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Englischer Zweitligist
Norwich City setzt auf das Modell Deutschland

Dennis Srbeny präsentiert sein neues Trikot.
Dennis Srbeny präsentiert sein neues Trikot. FOTO: Twitter: Norwich City
Huddersfield Town hat mit einem deutschen Trainer und deutschen Spielern den Aufstieg in die Premiere League geschafft. Norwich City versucht jetzt genau das auf dem selben Weg. Ein Grund dafür ist Jürgen Klopp. Lukas Thiele

Gerade mal ein halbes Jahr schnürte Dennis Srbeny seine Schuhe für den SC Paderborn. Im Sommer 2017 kam der 23-Jährige ablösefrei vom Regionalligisten BFC Dynamo zum Fußball-Drittligisten. 15 Spiele, neun Tore und elf Vorlagen später wechselt Srbeny zum englischen Zweitligisten Norwich City FC - für eine geschätzte Ablösesumme von 1,5 Millionen Euro.

Und damit ist er nicht der einzige Profi aus Deutschland, der sich in diesem Winter Norwich City angeschlossen hat. Auch Moritz Leitner (FC Augsburg/Leihe) und Onel Hernández (Eintracht Braunschweig/zwei Millionen Euro) spielen nun auf der Insel.

Mario Vrancic (ehemals Darmstadt 98), Marco Stiepermann (VfL Bochum), Marcel Franke (Greuther Fürth),Tom Trybull (ehemals Greuther Fürth) und Christoph Zimmermann (BVB II) sind schon da. Damit spielen nun acht ehemalige deutsche Profis beim Klub aus dem Südwesten Englands. Und es hätten sogar mehr sein können. Auch an Hanno Behrens (1. FC Nürnberg) und Toni Leistner (Union Berlin) war Norwich City dran.

Auch der Trainer ist Deutscher

Großen Anteil daran hat der Trainer. Der heißt Daniel Farke und ist ebenfalls ein Deutscher. Der 41-Jährige stammt aus dem westfälischen Büren, spielte unter anderem Fußball beim SC Paderborn, dem Bonner SC und dem SV Meppen. Bis Ende Mai trainierte Farke die Amateure von Borussia Dortmund.

Dann kam der Anruf aus Norwich und mit ihm verbunden ein klarer Auftrag: Die "Canaries" sollen zurück in die Premier League. Dort spielte Norwich zuletzt in der Saison 2015/16. In diesem Jahr wird die Rückkehr aber nicht mehr klappen. Norwich liegt in der Championship nach 28 Spielen nur auf Rang 13. Deshalb wurde nun im Winter auch nochmal nachgebessert.

Doch das Modell, mit einer deutschen Achse die Rückkehr in die Premier League anzupeilen, ist nicht neu. Norwich City weckt Erinnerungen an einen Aufsteiger aus dem vergangenen Jahr - Huddersfield Town. Mit David Wagner steht dort ebenfalls ein deutscher Trainer an der Seitenlinie. Genau wie Farke hat auch Wagner die zweite Mannschaft des BVB trainiert, bevor er nach England gewechselt ist. Farke war dort sogar Wagners Nachfolger.

Deutsche Achse in Huddersfield

Aufsteiger Huddersfield hält sich derzeit auf einem beachtlichen 14. Platz in der Premier League. Mit Jonas Lössl (geliehen von Mainz 05), Christopher Schindler (ehemals 1860 München), Michael Hefele (Dynamo Dresden), Chris Löwe (1. FC Kaiserslautern), Elias Kachunga (FC Ingolstadt) und Collin Quaner (Union Berlin) und Abdelhamid Sabiri (1. FC Nürnberg) stehen dort sieben ehemalige Profis aus Deutschland unter Vertrag.

Dass ab und an mal ein Spieler aus der Bundesliga nach England wechselt, ist nicht ungewöhnlich. Auch beim FC Arsenal stehen mit Mesut Özil, Per Merstesacker und Shkodran Mustafi drei Deutsche unter Vertrag. Mit Granit Xhaka und Sejad Kolanisac sind auch zwei ehemalige Bundesliga-Spieler zu den Gunners gewechselt. Pierre-Emerick Aubameyang ist vielleicht bald der Nächste.

Dort steckt allerdings kein gezieltes Konzept dahinter. Diese Spieler haben internationale Klasse und sind deshalb beim FC Arsenal gelandet und nicht, weil Trainer Arsene Wenger gezielt auf Bundesliga-Profis setzt. Auch bei anderen englischen Erst- und Zweitligisten finden sich vereinzelt deutsche Spieler.

Ausgangspunkt Jürgen Klopp

Nirgendwo sonst ist die Konzentration aber so hoch wie in Huddersfield und Norwich. Aber warum? Den Stein ins Rollen brachte wahrscheinlich Jürgen Klopp. Sein Engagement beim FC Liverpool sorgte auf der Insel für reges Interesse. Nur rund vier Wochen später folgte Klopps Trauzeuge und enger Freund David Wagner und führte Huddersfield zum sensationellen Aufstieg. Norwich dachte sich dann wohl, dass an Trainern aus Dortmund was dran sein muss und holte Wagners Nachfolger Daniel Farke.

Und der Trainer bringt dann natürlich das passende Netzwerk mit. Huddersfield und Norwich profitieren zwar wie alle englischen Klubs von den gigantischen TV-Einnahmen. Bei der Vermarktung hingegen sind sie nicht vorne dabei. Daher haben es diese Vereine auf dem heimischen Transfermarkt schwer.

Während englische Vereine über so manche Transfersumme nur noch müde lächeln, bekommt manch deutscher Zweit- und Drittligist weiche Knie. Und Huddersfield und Norwich haben erkannt, dass es auf dem deutschen Markt vergleichbare Qualität für im Vergleich zum englischen Markt günstigeren Preisen gibt.

Der Ruf des Geldes

Auch die Spieler verdienen in England deutlich mehr Geld. Bei einem Aufstieg in die Premiere League winken Gagen, die Spieler wohl in keinem anderen europäischen Land verdienen würden. Dazu geben viele Spieler an, sie hätten schon immer im Mutterland des Fußballs spielen wollen. "Es war immer ein Traum von mir, in England zu spielen", sagte etwa Dennis Srbeny bei seiner Vorstellung in Norwich.

Huddersfield Town hat bewiesen, dass dieses Konzept funktionieren kann. In Norwich soll es nun dank der Neuverpflichtungen wieder bergauf gehen. Sollte das auch funktionieren, könnte bald der nächste deutsche Trainer auf die Insel ziehen. Trainer bei Borussia Dortmund II ist derzeit übrigens Jan Siewert.