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Happy End
Nach Horrorjahr: „Chape“ in Südamerikas Champions League

Fans, Familie und Freunde des brasilianischen Fußballteams Chapecoense machten in den letzten Monaten viel durch. Foto: Fernando Duclos
Fans, Familie und Freunde des brasilianischen Fußballteams Chapecoense machten in den letzten Monaten viel durch. Foto: Fernando Duclos FOTO: Fernando Duclos
Chapecoense. Sie lagen sich in den Armen und tanzten: Ein Jahr nach dem tragischen Flugzeugabsturz des Fußballteams Chapecoense hat die komplett neuformierte Mannschaft überraschend den Einzug in die südamerikanische Champions League geschafft. Von Georg Ismar, dpa

Mit einem umjubelten Tor in der 94. Minute durch Túlio de Melo gelang am letzten Spieltag der ersten brasilianischen Liga der notwendige 2:1 Sieg gegen Curitiba.

Damit schaffte „Chape“ in der Abschlusstabelle Platz acht. Der berechtigt noch zur Qualifikationsrunde der Copa Libertadores, dem südamerikanischen Pendant zur Champions League in Europa. Als Meister stand in Brasilien schon seit Wochen Corinthians São Paulo fest.

Der Flugzeugabsturz am 28. November 2016 war ein Ereignis von kaum zu überbietender Tragik: Der 1973 gegründete Verein war auf dem Weg zum bisher größten Spiel seiner Geschichte: dem Hinspiel um die Copa Sudamericana gegen Atlético Nacional aus Medellín. Das ist in etwa vergleichbar mit der Europa League und ist der zweitwichtigste Vereinswettbewerb in Südamerika, nach der Copa Libertadores.

Wegen Treibstoffmangels stürzte das Charterflugzeug kurz vor dem Flughafen ab, 71 Menschen starben, sechs überlebten, darunter drei Spieler. Bis heute warten die Angehörigen auf Entschädigungen, ein Versicherungsunternehmen weigerte sich, die Police in Höhe von 25 Millionen Dollar zu zahlen, da die bolivianische Fluggesellschaft LaMia bei den Versicherungszahlungen in Verzug gewesen sei.

Das Spiel in der Arena Condá im südbrasilianischen Chapecó fand an einem ganz besonderen Datum statt. Vor genau einem Jahr hatten hier am 3. Dezember 2016 auf dem grünen Rasen 50 Särge mit gestorbenen Spielern, Trainern und Betreuern gestanden - von der brasilianischen Luftwaffe aus Kolumbien eingeflogen. Es regnete in Strömen, das ganze Stadion weinte zum letzten Geleit. Nun gab es ganz andere Bilder.

Auf dem Spielfeld des Stadions lagen sich alle in den Armen, in der Kabine ging die Feier weiter, Spieler und Betreuer hüpften wild umher. Noch vor wenigen Wochen war das mit mehr als 20 Spielern neuformierte Team im Abstiegskampf, zwei Trainer wurden entlassen.

„Corinthians wird es entschuldigen, Glückwunsch zum Titel. Aber es gibt wohl keine schönere Wendung als die von Chapecoense 2017“, meinte die Zeitung „O Globo“. Die ersten sechs Teams sind fest für die Gruppenphase der Copa qualifiziert, der siebte und achte Platz berechtigen für die Qualifikation. Chapecoense profitiert davon, dass Gremio Porto Alegre die diesjährige Copa gewann und automatisch qualifiziert ist - Gremio wurde Vierter und machte damit den Platz für „Chape“ als Achter frei - normalerweise sind nur die ersten sieben Teams dabei.

Wie der Club zuletzt mitteilte, will man nun auf juristischem Wege gegen die Versicherung der Charterfluggesellschaft LaMia und den bolivianischen Staat vorgehen, um endlich die Entschädigungen zu bekommen. Es gibt auch Vorwürfe gegen die bolivianische Flugsicherheitsbehörde, da die dort gestartete Maschine mit der zu knapp bemessenen Kerosinmenge womöglich nicht hätte starten dürfen.

Von den überlebenden Spielern feierte Alan Ruschel im August bei einem Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona ein emotionales Comeback, Abwehrspieler Neto setzt auf eine Rückkehr 2018. Dem Torwart Jackson Follmann musste der rechte Unterschenkel amputiert werden - alle drei feierten jetzt den unerwarteten Erfolg mit.

Abschlusstabelle Brasilien