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Schalke gegen BVB
Tabellensituation sorgt für zusätzliche Brisanz

Gelsenkirchen. Im 174. Revierderby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund geht es um die Vizemeisterschaft. Das 4:4-Spektakel aus dem Hinspiel spielt nur noch eine untergeordnete Rolle.

Das denkwürdige Hinspiel-Spektakel ist unvergessen, es geht um die Champions-League-Qualifikation und die Vizemeisterschaft, doch vor dem 174. Revierderby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund herrscht ungewohnte Harmonie - zumindest zwischen den Trainern. Schalkes Domenico Tedesco und Dortmunds Peter Stöger bekundeten vor dem Duell der Erzrivalen ihren großen Respekt vor der Leistung des anderen und betonten ausdrücklich die Stärken des Gegners. Doch spätestens mit dem Anpfiff am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) zählt nur noch der Derbysieg.

"Es ist immer Brisanz im Derby. Aber die Ausgangslage, dass wir vorbeiziehen können, macht es außergewöhnlich", sagte Stöger. Mit einem Erfolg in der Schalker Arena würde der BVB den Rivalen überflügeln und auf Platz zwei klettern. Doch Stöger weiß um die Schwere der Aufgabe. "Ich habe großen Respekt davor, wie Schalke in dieser Saison auftritt. Sie haben eine gute Organisation und viel Teamgeist. Sie sind gut unterwegs", sagte der Österreicher.

Das unfassbare 4:4 im Hinspiel nach einer 4:0-Halbzeitführung hatte Stöger als Trainer des 1. FC Köln noch vor dem Fernseher erlebt. Tedesco war hingegen dabei und hat heute noch "Gänsehaut", wenn er die emotionalen Bilder vom 25. November sieht.

Mit einem erneuten Spektakel rechnen beide Trainer aber nicht. "Es wird ein komplett anderes Spiel sein", sagte Tedesco, der diese Woche einen Wasserrohrbruch zu Hause hatte und vom Klempner gleich die Marschroute für Sonntag mit auf den Weg bekam: "Ein 1:0 reicht auch."

Seit September 2014 haben die Schalker keinen Derbysieg in der Bundesliga gefeiert, die letzten vier Duelle endeten unentschieden. Die Fans sehnen nach dem gefühlten Sieg im Hinspiel den Dreier herbei. Doch ein Selbstläufer wird es nicht. "Ich höre oft, dass Dortmund in der Krise ist. Wenn man von 14 Spielen nur eins verliert, dann ist man weit weg von einer Krise. Peter Stöger hat die Mannschaft enorm stabilisiert. Wir haben sechs Spiele in Folge gewonnen, und sie liegen nur einen Punkt hinter uns. Das sagt alles", sagte Tedesco.

Die Anhänger wollen davon naturgemäß nichts wissen. Beim öffentlichen Training am Samstagnachmittag wurden mehrere Tausend Fans erwartet. "Man spürt die Bedeutung des Derbys für die Region", sagte Sportvorstand Christian Heidel.

Während die Schalker ihre starke Saison mit einem Sieg gegen den Erzrivalen krönen wollen, würde eine Niederlage des BVB die ohnehin schon mäßige Stimmung bei den Schwarz-Gelben noch einmal deutlich verschlechtern. "Wir wollen Schalke die Stärken nehmen. Wir brauchen ein gutes Passspiel und eine gute Laufarbeit. Wir versuchen, spielerische Lösungen zu finden", sagte Stöger, der noch nie in der Bundesliga in der Schalker Arena verloren hat: "Ich fahre gerne in dieses Stadion."

(sid)