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| 16:34 Uhr

Gerichtsstreit um Spielertransfer
Sammer motzt bei Prozess über "Scheißfirma"

München. Matthias Sammer maulte. Im Prozess wegen arglistiger Täuschung hielt sich der frühere Bayern-Vorstand nicht zurück. Der Streit um eine Provision beleuchtet die skurrile Beraterbranche im Milliardengeschäft Profifußball.

Matthias Sammer maulte. Im Prozess wegen arglistiger Täuschung hielt sich der frühere Bayern-Vorstand nicht zurück. Der Streit um eine Provision beleuchtet die skurrile Beraterbranche im Milliardengeschäft Profifußball.

Matthias Sammer (50) hielt sich auch im Gerichtssaal nicht zurück. Der frühere Sportvorstand des FC Bayern München und langjährige DFB-Sportdirektor verschaffte sich mit Mimik und Gestik immer wieder Luft. Sammer wird im Zusammenhang mit der Vermittlung von Jung-Profi Felix Uduokhai von 1860 München zum VfL Wolfsburg arglistige Täuschung vorgeworfen. Zwischen dem prominenten Beklagten und einem weniger prominenten Kläger gab es am Montag zum Prozessauftakt keine Einigung. Dafür beleuchtete die erste Verhandlung die skurrile Beraterbranche im Profifußball.

Dass Sammer vor dem Landgericht München I erscheinen musste, hat mit seinem Sohn Marvin zu tun. Der Junior gründete im November 2015 mit seinem damaligen Kumpel Alderim Ramaj (30) die Sammer Sports Scouting & Management GmbH. Darüber wollten die beiden Spieler vermitteln und branchenübliche Provisionen kassieren. Sammer junior hatte den Namen, Ramaj Kontakte über seinen Bruder Alban, der unter anderem für den FC Erzgebirge Aue und Waldhof Mannheim kickte.

Groß Umsatz machten Sammer junior und Ramaj aber nicht. "Diese GmbH war nicht der große Bringer", stellte Richter Martin Scholz fest. "Sehr überschaubar" sei der Erfolg gewesen. Im Juni 2017 wurde Ramaj überredet, seinen Anteil an der Firma an Matthias Sammer zu verkaufen, 12.250 Euro bekam er dafür.

Nur kurz nach der Abwicklung wurde aber der Transfer von Uduokhai nach Wolfsburg bekannt. Der Jung-Profi hatte sich Sammer senior zufolge an ihn gewendet, um ihn in seiner "sportlichen Entwicklung" zu begleiten. Die Federführung bei dem Wechsel hatte Matthias Sammer. "Es war immer klar, ich bin der Boss", sagte der frühere Nationalspieler. Sein Sohn sei quasi als Azubi nur nebenhergelaufen, "um überhaupt mal gesehen zu haben, wie Transfers zustandekommen".

Der Junior habe sich dabei allerdings als Einzelkaufmann und Geschäftsführer einer GmbH "in einer juristischen Grauzone bewegt", befand Richter Scholz. Auf "zwei Hochzeiten" tanze man besser nicht.

Im Sommer 2017 jedenfalls wechselte Uduokhai für kolportierte eine Million Euro Ablöse nach Niedersachsen. Dies sei ihm verschwiegen worden, weshalb er auch um seine Provision gebracht worden sei, hatte Ramaj behauptet und darauf den Abtretungsvertrag angefochten.

"Das habt ihr euch zu einfach vorgestellt"

Auf 350.000 Euro schätzte Ramaj seinen finanziellen Schaden. Das Honorar errechnet sich aus 14 Prozent des Jahresbruttogehalts von Uduokhai bezogen auf die gesamte Vertragslaufzeit - in diesem Fall bis 2022. Richter Scholz sprach indes von einem Streitwert von 64.750 Euro.

"Dass die Branche nicht den allerbesten Ruf hat, ist bekannt", räumte Matthias Sammer selbst ein und sagte an seinen Sohn und Ramaj gerichtet: "Das habt ihr euch zu einfach vorgestellt." Für Sammer, aktuell TV-Experte und Berater von Borussia Dortmund, steht fest: "Ich hätte die Scheißfirma null Komma null gebraucht."

Richter Scholz riet beiden Parteien zu einer außergerichtlichen Einigung und unterbrach die Verhandlung auch für rund 20 Minuten. Kläger und Beklagter kamen aber nicht überein.

Nach diesem Streit könne Ramaj "komplett verbrannt" sein in der Branche, mutmaßte der Richter. Sammer könne das "imagemäßig" eher verkraften. Für den 6. Juli ist ein weiterer Termin angesetzt. Bis dahin könnten sich beide Parteien doch noch einigen. Sonst müssten einige Zeugen geladen werden. Unter anderen auch Uduokhai.

(areh/dpa)