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| 02:36 Uhr

Kampf um Rückkehr ans Sportgericht

Der Cottbuser Gerhard Wolf will wissen, warum er von seinen Aufgaben entbunden wurde. Bei dieser Geschichte geht es seines Erachtens auch um die Teilnahme von zweiten Vereins-Teams am Kreispokal.
Der Cottbuser Gerhard Wolf will wissen, warum er von seinen Aufgaben entbunden wurde. Bei dieser Geschichte geht es seines Erachtens auch um die Teilnahme von zweiten Vereins-Teams am Kreispokal. FOTO: Fupa
Cottbus. Gerhard Wolf kämpft um seine Rückkehr. Mitte September 2016 war der damalige Vorsitzende des Niederlausitzer Sportgerichts von seinen Aufgaben entbunden worden. Der Fußballkreis warf ihm mangelnde Zusammenarbeit mit dem Vorstand vor, bestätigt vom Fußball-Landesverband (FLB). Konkrete Beweise dafür wurden Wolf allerdings keine vorgelegt. Sven Bock und Steven Wiesner

Gerhard Wolf kämpft um seinen Ruf und um seine Rückkehr ans Niederlausitzer Sportgericht. Sechs Jahre stand er dort an der Spitze. Dann wurde der Cottbuser entmachtet und geht nun dagegen vor. Dabei bezieht sich Wolf konkret auf die Satzung des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB). Demnach kann der Kreisvorstand zwar Mitglieder der Rechtsorgane mit sofortiger Wirkung ihrer Ämter entheben. Aber nur "bei grober Pflichtverletzung oder bei Unwürdigkeit", wie es in dem entsprechenden Paragrafen heißt.

Diesen Vorwurf weist Wolf vehement von sich. Denn in der schriftlichen Begründung der Amtsenthebung des Vorstandes, die dem Fußball-Portal FuPa Brandenburg vorliegt, werden nach Ansicht des Ex-Sportgerichtschefs keine konkreten Verfehlungen benannt, die einen solchen Schritt rechtfertigen würden. Vielmehr heißt es dort, dass sich unter anderem die "Zusammenarbeit zwischen Vorstand und dem Vorsitzenden des Sportgerichts seit Längerem schwierig gestaltet" und damit auch der Außenwirkung des Fußballkreises schaden würde sowie "Verunsicherung bei den Vereinen" hervorrufe. "Wo sind Begründungen und Beweise für eine grobe Pflichtverletzung oder die Unwürdigkeit?", fragt sich Wolf.

Keine Chance zur Aussprache

Fußballkreis-Geschäftsführer Bernd Ospalek erklärte schon kurz nach der Entmachtung im September dazu: "Die Probleme gibt es nicht erst seit 14 Tagen, sondern bereits seit anderthalb Jahren. Es gibt keine Zusammenarbeit mehr. Kein Ausschuss will mehr etwas mit dem Sportgericht zu tun haben. Das Sportgericht soll aber eigentlich den Ausschüssen und dem Vorstand beratend zur Seite stehen." Inzwischen wurde das Vorgehen des Kreisvorstandes auch vom Vorstand des FLB offiziell bestätigt - ebenfalls ohne konkrete Gründe zu nennen. Wolf hatte vorher ausdrücklich Beschwerde eingelegt. Eine Chance zur Aussprache bekam der Cottbuser aber nicht.

Als Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, sieht Wolf das Verfahren um die Teilnahme von zweiten Mannschaften am Niederlausitzer Kreispokal. Mitte Juli hatte der Kolkwitzer SV zum wiederholten Male einen mündlichen Antrag bei der Kreis-Staffelberatung gestellt, dass alle sechs höherklassigen Vereine, deren erste Mannschaften am Landespokal teilnehmen, künftig mit dem zweiten Team wieder im Kreispokal spielen dürfen. Dieser wurde abgelehnt mit Verweis auf einen entsprechenden Verwaltungsentscheid, den die Verantwortlichen allerdings nicht vorlegen konnten.

Anträge und Entscheide

Bereits am nächsten Tag wurde dem KSV ein Verwaltungsentscheid des Spielausschusses zugestellt, in dem festgelegt wird, dass zweite Mannschaften nicht teilnehmen dürfen. Kolkwitz stellte daraufhin fristgerecht laut Paragraf 14 der Rechts- und Verfahrensordnung des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB) einen Antrag auf sportgerichtliche Entscheidung beim zuständigen Rechtsorgan, in dem Fall des Sportgerichts. Das entschied unter dem damals noch amtierenden Vorsitzenden Wolf, dass die zweite Mannschaft teilnehmen darf.

Diesen Weg sah aber der Vorstand des Fußballkreises als falsch an und legte Beschwerde beim Verbandssportgericht ein. Das nahm das Urteil des Kreis-Sportgerichtes zurück. Nicht aus inhaltlichen Gründen, sondern der Argumentation des Kreisvorstandes folgend wegen des Formfehlers, dass der Verein sich nicht bei der richtigen Verwaltungsstelle beschwert hat.

Also ging der Kolkwitzer SV den Beschwerdeweg erneut. Der Antrag wurde sowohl beim Spielausschuss als auch im Vorstand des Fußballkreises zum wiederholten Mal abgelehnt - mit dem Hinweis auf den angeblich vorhandenen Verwaltungsentscheid des Spielausschusses. Gerhard Wolf: "Der Verwaltungsentscheid wurde ohne laufende Nummer und ohne Datum zugestellt. Dazu fehlte auch die zwingende Rechtsmittelbelehrung, damit die Vereine wissen, an wen sie die Beschwerde richten müssen. Vor Gericht hätte dieser Bescheid wegen der vielen Formfehler aus meiner Sicht keinen Bestand."

Zu dieser folgenden Gerichtsverhandlung kam es aber nach FuPa-Informationen nicht mehr: Die eigentlich angesetzte Verhandlung platzte kurz vorher. Denn auch das Sportgericht um Wolf-Nachfolger Reiner Jordan hatte laut Wolf inzwischen die Informationen bekommen, dass es eine Spielausschusssitzung zu diesem Thema nie gegeben hatte und damit auch ein entsprechender Verwaltungsentscheid nicht von der Mehrzahl der Ausschussmitglieder festgelegt wurde. Wolf: "Das ist für mich klare Urkundenfälschung." Ähnliches hatte er schon bei der ersten Verhandlung vermutet. "Der Vorstand wollte mich nach unserem Urteil schnell mundtot machen", erhebt Wolf schwere Vorwürfe.

Kurz vor der Verhandlung zog der Kolkwitzer SV seine Beschwerde zurück, "um weiteren Schaden vom Fußballkreis abzuwenden", soll es geheißen haben. Der Fußballkreis gab die mündliche Zusage, dass ab der kommenden Saison die zweiten Teams am Kreispokal teilnehmen dürfen - und die nie stattgefundene Sitzung wurde kein Thema mehr. Wolf: "Das sind drei Jahre verlorene Zeit für die Vereine. Und wenn man es genau nimmt, hat man die Vereine damit auch um mögliche Einnahmen gebracht."

Konkrete Gründe gefordert

Wolf will die ganze Sache nicht auf sich beruhen lassen und kämpft weiter um seine Rückkehr in das Sportgericht. "Die Begründung muss zweifelsfrei sein. Ich will endlich konkrete Gründe für meine Absetzung und die Möglichkeit für eine Anhörung beim FLB bekommen. Ich habe nichts anderes gemacht als für die Vereine Partei zu ergreifen."

Sollte der Verband weiter nicht reagieren, erwägt der Cottbuser weitere Schritte: "Ich habe es schon ins Auge gefasst, zivilrechtlich dagegen vorzugehen. Grobe Pflichtverletzung oder Unwürdigkeit sind schon zwei sehr dicke Brocken. Das will ich nicht auf mir sitzen lassen", so Wolf. Vorher gibt er dem Verband aber noch die Möglichkeit zur Reaktion: "Ich möchte es auf der sportlichen Ebene klären. Die Funktionäre sollen sich auch dazu äußern. Sonst wende ich mich auch noch an den DFB."