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Kommt wirklich Real in die Lausitz?

Im Dezember gewann Real Madrid mit Superstar Cristiano Ronaldo in Japan den Weltpokal.
Im Dezember gewann Real Madrid mit Superstar Cristiano Ronaldo in Japan den Weltpokal. FOTO: dpa
Die Fundación Real Madrid Clinic, die offizielle Fußballschule des Weltpokalsiegers, ist ab Montag drei Tage beim FSV Brieske Senftenberg zu Gast. Mogelpackung oder Riesenchance? Die RUNDSCHAU hat den Hamburger Organisator Stefan Kohfahl befragt.

Stefan Kohfahl, seien Sie ehrlich: Wie viel Real Madrid steckt überhaupt in Ihrem Projekt?
Ganz viel. Ich bin kommende Woche wieder in Madrid beim Real-Vorstand und sitze dort auch mit den Leuten von Adidas zusammen. Die Art Fußball, die wir in der Fußballschule lehren, ist in der Madrider Jugendakademie entwickelt worden - ich war dabei federführend involviert. Das Einzige, was in dieser Frage eigentlich noch gegen uns spricht, sind unser deutsches Büro und unsere deutschen Wurzeln - doch das war eine strategische Entscheidung. Aber ansonsten sind wir wirklich komplett Real Madrid.

Kommen also am Montag dann auch die Spanier in die Lausitz?
Nein. Man kann bei so einem Projekt nicht mit zehn spanischen Trainern kommen. Andere große Clubs sind mit dieser Strategie gescheitert, weil es Verständigungsprobleme gab. Bei Kindern ist die Muttersprache wichtig, sie ist ein hoher Erfolgsgarant. Aber: Wir haben im Sommer ja schon das nächste Camp bei Brieske Senftenberg geplant. Dann wird auch ein spanischer Trainer aus Madrid zu Besuch bei uns sein.

Das Camp ist ausverkauft. Die Eltern mussten 139 Euro für das dreitägige Camp ihrer Kinder in Senftenberg bezahlen. Das ist ziemlich viel Geld - sind Sie und Ihr Team das überhaupt wert?
Ja. Alleine die Ausstattung, also Trikot, Hose und Ball, sind absolut hochwertig und würden im Einzelverkauf 117 Euro kosten. Wir übernehmen die Verpflegung und Betreuung an drei Tagen von 15 bis 19 Uhr. Dafür kommen wir mit drei top ausgebildeten Trainern für 48 Kinder. Ganz ehrlich: Wir müssen da die Qualitätskriterien eines Weltvereins erfüllen - da können wir nicht mit Praktikanten kommen. Und der Fußball bei uns ist auch komplett anders.

Kicken wie die "Königlichen" - wie muss man sich das vorstellen?
Es geht vor allem um das Spiel mit dem Ball. Wir singen keine Lieder, wir machen keine Witzerunden, wir haben kein Maskottchen. Das ist keine Ferienfreizeit. Der Fußball steht absolut im Mittelpunkt, den versuchen wir stylisch, schnell und aufregend zu gestalten.

Klingt nach Marketingstrategie. Werden dort kleine Real-Madrid-Jünger herangezogen?
Das kann sicherlich diesen Effekt haben. Aber Real hat absolut einen anderen Anspruch. Wir fragen nicht: "Wer ist Dein Lieblingsspieler bei Real?" und singen auch keine Real-Madrid-Lieder. Wir arbeiten für die Real-Stiftung und deren Ziel ist es, soziale und sportliche Werte zu vermitteln. Das heißt: Wer den dicken Jungen mobbt, der kommt bei uns nicht weit - sondern geht im Zweifelsfall auch nach Hause. Dafür wählen wir bei jedem Camp unter anderem den besten Teamplayer. Der hat dann sogar die Chance, bis ins Estadio Santiago Bernabéu nach Madrid zu kommen.

Die Chance aufs Weiterkommen ist ein Bestandteil Ihres Camps. Sucht Real etwa über diesen Weg den nächsten Cristiano Ronaldo?
Dieser Tryout ist ein Teil unseres Konzepts. Die besten Spieler werden zum Deutschland-Finale nach Berlin eingeladen. Schon das ist ein Riesenerlebnis für alle Beteiligten. Wir wollen den Kindern ein echtes Ziel bieten, nicht nur eine Urkunde und einen Schulterklopfer. Unser Camp ist sicher anstrengend, doch diese Anstrengung soll sich lohnen.

Und wie ist es nun mit den Top talenten - haben die Real-Scouts ein Auge drauf und womöglich die dicken Verträge in der Hand?
Nein, weil das schlichtweg nicht legal ist. Kinder unter 16 Jahren dürfen nicht verpflichtet werden. Aber sicherlich schauen wir uns die Besten genau an. Und vielleicht gibt es ja auch einen anderen positiven Effekt. Vielleicht will ja eines der Kinder, das sich zum Toptalent entwickelt, später unbedingt zu Real, weil wir mit unserem Camp die ersten Anknüpfungspunkte gegeben haben. Fußball ist am Ende eine Herzenssache. Das sieht man zurzeit ja an Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang. Der träumt ja offenbar auch schon sein Leben lang von Real Madrid.

Mit Stefan Kohfahl

sprach Jan Lehmann

Zum Thema:
Nationalspieler Toni Kroos ist Pate für die Fundación Real Madrid Clinic, der offiziellen Fußballschule der Königlichen. Der Hamburger Stefan Kohfahl ist für das Projekt in acht Ländern verantwortlich. Insgesamt ist Real in 74 Ländern unterwegs. Von Montag bis Mittwoch ist die Fußballschule in der Senftenberger Niederlausitzhalle zugange.