| 10:47 Uhr

Stark bei 4:2 in Berlin
Hertha-Albtraum: Gladbacher Raffael raus aus der Schieflage

Raffael (2.v.l.) schoss Gladbach in Berlin zum Sieg. Foto: Soeren Stache
Raffael (2.v.l.) schoss Gladbach in Berlin zum Sieg. Foto: Soeren Stache FOTO: Soeren Stache
Berlin. Nach seiner Gala-Vorstellung zog auch der Kontrahent den Hut. „Raffael hat es gut gemacht“, sagte Pal Dardai, Trainer und einstiger Teamkollege des Brasilianers bei Hertha BSC. Von Jens Mende, dpa

Mit einem Knallertor aus 25 Metern und einem mit Geschick herausgespielten Treffer machte Raffael den Unterschied: Sein aktuelles Team Borussia Mönchengladbach kratzt nach dem 4:2 (3:1)-Sieg am 12. Spieltag der Fußball-Bundesliga mit 21 Punkten seit längerer Zeit wieder an den vorderen Rängen. Raffaels Ex-Club Hertha dagegen muss mit weiter nur 14 Zählern den Blick als Vierzehnter erstmal nach unten richten.

Dabei hatte der inzwischen 32 Jahre alte Ausnahmefußballer jüngst für ungewohnte Diskussionen am Niederrhein gesorgt: „Der Maestro wackelt“, hieß es in den Medien. Oder: „Raffael in Schieflage“. Für den deutschen Nationalspieler Lars Stindl, der nach seinem Länderspieltor gegen Frankreich zu Wochenbeginn im mit knapp 50 000 Fans gefüllten Olympiastadion in der fünften Minute das muntere Toreschießen eröffnet hatte, war und ist Raffael ein außergewöhnlicher Kollege: „Alle haben sich für ihn gefreut. Er hat schon so oft gezeigt, wie wichtig er für den Verein sein kann.“

Dass Raffael Caetano de Araújo, der von 2008 bis 2012 auch bei Hertha geliebt wurde und für den Hauptstadtclub in 140 Ligaspielen 33 Tore schoss und 30 weitere vorbereitete, auch im Endspurt noch einmal zum Hauptdarsteller wurde, lag am spannenden Spielverlauf. Nach Stindls Führung, einem von Video-Assistent Tobias Stieler initiierten und von Thorgan Hazard verwandelten Handelfmeter (14.) sowie dem Traumschuss von Raffael (20.) kamen die Gäste nochmal in Not. „Nach 20 Minuten denkt man, es läuft wie Butter“, sagte Hecking. Doch der Routinier wusste auch: „Wenn das Anschlusstor fällt, wackelt das Ding wieder.“

Und so kam es: Vedad Ibisevic (39.) und Mitchell Weiser (71.) brachten die engagierte Hertha zurück ins Spiel. Es war sogar mehr möglich. „Wir haben viele gute Momente gehabt in der Offensive“, sagte Manager Michael Preetz. Doch schließlich gab es Raffael (77.): „Ein toll rausgespieltes Tor“ (Hecking) entschied. Auch mit etwas „Spielglück“ habe seine Borussia Hertha „niedergerungen“, bemerkte der Trainer und verwies auf die Bedeutung seines Matchwinners: „Raffael ist ein Spieler, der außergewöhnliche Momente hat.“

Weil er diese Momente aber in der jüngeren Vergangenheit nicht zeigte, wurde es unruhig um den Brasilianer. Es gab „das eine oder andere Gespräch“, berichtete Hecking, betonte aber: „Die Mitspieler haben ihn vertraut.“ Der sensible Fußballer Raffael braucht diese „Wohlfühlzone“, die auch Weltmeister Christoph Kramer bei der Borussia so schätzt. „Wenn sich ein Spieler, der viele Jahre auf hohem Niveau spielt, einen Monat eine Schaffenpause hat, kann uns das nicht verrückt machen“, betonte Kramer.

„Er hat viele gute Aktion gehabt und schlaue Dinge gemacht, es freut mich, weil er sehr selbstkritisch ist“, sagte Hecking. „Er weiß, dass die letzten Spiele nicht das Gelbe vom Ei waren. Wenn er solche Antworten hat, freut es mich.“ Am kommenden Samstag darf Raffael gern gegen Spitzenreiter FC Bayern glänzen. „Wir haben uns in eine gute Position gestellt“, meinte Hecking: „Jetzt hoffen wir, dass wir etwas mitnehmen.“

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