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Manchesters Gündogan brilliert in Basel
Liebeserklärung von Pep - Fingerzeig für Löw

Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw spielte Ilkay Gündogan im Achtelfinale der Champions League groß auf. Der 27-Jährige ist einer der Hoffnungsträger für die WM - wenn er gesund bleibt.

Pep Guardiola riss die Augen weit auf und hob dann zu einer hymnischen Liebeserklärung an Ilkay Gündogan an. "Er ist ein außergewöhnlicher Spieler", schwärmte der Star-Trainer von Manchester City nach der Gala-Vorstellung des deutschen Nationalspielers im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Basel: "Er hat einen guten Torriecher, ist ein besonderer Spieler, mit besonderer Persönlichkeit. Und er spürt keinen Druck."

Zwei Treffer hatte Gündogan zum nie gefährdeten 4:0 (3:0) am Dienstag beigesteuert, er war zudem Dreh- und Angelpunkt im starbesetzten Mittelfeld der Citizens. Verzückt hatte er damit nicht nur Guardiola. Oben auf der Tribüne im Basler St. Jakob-Park saß dick eingepackt und mit einem zufriedenen Lächeln Joachim Löw. Dass sich sein Mittelfeldstratege rechtzeitig vor der WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) wieder seiner Bestform nähert, gefiel auch dem Bundestrainer sichtlich.

Denn dass Gündogan überhaupt wieder ein solches Niveau erreichen würde, ist angesichts seiner schier unendlichen Verletzungshistorie keineswegs selbstverständlich. In seiner Zeit bei Borussia Dortmund fiel er wegen chronischer Rückenprobleme über ein Jahr aus, verpasste deshalb die WM 2014 mit der Krönung von Rio. Zwei Jahre später renkte er sich die Kniescheibe aus, musste wieder pausieren und fehlte bei der EM.

Nach seinem Wechsel zu Manchester City im Sommer 2016 zog sich Gündogan dann einen Kreuzbandriss zu. Wieder 252 Tage Zwangspause. Wieder ein langer und beschwerlicher Weg bis zum Comeback. "Wenn ich ihn jetzt spielen sehe, weiß ich, wie sehr wir ihn letztes Jahr vermisst haben", sagt Guardiola nun. Dass City in der englischen Premier League der Konkurrenz weit enteilt ist und in der Königsklasse zu den heißen Titelkandidaten gezählt wird, hat auch mit dem wiedererstarkten 27-Jährigen zu tun.

Für Löw sind die derzeitigen Leistungen Gündogans mindestens ein Fingerzeig. Schien es zwischenzeitlich, als seien Nationalmannschafts-Konkurrenten wie Emre Can, Sebastian Rudy oder Leon Goretzka im internen Ranking am Dauerpatienten vorbeigezogen, hat der Bundestrainer jetzt eine Vielzahl an Optionen für das zentrale Mittelfeld. In einer Form wie zurzeit führt an dem gebürtigen Gelsenkirchener im Grunde kein Weg vorbei - wenn er denn diesmal gesund bleibt.

Gündogan selbst will soweit noch gar nicht denken, die großen Ziele mit Manchester stehen zunächst im Vordergrund. Nicht einmal mit dem Auftritt in Basel, zu dem er einen Kopfballtreffer (14.) und einen sehenswerten Schlenzer (53.) beisteuerte, wollte er sich deshalb zufrieden geben.

"Das Ergebnis war vielleicht perfekt, aber es gibt noch eine Menge zu verbessern", meinte er und gönnte sich dann doch einen kurzen Blick Richtung Nationalmannschaft. Auf die Frage, ob Löw seine Leistung wohl gefallen habe, antwortete er: "Ich hoffe, dass er sie genossen hat." Davon immerhin ist auszugehen.