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| 14:22 Uhr

DFB-Pokal-Halbfinale gegen Schalke 04
Eintracht-Trainer Niko Kovac vor wegweisendem Spiel

Trainer Niko Kovac wechselt im Sommer von Eintracht Frankfurt zum FC Bayern München.
Trainer Niko Kovac wechselt im Sommer von Eintracht Frankfurt zum FC Bayern München. FOTO: dpa, fg jhe nic
Frankfurt/Main. Niko Kovac könnte sich mit einem Titel von Eintracht Frankfurt verabschieden - oder im schlimmsten Fall noch vor dem Wechsel zu Bayern München entlassen werden. Das Pokal-Halbfinale bei Schalke 04 ist wegweisend.

Niko Kovac lächelte bei der unvermeidlichen Frage milde. Gerade hatte der Trainer von Eintracht Frankfurt eine Viertelstunde lang fast beschwörend über das Pokal-Halbfinale bei Schalke 04 gesprochen, darüber, dass es "nur um den Geist" gehen werde - da kam es doch noch, das leidige Bayern-Thema. "Das trifft mich schon, was geschrieben wird", sagte Kovac freundlich und aufgeräumt, "ich bin auch nur ein Mensch."

Es war das Spiegelbild der Lage bei der Eintracht, verdichtet auf wenige Minuten. Dass der Trainer zum 1. Juli den Rekordmeister aus München übernehmen wird, der Ablauf der Verhandlungen, die Umstände der Bekanntgabe, gegenseitige Vorwürfe, das überstrahlt derzeit alles. Selbst die historische Chance, am Mittwoch (20.45 Uhr/ARD und Sky) erstmals seit 1974/75 zweimal nacheinander das Pokal-Endspiel zu erreichen.

Kovac gab sich jedoch weit lockerer als noch vor wenigen Tagen, er war souverän und lachte viel. Dennoch schottet er sich vor dem wichtigen Spiel ab, so gut es geht. "Ich lese eigentlich sehr wenig", sagte er. Scheuklappen hoch. Und sah sich doch genötigt, sich gegen die Kritik an seinem Wechsel zu verteidigen.

"Die Bayern sind ein Weltklub. Dort irgendwann mal in Betracht gezogen zu werden, überhaupt einmal die Chance zu bekommen, diese Chance ist sehr, sehr gering. Die Möglichkeit, die sich mir an dem Tag geboten hat, die musste ich wahrnehmen", zitierte ihn der kicker.

Dennoch: Dem Spiel auf Schalke gilt die volle Konzentration. "Mich interessiert es nicht, wie wir weiterkommen. Sei es mit Betonfußball. Hauptsache, wir kommen ins Finale", betonte Kovac: "Nur das zählt." Bei den Schalkern, einer Mannschaft "auf der Euphoriewelle", sei sein Team "Außenseiter, ganz klar". Die Situation sei ähnlich wie im vergangenen Jahr: "Keiner hatte uns zugetraut, ins Finale zu kommen. Die Hoffnung lebt."

Es ist die Hoffnung auf Berlin, einen weiteren Schritt zum ersten Titel seit dem Pokalsieg vor 30 Jahren - und auch auf einen versöhnlichen Abschied. Der Wind hat sich innerhalb von Tagen gedreht in Hessen, er weht Kovac nun scharf ins Gesicht. Recht offen wird diskutiert, ob der Kroate womöglich noch vor dem Saisonende entlassen wird, sollte es auf Schalke schiefgehen. Sportdirektor Fredi Bobic nennt in diese Richtung zielende Fragen "respektlos".

Auch Kevin Prince Boateng verschwendet daran keinen Gedanken. "Ich bin so nah dran, ins Finale zu kommen - das will ich mir nicht nehmen lassen", sagte er bei Sky. "Am liebsten will ich im Finale gegen Bayern spielen, gegen meinen Bruder Jerome." Und gegen den künftigen Klub seines Trainers, was ein besonderer Treppenwitz wäre.

Im vergangenen Jahr hatte die Eintracht die riesige Chance auf ihren ersten Titel seit 1988 ausgelassen. Gegen ein Borussia Dortmund, das durch den Streit zwischen Trainer Thomas Tuchel und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bereits im Zerfall begriffen war, verloren die Frankfurter das Pokalfinale 1:2.

Diesmal muss das Endspiel erst noch erreicht werden. Kapitän David Abraham mahnte Konzentration an und nennt die Personalie Kovac "eine Entscheidung außerhalb unseres Machtbereichs". Er finde eine Kabine vor, die "sehr ruhig und professionell" sei, ganz unaufgeregt. Lieber richtet er den Blick auf Berlin: "Zweimal in Folge im Finale - ich weiß nicht, ob es das schon mal gab."

Auflösung: Ja, gab es. 1974 und 1975 wurde die Eintracht unter Dietrich Weise sogar zweimal in Folge Pokalsieger.

(sid)