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Vor Bundesliga-Rückrunde
DFB und DFL einig: Videobeweis soll bleiben

Schiedsrichter Patrick Ittrich schaut beim Videobeweis auf einen Monitor. Foto: Marijan Murat
Schiedsrichter Patrick Ittrich schaut beim Videobeweis auf einen Monitor. Foto: Marijan Murat FOTO: Marijan Murat
Frankfurt/Main. Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga haben sich kurz vor dem Beginn der Bundesliga-Rückrunde noch einmal eindeutig für den umstrittenen und viel diskutierten Videobeweis ausgesprochen. dpa

Die deutschen Schiedsrichter und die Spitze des deutschen Fußballs stehen weiter voll hinter dem umstrittenen Videobeweis.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga Zahlen vor, nach denen in 153 Spielen der Bundesliga-Hinrunde 37 Fehlentscheidungen durch den Eingriff des Videoassistenten verhindert werden konnten. 48 Mal korrigierte der Schiedsrichter eine Entscheidung, 37 Mal erwies sich dieser Eingriff auch als richtig. Mit dieser Quote ist man bei DFB und DFL vorerst zufrieden.

„Das Glas ist aus unserer Sicht zu drei Vierteln voll“, sagte der DFL-Direktor Ansgar Schwenken. „Wir sind absolut davon überzeugt, dass der Videobeweis das Spiel gerechter macht.“

Ein weiterer gewichtiger Punkt aus Sicht der deutschen Funktionäre: Niemand von ihnen zweifelt daran, dass die Regelhüter des „International Football Association Board“ (IFAB) und der Weltverband FIFA den Videobeweis nach Abschluss der einjährigen Testphase zu einer Dauereinrichtung erklären und auch bei der WM im Sommer in Russland einsetzen werden. „Ich denke, es wird bei der WM 2018 einen Einsatz des Videobeweises geben“, sagte der deutsche Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich.

Auch der in der Bundesliga als Videoassistent eingesetzte Jochen Drees betonte: „Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass der Videobeweis ein fester Bestandteil des Fußballs bleibt. Die FIFA wird dieses neu geborene Baby nicht wieder zur Adoption freigeben.“

Ganz konkret will das IFAB am 22. Januar zunächst die bisherigen Erkenntnisse aus dem Test des Videobeweises auswerten und dann am 2. März den Daumen über dieses revolutionäre Projekt heben oder senken. Von dieser Entscheidung hängt auch ab, ob die FIFA den Videobeweis noch im selben Monat für die WM in Russland zulassen wird oder nicht.

Die deutschen Schiedsrichter haben eine solche Auswertung bereits hinter sich. Ein Großteil ihres mehrtägigen Wintertrainingslagers auf Mallorca drehte sich in der vergangenen Woche um den Videobeweis.

Die nackten Zahlen drücken das Problem dabei nur bedingt aus: 1041 Mal wurden die Entscheidungen eines Referees während der Hinrunde von seinen Videoassistenten überprüft. 750 Überprüfungen waren sogenannte „Silent Checks“, von denen der Schiedsrichter auf dem Platz gar nichts mitbekam. 50 Mal empfahl der Videoassistent eine Korrektur der Entscheidung, 48 Mal kam der Videobeweis tatsächlich zur Anwendung. 37 Mal erwies sich dieser Eingriff als richtig, elf Mal als falsch.

„Wenn man in einer Testphase, die so unter dem Brennglas der Öffentlichkeit stattfindet, zu einer Quote von rund 75 Prozent kommt, dann ist das in Ordnung“, sagte der DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann. Es gebe schließlich auch keine zu 100 Prozent verwandelten Elfmeter. Selbstkritisch merkte der Funktionär aber auch an, dass man das Prestigeprojekt Videobeweis selbst beim DFB mit zu hohen Erwartungen überladen habe. „Wir sind vielleicht ein bisschen zu deutsch gewesen“, sagte er. „Deutsche erwarten nicht nur, dass etwas funktioniert, sondern dass etwas zu 100 Prozent funktioniert.“

Die Hauptaufgabe in der Rückrunde besteht aus Sicht der Schiedsrichter nun darin, dass sich im Bundesliga-Alltag endlich klar einspielt, wann der Videoassistent eingreifen soll und wann nicht. Schließlich zielt die Hauptkritik an diesem Projekt nicht auf den Videobeweis an sich, sondern auf seine mitunter chaotische Umsetzung.

„Wir wollen keine Videoassistenten, die detektivisch tätig werden“, betonte Fröhlich als Leiter der deutschen Elite-Schiedsrichter. „Wichtig ist für uns: Klare und offensichtliche Fehler müssen auf dem Videomaterial leicht zu identifizieren sein. Und ein klarer und offensichtlicher Fehler muss zweifelsfrei nachgewiesen werden können. Wenn der Video-Assistent selbst nur den Hauch eines Zweifels hat, darf es keinen Eingriff in die Entscheidung geben.“

Genau das fordern auch die Verantwortlichen der Bundesliga-Clubs. „Es darf nicht so sein, dass den Schiedsrichtern Kompetenz weggenommen wird. Er ist derjenige, der entscheidet“, sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes. „Der Schiedsrichter muss die Verantwortung haben - und nicht die (Videoassistenten) in Köln.“

Die DFL stellte zudem klar, dass strittige Szenen auch in der Bundesliga-Rückrunde nicht auf den Videoleinwänden in den Stadien gezeigt werden. „Wir sind grundsätzlich bestrebt: Der Fan im Stadion muss wissen, was Sache ist. Aber die Manager der Vereine sind sich auch einig, dass die Videoleinwand dafür nicht das geeignete Mittel ist“, sagte Schwenken. „Dafür müssten die Voraussetzungen in allen Stadien gleich sein. Es gibt aber unterschiedliche Qualitäten der einzelnen Stadionleinwände. Die Manager und Sportdirektoren der Vereine sagen ganz klar: Unter diesen Voraussetzungen können wir die Szenen nicht auf den Videoleinwänden zeigen.“

Das Projekt Videobeweis

Homepage des DFB