagte Baumgart, kurz nachdem seine Mannschaft mit dem 3:0 (3:0) gegen die SpVgg Unterhaching den Aufstieg perfekt gemacht hatte.

Es war genau 15.50 Uhr und 42 Sekunden, als der Abpfiff ertönte und in Paderborn alle Dämme brachen. Der Stadionsprecher hatte genau auf die Uhr geschaut und den Zeitpunkt des Glücks in der Benteler-Arena ausgerufen. Wenige Momente später war der Rasen voller siegestrunkener Fans, die sich vor nicht mal einem Jahr noch Tränen der Trauer aus dem Gesicht gewischt hatten.

Nur 337 Tage ist es her, da herrschte in Paderborn Endzeitstimmung. Der SCP war nach einem 0:0 beim VfL Osnabrück von der Bundesliga in die Regionalliga durchgereicht worden. Nur das Glück rettete den Verein vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit. 1860 München bekam keine Lizenz für die 3. Liga, die Ostwestfalen blieben drittklassig. "Ohne Sechzig wär'n wir gar nicht hier", das war am Samstag eines der meistgesungenen Lieder der Aufstiegsfeierlichkeiten.

Auch Baumgart dachte im größten Erfolg seiner Trainerkarriere andächtig ein Jahr zurück: "Wir wissen, wie schnell Fußball geht. In welche Höhen man kommen kann und wie schnell man fallen kann. Danke an alle, die auch da waren, als es nicht lief", sagte der 46-Jährige: "Wie viele Leute ich jetzt gesehen habe, die mit einem Lächeln dastanden. Danke, dass ihr ein Jahr mit uns gegangen seid."

Baumgart war auch ein Teil dieser der normalen Fußballwelt etwas entrückten Achterbahnfahrt. Fünf Spieltage vor Schluss trat er in der vergangenen Saison zur "Mission Impossible" an, blieb ungeschlagen und scheiterte trotzdem. Die guten Ansätze der Vorsaison unter ihm führte Paderborn in dieser Spielzeit fort. Sie mündeten in einer Saison der Rekorde.

5:0, 6:0, 5:0, 3:0: Die letzten vier Ergebnisse zeigen, warum Paderborn mit bislang 83 Saisontreffern schon nach 35 Spieltagen für einen Torrekord in der 3. Liga sorgte. Torhüter Leopold Zingerle stellte mit 702 Minuten ohne Gegentor ebenfalls eine Bestmarke auf. "Ich weiß noch gar nicht so richtig, was ich machen soll. Das habe ich jetzt, ehrlich gesagt, noch nicht so ganz gerissen, was wir erreicht haben", sagte Zingerle im ARD-Interview. Nebenbei stellt der SCP auch den Topscorer der Liga: Sven Michel mit 19 Toren und 12 Vorlagen.

Trotzdem predigen Baumgart und Geschäftsführer Markus Krösche Bescheidenheit. Ein weit entferntes Trainingslager wird es in der Sommervorbereitung "aus Kostengründen" nicht geben. Die Paderborner Achterbahnfahrer wissen, wie schnell es auch wieder nach unten gehen kann. Keiner weiß es besser.

(sid)