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| 22:42 Uhr

Härtetest in Düsseldorf
DFB-Team startet mit 1:1 gegen Spanien ins WM-Jahr

Exklusiv In einem freundschaftlichen Vergleich konnten Deutschland und Spanien keinen Sieger ermitteln. In einem hochklassigen Duell vor ausverkauftem Haus in der Düsseldorfer Esprit-Arena ließen aber beide Teams erkennen, dass sie Ansprüche auf den Weltmeistertitel formulieren können. Bernd Jolitz

Bundestrainer Joachim Löw und sein spanischer Kollege Julen Lopetegui ließen keinerlei Zweifel daran, wie viel Wert sie dem Testspiel in der Düsseldorfer Esprit-Arena beimaßen. Beide schickten die volle Kapelle ins Rennen, die wohl beste Startformation, die die Weltmeister von 2010 und 2014 derzeit aufzubieten in der Lage sind. Die schönere Musik machten dabei zumeist die Spanier, allerdings bei einem Vergleich auf sehr hohem Niveau. Beim 1:1 unterstrichen beide Mannschaften ihre Ambitionen auf den WM-Titel.

Bereits eine Stunde vor dem Anpfiff war zu merken, dass Deutschland gegen Spanien kein ganz normales Test-Länderspiel ist. Viel schneller als bei solchen Anlässen üblich füllten sich die Ränge, nicht zuletzt der spanische Block in der Nordost-Ecke der ausverkauften Arena. Und der Jubel, der den Torhütern Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona und David de Gea von Manchester United schon beim Aufwärmen entgegenbrandete, ist in dieser Intensität selbst nach Anpfiff eines Freundschaftsspiels selten zu hören. Es knisterte in der Düsseldorfer Arena, es war deutlich zu spüren, dass viele Fans die Partie als Vorgeschmack auf die WM-Endrunde ansahen, die in nicht einmal drei Monaten in Russland beginnt.

Viel Beifall erntete dann auch Joshua Kimmich, der kurz vor Spielbeginn als Sieger der Fanwahl zum Nationalspieler des Jahres 2017 geehrt wurde. Für den 23-jährigen Münchner die richtige Einstimmung auf den heiklen Job, der für ihn kurz darauf auf der rechten deutschen Abwehrseite begann. Häufig hatte es Kimmich dabei mit Isco zu tun, dem begnadeten Techniker, der bei Real Madrid oft nur die Rolle des Edelreservisten einnimmt – was angesichts der Qualität des königlichen Starensembles aber besser niemand zur Abwertung heranziehen sollte. Und so war Isco dann auch am frühen Führungstreffer der Gäste beteiligt, freilich nicht ganz in dem Maße wie Barcelonas Routinier Andrés Iniesta, der mit seinem genialen Pass Rodrigo Moreno derart in Szene setzte, dass dieser nur noch vollenden musste.

Der Treffer Morenos, der im März 1991 noch als Brasilianer in Rio de Janeiro geboren wurde, war eine kalte Dusche für Löws Elf. Zwar schüttelte sich der Weltmeister nur kurz und setzte schnell auf beherztes Offensivspiel, aber die Defensive hatte ihre Not mit den flinken und kombinationsstarken Spaniern. So auch in der 18. Minute, als der Kölner Jonas Hector sich bei einem langen Diagonalball von Kapitän Sergio Ramos böse verschätzte und ter Stegen in der Folge gegen seinen Klubkameraden Iniesta Kopf und Kragen riskieren musste.

Zwar verzeichneten auch die Deutschen eine Chance dieser Kategorie, als Julian Draxler den Leipziger Stürmer Timo Werner glänzend freispielte. Das blieb jedoch zunächst eine Momentaufnahme, während die Iberer konstant damit beeindruckten, wie sie sich über die überragenden Mittelfeldakteure Isco, Iniesta und David Silva aus der eigenen Deckung heraus nach vorn kombinierten. Immerhin gelang es der DFB-Elf bald besser, sich auf den Passwirbel in Rot-Blau einzustellen, und Thomas Müllers Sonntagsschuss stellte wenn schon nicht das Spielgeschehen, so doch das Ergebnis auf Unentschieden.

Mit den Auswechslungen der zweiten Hälfte – im Falle des verletzten Kapitäns Sami Khedira unfreiwillig - musste das zuvor außerordentlich hohe Niveau zwangsläufig etwas sinken, die Selbstverständlichkeit im spanischen Spielfluss ohne Iniesta eine Spur leiden. Normal für Testspiele, etwas schade für diesen besonderen Fußballabend, der aber trotzdem noch attraktiv blieb. Weltstar de Gea bekam nun deutlich mehr Arbeit, überzeugte indes gegen Ilkay Gündogans Schuss ebenso wie ter Stegen gegen Isco. Bei Mats Hummels‘ Kopfball nach schickem Freistoßlupfer von Toni Kroos musste freilich die Latte für de Gea retten – ein deutscher Sieg wäre trotz der Leistungssteigerung des Löw-Teams jedoch zu viel des Guten gewesen.