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| 14:02 Uhr

Wurfattacke auf Besiktas-Trainer
"Die Nacht, in der der Fußball starb"

Istanbul. Wer hat Schuld am Spielabbruch von Istanbul? Ein Mann, der Besiktas-Coach Senol Günes im Fenerbahce-Stadion beworfen und verletzt haben soll, wurde festgenommen. Die beiden Klub-Präsidenten sehen sich nicht in der Verantwortung.

Ein Angriff auf Besiktas-Trainer Senol Günes führte zum Abbruch des Istanbul-Derbys gegen Fenerbahce. Ein Mann, der den Trainer beworfen und verletzt haben soll, wurde festgenommen.

Senol Günes sank mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden, dann fasste er sich mit beiden Händen an den Kopf. Kurz zuvor war der Besiktas-Trainer beim Istanbul-Derby bei Fenerbahce von einem Wurfgeschoss, vermutlich einem Feuerzeug, getroffen worden. Eigentlich wollte Günes nur einen Streit zwischen den heimischen Fans und den Ersatzspielern seiner Mannschaft schlichten, stattdessen landete der 65-Jährige im Krankenhaus.

Seine Kopfwunde musste mit fünf Klammern verarztet werden, am Freitagmorgen durfte Günes das Krankenhaus verlassen. "Die Nacht, in der der Fußball starb", titelte die türkische Tageszeitung Hürriyet. Laut Medienberichten wurden mindestens 33 Personen verhaftet, darunter auch der vermutliche Werfer des Wurfgeschosses.

57 Minuten waren gespielt, als Günes zu Boden ging. Der verletzte Trainer wurde von seinem Ärzteteam behandelt und danach aus einem Rollstuhl in eine Liege gehievt. Auch im Kabinentrakt kam es nach dem Vorfall zu weiteren Rangeleien, selbst schwer gepanzerte Polizisten mussten ausrücken. Nach 25-minütiger Unterbrechung wurde das Pokal-Halbfinale beim Stand von 0:0 endgültig abgebrochen.

Jupp Heynckes schickt Grüße an Besiktas-Trainer

"Das sind Szenen, die wir auf dem Fußballfeld nicht erleben möchten", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes am Freitag: "Ich möchte einen Gruß nach Istanbul zu Senol Günes schicken. Ich wünsche ihm eine gute Besserung."

Bereits in der Anfangsphase hatten Fenerbahce-Rowdys Gegenstände auf das Spielfeld geworfen und gegnerische Spieler beleidigt. Ricardo Quaresma wurde gar mit einem Schlüsselbund beworfen. "Das sind keine Fans, sondern Chaoten, die auf dem Fußballplatz nichts zu suchen haben", sagte Heynckes.

Ein brutales Tackling von Besiktas-Innenverteidiger Pepe heizte die Stimmung zusätzlich auf. Nach einer halben Stunde grätschte der portugiesische Nationalspieler seinen Gegner mit beiden Beinen voraus um und sah dafür die Rote Karte. Es folgten wilde Diskussionen mit dem Schiedsrichter, beim Abgang applaudierte der 35-Jährige dem Publikum.

Istanbul-Klubs kämpfen um den Titel

Die Begegnung war geprägt von harten Zweikämpfen und vielen Fouls. Istanbul-Derbys gehören zu den hitzigsten Spielen im europäischen Fußball. Bereits im vergangenen September gab es beim Duell der beiden Klubs fünf Platzverweise sowie zwölf Gelbe Karten.

Zusätzlich werden die Spannungen durch die aktuelle Tabellensituation in der Liga verstärkt. Denn mit Galatasaray, Besiktas, Basaksehir und Fenerbahce kämpfen alle vier Klubs aus Istanbul noch um den Titel. Fünf Spieltage vor Saisonende trennen die Teams nur drei Punkte.

Ob das Spiel wiederholt werden muss oder am Grünen Tisch für Besiktas gewertet wird, das nach dem 2:2 im Hinspiel ins Finale gegen Akhisar Belediyespor einziehen würde, ist noch unklar. Eine Entscheidung soll laut türkischem Fußball Verband (TFF) am Mittwoch fallen. Das Endspiel findet im Mai in Diyarbakir statt.

(dpa)