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| 11:30 Uhr

Pokal-Spektakel in Leverkusen
Die "Gier" treibt den FC Bayern an

Leverkusen. Viele glaubten, der FC Bayern könne bei zuletzt starken Leverkusenern im Halbfinale des DFB-Pokals wanken. Die Antwort des Meisters war deutlich: Durch ein 6:2 zogen die Bayern ins Endspiel ein,

Viele glaubten, der FC Bayern könne bei zuletzt starken Leverkusenern im Halbfinale des DFB-Pokals wanken. Die Antwort des Meisters war deutlich: Durch ein 6:2 zogen die Bayern ins Endspiel ein,

Der FC Bayern München ist national weiter eine Klasse für sich. Karl-Heinz Rummenigge wollte "nicht so euphorisch" werden - und dann wurde er genau das. "Fan des FC Bayern zu sein, ist im Moment ein paradiesischer Zustand", sagte der Vorstandschef der Münchner nach dem 6:2-Spektakel im Halbfinale des DFB-Pokals beim Bundesliga-Tabellendritten Bayer Leverkusen. Rummenigges Ankündigung für den Saisonendspurt: "Jetzt ziehen wir voll durch."

Triple-Traum lebt

Das Ziel ist klar: Das Triple soll her. Wie 2013, als Jupp Heynckes sich zum vermeintlich ersten Mal in die Trainer-Rente verabschiedete. Im Sommer nun beendet er endgültig seine Karriere, die Mannschaft plant das wunderbare Abschiedsgeschenk. "Der Hunger ist jetzt noch größer. Und die Gier ist da. Wir haben noch einiges vor", versicherte Dreifach-Torschütze Thomas Müller. "Außer der Meisterschaft haben wir noch nix gewonnen - außer den Herzen der Fans, die dieses Spiel gesehen haben. Denn das war Werbung für den deutschen Fußball."

Im Pokal schaltete der FC Bayern nun nacheinander Vizemeister RB Leipzig, Titelverteidiger Borussia Dortmund und die forschen Leverkusener aus, in der Champions League stellt sich vor einem möglichen Endspiel am 26. Mai Real Madrid in den Weg, Sieger der vergangenen beiden Jahre. "Um Real zu schlagen, brauchen wir zwei großartige Spiele", sagte Rummenigge. "Aber wenn einer Real schlagen kann, dann ist es der FC Bayern."

Uli Hoeneß verzichtete am Dienstagabend auf Kampfansagen. Sein Einsatz der Abteilung Attacke war nicht vonnöten, der Präsident ging freudig lächelnd durch die Katakomben und sagte lediglich einen Satz: "Klasse setzt sich eben durch."

Doch Heynckes predigt beharrlich den Mannschaftsgedanken und will sein Team nicht auf die Qualitäten Müllers, des zweimal erfolgreichen Robert Lewandowski oder des in der Abwehr überragenden Jerome Boateng reduzieren. "Die Erfolge nur auf individuelle Klasse zurückzuführen, ist Nonsens", sagte der 72-Jährige nach dem siebt- oder achtletzten Spiel seiner Trainer-Karriere: "Großer Fußball ist Mannschaftssport, ist Teamwork. Und wir haben im Moment nur Teamplayer, keine Ich-AGs."

Rummenigge betonte mit Blick auf die Mannschaft eines: "Sie hat eine Demonstration ihrer individuellen Qualität geliefert. Und Jupp Heynckes hat die Mosaiksteine wunderbar zusammengeführt. Es gibt in dieser Mannschaft keinerlei Neid und Egoismen, sondern einen tollen Spirit." Bestes Beispiel war Müller, der sein drittes Tor nach einem abgefälschten Schuss von Arjen Robben nicht für sich reklamierte: "Schreibt da lieber dran: Die Mannschaft hat das Tor erzielt."

Heynckes und Müller empfehlen Ulreich für die Nationalelf

Das zeigt auch das Beispiel von Sven Ulreich. Laut Heynckes bei seiner Ankunft ein Torwart "ohne Anerkennung und Selbstvertrauen", ist der Dauervertreter des seit September verletzten Manuel Neuer inzwischen ein Erfolgsgarant. Und für Müller auch ein klarer Kandidat für die WM: "Ulle ist auf jeden Fall eine exzellente Option."

Bei den Leverkusenern herrschte derweil dezenter Frust. Die jungen Wilden, die in der Liga zuletzt die Europacupkandidaten Leipzig und Frankfurt mit dem künftigen Bayern-Coach Niko Kovac 4:1 besiegt hatten, waren ungewohnt mutig. Entsprechend groß war die Enttäuschung nach der höchsten Bayer-Niederlage im DFB-Pokal. "Wir haben richtig auf die Fresse gekriegt", sagte Trainer Heiko Herrlich. Doch auch ihm war nach einer zumindest zeitweilig gar nicht so schlechten Leistung seiner Mannschaft klar: "Bayern ist in dieser Form für uns einfach nicht zu schlagen."

(dpa)