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| 20:24 Uhr

Langweiliger Titelkampf in der Bundesliga
Neidische Blicke nach Italien und in die Türkei

Dries Mertens und Jorginho wollen die erste Meisterschaft seit der Saison 1989/1990 nach Neapel holen.
Dries Mertens und Jorginho wollen die erste Meisterschaft seit der Saison 1989/1990 nach Neapel holen.
Exklusiv | Düsseldorf. Die Dominanz des FC Bayern München ist erdrückend, von Konkurrenz keine Spur. Der Mangel an Spannung ist kein exklusives Problem der Bundesliga. Doch nicht in allen europäischen Ligen ist der Titel bereits vergeben. Phillip Oidenburg

Die sechste Meisterschaft in Serie ist für den FC Bayern nur noch Formsache. Das Team von Trainer Jupp Heynckes steht mit 66 Punkten unangefochten an der Tabellenspitze. Läuft alles nach Plan, dann könnten sich die Münchner mit einem Sieg im Heimspiel gegen Borussia Dortmund am 28. Spieltag, am Ostersamstag (18.30 Uhr) also, zum Champion krönen.

Das wäre zwar kein Rekord – vor vier Jahren waren die Münchner bereits am 27. Spieltag durch – doch wäre es das erste Mal, dass die Entscheidung in der 2005 eröffneten Allianz Arena fällt. Ob die Sektkorken bereits am Samstagabend knallen können, hängt freilich auch vom anderen Revierklub ab. Ein Sieg des FC Schalke 04 im Heimspiel gegen den SC Freiburg würde die Meisterfeier auf jeden Fall verschieben.

Der Mangel an Spannung ist allerdings nicht nur in der Bundesliga ein Problem, zumindest nicht in dieser Saison. In vielen internationalen Top-Ligen herrscht gähnende Langeweile.

  • England: Was die Meister angeht, herrschte in England zuletzt Abwechslung. Die Titelträger seit 2012/2013: Manchester United, Manchester City, FC Chelsea, Leicester City, FC Chelsea. In dieser Saison ist Manchester City nun wieder an der Reihe. Trainer Pep Guardiola ist mit den "Citizens" auf dem Weg zum Premier-League-Titel praktisch nicht mehr einholbar. Mit 16 Punkten Vorsprung geht das Team um die deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Leroy Sané in die letzten acht Ligaspiele. Zwischenzeitlich gewann die Guardiola-Elf gar 18 Spiele in Serie. Neuer Rekord. Die Meisterschaft wäre bereits der zweite Titel in der laufenden Saison, nachdem City schon den Liga-Pokal gewann. Und auch in der Königsklasse ist der designierte Meister noch vertreten. Im Viertelfinale trifft City auf den FC Liverpool mit Coach Jürgen Klopp.
  • Spanien: Real Madrid verhinderte im vergangenen Jahr Barcelonas dritte Meisterschaft in Folge und baute so seine großartige Bilanz weiter aus: 33 Titel für Madrid, "nur" 24 für die Katalanen. In dieser Saison können die Königlichen aber nicht mithalten, liegen nach 29 Spieltagen stolze 15 Zähler hinter Spitzenreiter Barcelona. "Härtester" Verfolger von Lionel Messi und Co. ist Altetico Madrid mit elf Punkten Rückstand. Auch wegen einer neuen Bestmarke stehen die Katalanen an der Spitze. Die Bilanz der Blaugrana in dieser Saison: 23 Siege bei nur sechs Unentschieden. Für Barcelona ist sogar noch das Triple möglich: Der Tabellenführer steht im Pokalfinale sowie im Viertelfinale der Champions League.
  • Frankreich: Nach einjähriger Pause marschiert Paris St. Germain wieder im Alleingang Richtung Meisterschaft. Sieben Spieltage vor dem Saisonende liegt das Starensemble um 222-Millionen-Mann Neymar mit 83 Punkten an der Tabellenspitze, 17 Zähler vor Titelverteidiger AS Monaco. Angeführt von Torjäger Edinson Cavani ballert sich PSG munter durch die Liga. 95 Tore (bei nur 21 Gegentoren) hat die Tormaschine schon geschossen. Der Meisterschampus ist längt kaltgestellt.

Doch nicht in allen Ligen ist die Meisterschaft bereits entschieden. Voller Neid und Sehnsucht nach Spannung im Titelkampf blicken wir nach Italien und in die Türkei.

  • Italien: Zugegeben, die Serie A war in den vergangenen Jahren alles andere als ein Kassenschlager. Von 2006 bis 2010 war Inter Mailand Meister, nach einem Intermezzo durch den AC Mailand dominiert Juventus Turin den italienischen Fußball schier nach Belieben. Geht es nach dem SSC Neapel, dann soll damit endlich Schluss sein. Die Süditaliener liefern sich mit der Bianconeri ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die italienische Meisterschaft, den Scudetto. Nach 29 Spieltagen liegt Titelverteidiger Juventus mit 75 Zählern auf Rang eins, zwei Punkte vor dem SSC. Somit dürfte es auch in den verbleibenden neun Spielen spannend bleiben. Erst am 34. Spieltag könnte es zu einer möglichen Vorentscheidung kommen, dann steht das direkte Duell in Turin an. Für Neapel wäre es erst die dritte Meisterschaft überhaupt. Zuletzt holten die "Azzurri" 1990 den Titel – mit Diego Maradona. Für Juve hingegen wäre es die siebte Meisterschaft in Folge. Mittendrin bei diesem Duell: Die deutschen Weltmeister Sami Khedira und Benedikt Höwedes – beide in Lohn und Brot bei Juventus Turin.
  • Türkei: In der SüperLig können acht Spieltage vor Saisonende noch vier (!) Teams Meister werden. Fest steht lediglich, dass der Meister aus Istanbul kommt. Woher auch sonst? Seit 1980 ging der Titel nur zwei Mal in eine andere Stadt: Nach Bursa (2010) und Trabzon (1980). 2018 liegt nach 26 Spieltagen Galatsaray Istanbul mit 54 Punkten einen Zähler vor Istanbul Basaksehir. Dahinter lauert Titelverteidiger Besiktas (50). Fenerbahce hat mit sechs Punkten Rückstand noch Außenseiterchancen, um in den verbleibenden acht Spielen doch noch auf Platz eins vorzurücken.