| 17:02 Uhr

Gefühlter VfB-Sieg gegen Ligazweiten

Neuruppins Tormann Johannes Wilke stand häufig im Mittelpunkt. Hier fischt er den Ball vor dem Hohenleipischer Martin Nitzschner (rechts), der mit einem Lattentreffer Pech hatte und in dieser Szene von Innerverteidiger Martin Dombrowski grenzwertig bedrängt wird, gerade noch weg.
Neuruppins Tormann Johannes Wilke stand häufig im Mittelpunkt. Hier fischt er den Ball vor dem Hohenleipischer Martin Nitzschner (rechts), der mit einem Lattentreffer Pech hatte und in dieser Szene von Innerverteidiger Martin Dombrowski grenzwertig bedrängt wird, gerade noch weg. FOTO: Frank Thiemig/fte1
Hohenleipisch. Mit Leidenschaft und Herz brachten die Hohenleipischer den Favoriten an den Rand einer Niederlage, mussten sehr früh einem Rückstand hinterherlaufen und die Schlussviertelstunde in Unterzahl auskommen. Neuruppin hatte in jeder Hälfte nur eine Chance, dagegen ließ der VfB eine ganze Reihe bester davon aus, hatte zweimal Latten-Pech und vergab kurz vor Schluss noch die Riesenmöglichkeit zum Sieg. Frank Thiemig

Schon die ersten fünf Minuten beschrieben, wie die Partie verlaufen würde. Hohenleipisch hatte gut nachgesetzt, Werner Schiffner bedient, dessen Schuss Keeper Wilke zu Hagedorn faustete, der vom Strafraumeck abzog. Der Keeper brachte die Kugel samt Lattenberührung irgendwie weg und schließlich konnte Werner den Kopfball nicht druckvoll genug bringen (2.). Per Konter gingen die Gäste mit ihrem ersten Angriff abgezockt in Führung. Zu einfach hatte der VfB den Treffer hergeschenkt, zeigte sich aber nicht unter Schock.

Mitte der ersten Halbzeit hatten sich die Platzherren gefunden und wurden deutlich gefährlicher als Neuruppin. Beide Mannschaften pushten sich lautstark, besonders Seifert und Weckwerth gaben diesbezüglich jeweils den Ton an. Letzterer wurde im Gäste-Spiel, das auf Konter angelegt war, immer wieder mit langen Anspielen gesucht, ohne jedoch zwingend zu werden. Dagegen traf Nitzschner nach schönem VfB-Angriff nur die Latte (27.). Es folgten drei weitere tolle Möglichkeiten, wobei Mouen Ebongue nach klasse Zuspiel von Werner mit der besten davon knapp scheiterte (34.).

Zur Pause hörte man im Publikum immer wieder: "Einer musste doch reingehen!". Keine Frage, die Halbzeitführung für die Gäste war glücklich. Nach Karten lag jedoch Hohenleipisch vorn und ob der schwache Schiedsrichter mit diesen drei frühen Verwarnungen für Ruhe sorgen, ein Zeichen setzen oder etwas anderes wollte, ist nicht bekannt. Auf alle Fälle hatte er sich sein Maß kaputt gemacht und hinterließ bis zum Schluss mit seinen Entscheidungen jede Menge Fragezeichen, mal für die Blauhemden und etwas häufiger für die Rothosen.

Die hatten zehn Minuten nach Wiederbeginn die erste nennenswerte Szene durch den eingewechselten Rink, während auf der anderen Seite Tormann Liebe gut reagierte (58.). An der Seitenlinie trieb VfB-Trainer Henrik Pohlenz seine Jungs immer wieder an und Gäste-Coach Dietmar Bletsch forderte mehr Ordnung. Die war auch nötig, denn wie ein Spitzenteam präsentierte sich Neuruppin höchstens in puncto Cleverness. "Das 1:1 ist in Ordnung, aber wir hätten das Spiel eigentlich gewinnen müssen", meinte Bletsch nach dem Abpfiff.

Mit welchen Torchancen das hätte passieren sollen, blieb offen, vielleicht spielte er auf die Überzahl an, die der MSV zwanzig Minuten genoss und dabei eher noch in Schwierigkeiten geriet. Mehr als fragwürdig war die Ampelkarte für Ayata, was die Emotionen kurzzeitig hochkochen ließ. Vielleicht war gerade das noch einmal ein Wachmacher für die Einheimischen. Jetzt erst recht, hieß ihre Devise für die Schlussphase. Mit dem überfälligen und absolut verdienten Ausgleich belohnte Freigang schließlich die vorbildliche Moral der nie aufgebenden VfB-Elf.

Noch eine knappe Viertelstunde war zu überstehen, aber abgesehen von einer Aktion, in der Liebe vor einem einschussbreiten Neuruppiner den Ball wegfischte, ließ man nichts zu und die MSV-Standards verpufften komplett. Dagegen wäre dem Ausgleichsschützen in der vierten Nachspielminute fast noch der Siegtreffer gelungen. Freigang setzte eine Flacheingabe von Mouen Ebongue um Millimeter daneben.

In Anbetracht der Chancen wäre das 2:1 nicht einmal unverdient gewesen. Aber auch so haben die Hohenleipischer ihr Ziel, den Favoriten möglichst zu ärgern, allemal erreicht und am Ende fühlte sich der Punkt fast wie ein Sieg an, während der MSV im Aufstiegsrennen wieder etwas eingebremst wurde.

VfB Hohenleipisch 1912: Liebe, Jakob, David, Seifert, Schüler (GK, 72. Goßlau), Hagedorn (GK), Schiffner (65. Ayata, 71. GRK), Nitzschner (GK), Mouen Ebongue, P. Werner, Freigang.

SR: Stefan Gärtner (Dresden). Tore: 0:1 Japs (5.); 1:1 Freigang (77.). Z: 178.