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| 17:29 Uhr

Bayern bereit für Real
Gefühl von 2013 soll die Münchner tragen

München. Jetzt müssen die Bayern zeigen, wie gut sie wirklich sind. Gegen Real Madrid und Ronaldo soll der bislang größte Triple-Schritt gelingen. "Es liegt was in der Luft", tönt Kapitän Thomas Müller.

Jetzt müssen die Bayern zeigen, wie gut sie wirklich sind. Gegen Real Madrid und Ronaldo soll der bislang größte Triple-Schritt gelingen. "Es liegt was in der Luft", tönt Kapitän Thomas Müller.

Ronaldos Torflut? Ist bekannt. Reals Gewinner-Gen in der Champions League? Schön und gut. Die Bayern sind super drauf - und sie vertrauen uneingeschränkt ihrem Königsklassen-Spezialisten Jupp Heynckes. Der 72 Jahre alte Trainer thronte 31 Stunden vor dem ersehnten Anpfiff des europäischen Fußball-Klassikers gegen Real Madrid im vollbesetzten Pressesaal der Münchner Arena auf dem Podium und verströmte die weise Gelassenheit des Triple-Champions, der bis dato noch jedes Halbfinale in der Champions League gewinnen konnte.

"Wille kann Berge versetzen", verkündete Heynckes, der "sehr optimistisch" in das legendäre Gigantenduell am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF und Sky) geht. "Für mich gibt es keinen Favoriten, obwohl ich ein gutes Gefühl habe. Wir sind in einer ähnlichen Situation wie 2013", sagte Heynckes vor der 25. Bayern-Kraftprobe mit Real. Jeweils elf Siege stehen in der Bilanz. Der gegenseitige Respekt ist riesig.

"Wir müssen Maximales leisten gegen einen großen Gegner", sagte Real-Coach Zinedine Zidane am Dienstagabend in der Allianz Arena. "Auf mich macht Bayern einen sehr hungrigen Eindruck", erklärte Weltmeister Toni Kroos, der seinen Ex-Club ärgern möchte. "Sie haben eine gute Stimmung im gesamten Verein. Wir sind hier, um das ein bisschen zu ändern", verkündete der 28 Jahre alte Weltmeister.

Viermal nacheinander scheiterten die Bayern zuletzt kurz vor dem Ziel an spanischen Mannschaften. Aber da hießen die Trainer Pep Guardiola und Carlo Ancelotti. Mit Heynckes dagegen besiegten die Bayern 2012 Real im Halbfinale und ein Jahr später auf dem Weg zum Triumph in London gegen Borussia Dortmund den FC Barcelona. "Der Trainer gibt uns immer ein gutes Gefühl. Und da er immer ins Finale kommt, wissen wir hoffentlich, in welche Richtung es gehen wird", sagte schmunzelnd Jérôme Boateng, den Heynckes kurz zuvor als "Leader" titulierte.

"Wenn du zweimal in Folge die Champions League gewonnen hast, bis du Favorit", sagte Torjäger Robert Lewandowski zur Rollenverteilung zwischen Herausforderer FC Bayern und dem Titelgewinner von 2016 und 2017. Aber der Glaube und die Hoffnung, dass sich mit Don Jupp das Triumphjahr 2013 wiederholen lässt, ist in München weit größer als der große Respekt vor den Königlichen mit der sagenhaften Tormaschine Cristiano Ronaldo. "Das Spiel kommt zur rechten Zeit. Es liegt was in der Luft", sagte Bayern-Kapitän Thomas Müller: "Wir wollen jetzt durchziehen, Vollgas geben, rackern und das Ding holen." Uli Hoeneß, der Präsident, versprach den Gästen "einen großen Kampf".

Am Mittwoch und am 1. Mai in Madrid müssen die Heynckes-Bayern nun zeigen, wie gut sie wirklich sind. National ist der Serienmeister der Konkurrenz entrückt, gewinnt mal eben 6:0 gegen Dortmund oder 6:2 in einem Pokal-Halbfinale bei Bayer Leverkusen. In der Königsklasse waren Besiktas Istanbul und der FC Sevilla in den ersten K.o.-Runden auch keine Gegner, die das wahre internationale Vermögen der Bayern testen konnten. Anders Real! "Wir müssen versuchen, ein gutes Ergebnis zu machen, möglichst ohne Gegentor", sagte Hoeneß. Der Präsident äußerte "vorsichtigen Optimismus". Dass Real verwundbar ist, hat die 1:3-Heimniederlage gegen Juventus Turin im Viertelfinal-Rückspiel bewiesen, als der Titelverteidiger wankte.

Eine zentrale Frage lautet: Wie ist Ronaldo zu stoppen, der beim Münchner Viertelfinal-K.o. im Vorjahr fünf der sechs Real-Treffer erzielte? "Sie können auch fragen, wer schaltet Robert Lewandowski aus?", konterte Heynckes. "Er ist ein unglaublicher Athlet, es geht nur zusammen im Team", sagte Innenverteidiger Boateng. "Das ist ein Weltklassestürmer, der sehr schwer zu verteidigen ist. Aber ich freue mich immer darauf, gegen ihn zu spielen", sagte der Weltmeister.

Heynckes' Credo heißt Teamgeist. "Sie können keine Champions League kaufen. Eine Mannschaft muss wachsen und sich verstehen", sagte der Trainer, der mit Real (1998) und Bayern (2013) den Henkelpott holte. "Die Champions League gewinnt die Mannschaft, die am homogensten ist und den optimalen Fußball spielt." Für ihn sind das seine Bayern.

Neben Manuel Neuer, Arturo Vidal und Kingsley Coman muss Heynckes wohl auf David Alaba verzichten. Der angeschlagene Österreicher fehlte am Dienstag beim Abschlusstraining. Routinier Rafinha dürfte ihn in der Abwehr ersetzen. Heynckes muss sich bei der taktischen Ausrichtung seiner vermutlich sehr offensiven Aufstellung etwas einfallen lassen, wie die geballte Madrider Mittelfeldpower mit Kroos, Casimiro, Luka Modric und Isco einzugrenzen ist.

Er wird den alten Helden Franck Ribéry und Arjen Robben, aber auch dem Standardspezialisten James und Kapitän Müller auch in der Arbeit nach hinten totale Hingabe abverlangen. "Real Madrid ist im Kontern ganz gefährlich. Da müssen wir aufpassen", mahnte Robben. Der Holländer fordert nach den bitteren Erfahrungen des Vorjahres einen mutigen Heimauftritt: "Der größte Fehler letztes Jahr war das Hinspiel. Da haben wir ein bisschen ängstlich gespielt. Das darf nicht wieder passieren." Beim 1:2 fehlte zudem Lewandowski verletzt.

Der Pole hat Real schon einmal im Alleingang besiegt. Alle vier Tore erzielte Lewandowski - noch im Trikot von Borussia Dortmund - beim 4:1 im Halbfinal-Hinspiel 2013. Zuletzt aber war stets Ronaldo der Triumphator. Das muss sich ändern. "Wir wollen den Grundstein legen, um ins Finale zu kommen", sagte Boateng.

(dpa)