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Fußball-Bundesliga
Köln der Verzweiflung nahe - Stöger: „Geht an die Psyche“

Peter Stöger macht sich langsam Sorgen um die Psyche seiner Spieler. Foto: Marius Becker
Peter Stöger macht sich langsam Sorgen um die Psyche seiner Spieler. Foto: Marius Becker FOTO: Marius Becker
Leverkusen. Beim 1. FC Köln sind sie langsam aber sicher der Verzweiflung nahe. „Du bist immer relativ nahe dran und es gelingt nicht. Das geht schon an die Psyche“, sagte Trainer Peter Stöger nach der 1:2 (1:0)-Derby-Niederlage bei Bayer Leverkusen: Von Holger Schmidt, dpa

„Da kommt die geballte Geschichte zusammen. Da kannst Du schon irgendwann anfangen zu zweifeln. Das Schwierige ist: Es fehlt immer ein bisschen. Und dadurch fehlt am Ende ziemlich viel.“

In Leverkusen verlor der Tabellenletzte zwar verdient, das gab auch Stöger unumwunden zu. Doch er war mit frischem Mut nach dem Pokalsieg bei Hertha BSC (3:1) angereist und am 10. Spieltag durch das erste Bundesliga-Tor von Sehrou Guirassy (23.) erstmals in Führung gegangen. Mit dem ersten Sieg wurde es nichts, der Rückstand auf die Nicht-Abstiegsplätze ist bei nur zwei Punkten schon groß.

Das Spiel am nächsten Sonntag gegen 1899 Hoffenheim sei deshalb „schon ein sehr entscheidendes“, sagte Innenverteidiger Dominique Heintz: „Irgendwann musst du mal anfangen zu punkten. Sonst brauchst du eine Serie, die fast unmöglich ist. Wir müssen auf jeden Fall zusehen, dass wir in der Winterpause nicht schon ganz abgeschlagen sind.“

Ironie des Schicksals: Nachdem der FC mehrmals in dieser Saison mit dem Video-Schiedsrichter haderte, blieb ihm diesmal das eigentlich schon gewertete 1:3 durch Kevin Volland (1:3) nach Ansicht der Bilder erspart. „Aber dann ist der Video-Assistent einmal für uns, und am Ende kommt doch nichts bei raus“, meinte Mittelfeldspieler Leonardo Bittencourt. So oder so: Die Woche, die mit der Trennung von Sportchef Jörg Schmadtke hektisch begann, endete nach dem Erfolgserlebnis von Berlin wieder einmal ernüchternd.

Für Bayer war es dagegen im Endeffekt eine nahezu perfekte Woche. Nach dem furiosen 5:1 in Mönchengladbach und dem 4:1 im DFB-Pokal gegen Union Berlin schafften die Leverkusener durch das sechste Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage den Anschluss an die Spitzengruppe. Der wieder sehr starke Leon Bailey (54.) und Sven Bender (73.) sicherten in der 2. Halbzeit den Sieg. „Die Entwicklung geht insgesamt in die richtige Richtung“, sagte Trainer Heiko Herrlich: „Aber es gibt keinen Grund, das Spinnen anzufangen.“

Leverkusens Sportchef Rudi Völler hatte in seinem Vorwort des Stadionheftes noch einmal die unglückliche Aussage von Nationalstürmer Julian Brandt aufgegriffen, der unter der Woche für Brisanz gesorgt hatte. „Das klingt jetzt hart. Aber wenn Köln jetzt am Boden liegt, müssen wir wenn möglich noch mal drauftreten“, hatte der 21-Jährige gesagt. „Worte, die nicht unbedingt für das diplomatische Parkett geeignet sind“, schrieb Völler: „Worte, die man falsch verstehen kann, wenn man das will. Der Satz ist jedoch nicht wörtlich zu nehmen.“

Nach guter erster Halbzeit mussten die Kölner nach dem Wechsel ohne Innenverteidiger Dominic Maroh auskommen, dem Teamkolleg Salih Özcan auf den Fuß gefallen war. „In der ersten Halbzeit waren wir stabiler. Aber es gibt keinen Gegenbeweis, dass es mit Domme in der 2. Halbzeit besser gelaufen wäre“, sagte Stöger. Mit solchen Gedanken wollte sich der Coach denn auch nicht ernsthaft beschäftigen: „Das würde als Ausrede gewertet werden. Und Ausreden mag ich nicht.“

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